Brückenarbeiten in Bonn

Arbeiter sichern Viktoriabrücke mit Bohrpfählen ab

Bonn. Damit die Rampe der Viktoriabrücke bei den anstehenden Arbeiten nicht einstürzt, werden in den nächsten Tagen Bohrpfähle eingesetzt. Das Verfahren ist teuer, aber notwendig.

Meter für Meter wird sich in den nächsten Tagen ein Bohrer an der Viktoriabrücke in die Tiefe fressen. Er setzt Pfähle, die verhindern sollen, dass die Brückenrampe einstürzt. Das Verfahren ist teuer und wird nur selten angewandt, weshalb die Tiefbauer der Stadt Bonn von einer Spezialfirma unterstützt werden. „Aber die Betonsäulen, die später entstehen, sind besonders widerstandsfähig, was in diesem Fall auch nötig ist“, erklärt Tiefbauamtsleiter Peter Esch.

Es könnte viel einfacher gehen. Denn es ist üblich, Baugruben mit Spundwänden abzusichern. Die stählernen Platten werden mit viel Lärm und starken Erschütterungen in den Boden gerammt. „Das würde man dann aber bis in die Altstadt spüren“, sagt Esch. Bohrpfähle gelten dagegen als vergleichsweise leise Angelegenheit.

Dabei wird tatsächlich nur gebohrt, in diesem Fall mit dem Baggermodell Delmag RH 16. Knapp 60 Tonnen schwer und komplett aufgebaut rund 20 Meter hoch, lassen sich bis zu 16 Meter tiefe Löcher fräsen. Die Spezialfirma Echterhoff setzt ihren RH 16 auch beim Brunnenbau ein. An der Viktoriabrücke darf allerdings später kein Loch bleiben. Deshalb setzen die Arbeiter alle zwei Meter ein neues Rohr auf den Bohrer, das dann bis in zwölf Meter Tiefe gedreht wird. Ist das Erdreich nach oben geholt, wird ein rundes Stahlgitter, die Bewehrung, in das Loch gelassen. „Schließlich füllt man dann Beton hinein, der Bohrer wird herausgezogen“, erklärt Esch. Ist das Material ausgehärtet, steht eine senkrechte Säule im Boden, die tonnenschweren Druck aushält und „praktisch nicht umgedrückt“ werden kann.

Nötiger Schutz für weitere Bauarbeiten

„Eine Säule reicht natürlich nicht; und sie nebeneinander zusetzen, wäre später nicht dicht“, sagt Esch. Deshalb überschneiden sie sich in zwei Reihen. Die Säulen der ersten Reihe sind näher aneinander, als der Durchmesser der einzelnen Säule misst. Dann wird eine zweite Reihe Säulen dahintergesetzt, die die Lücken bündig verschließt. „Das gehört nicht zum Tagesgeschäft, so etwas ist schon selten.“ In Bonn wurde so ein Spezialgerät schon für die Verlängerung des B 9-Stadtbahntunnels in Höhe Ollenhauerstraße eingesetzt.

Der Schutz aus Betonsäulen ist nötig, damit die Rampe der Viktoriabrücke bei den kommenden Bauarbeiten nicht einstürzt. Deren Außenwände werden erneuert, um sie in den nächsten Jahrzehnten nutzen zu können. Bauarbeiter sanieren aber auch die sogenannten Widerlager der Konstruktion. Das Widerlager trägt das Ende des Brückenüberbaus und leitet dessen Kräfte in den Boden ab. Zusätzlich nimmt es den Druck auf, der durch die Rampe von der anderen Seite entsteht.

Angeliefert wurde der Bohrer in der Nacht zum Donnerstag. Noch bis 2. August hat das städtische Tiefbauamt Nachtarbeiten angekündigt. Für 2019 sind noch drei weitere nächtliche Sperrblöcke durch die Deutsche Bahn genehmigt. „Es werden darüber hinaus bis 2021 weitere nächtliche Sperrpausen erforderlich sein, diese müssen aber noch von der Deutschen Bahn genehmigt werden.“

Wenige Beschwerden, mehr Interesse

Laut Presseamt hätten sich bislang nur wenige Bürger über Belästigungen beschwert. „Hinsichtlich der aktuellen Nachtarbeiten sind beim Tiefbauamt vier Anrufe eingegangen.“ Anwohner hätten in erster Linie wissen wollen, was genau gemacht werde. „Lediglich ein Haushalt in der Anwohnerschaft hat um eine vorübergehende Ausquartierung gebeten.“ Das sei den Nachbarn des am stärksten betroffenen Umfelds schon vor Beginn der Arbeiten angeboten worden.

Bis Ende August werden auch die Autofahrer noch viel von den Bauarbeiten mitbekommen. Weil etwa 16 Meter Betonkanal und zwei Schächte in bis zu 4,50 Metern Tiefe verlegt werden, ist eine Spur der Thomastraße gesperrt. Vor allem im Berufsverkehr staut sich daher der Verkehr vor der Ampelanlage.