A565 in Bonn

Arbeiten an der Nordbrücke noch länger als gedacht

Mit Stau auf der Nordbrücke müssen Autofahrer noch bis Oktober rechnen. Das Ende der Bauarbeiten verzögert sich.

Mit Stau auf der Nordbrücke müssen Autofahrer noch bis Oktober rechnen. Das Ende der Bauarbeiten verzögert sich.

Bonn. Die Bauarbeiten auf der Nordbrücke für den Ausbau des Standstreifen zur dritten Fahrspur dauern mindestens sechs Monate länger. Der Auftraggeber Straßen NRW zahlt Firmen Boni für Pünktlichkeit.

Entschleunigte Minuten über dem Strom: Wer seinen Puls noch im Griff hat, der nutzt den morgendlichen Stau auf der Nordbrücke in diesen Tagen für einen ausgiebigen Panoramablick auf das frühlingshafte Bonn. Das zweifelhafte Vergnügen dürfte vielen Pendlern auch den Sommer über erhalten bleiben. Wie Friederike Schaffrath, Projektleiterin bei Straßen NRW für die Autobahnen im Bonner Raum, auf GA-Anfrage erklärt, werden die Arbeiten voraussichtlich rund ein halbes Jahr länger dauern als geplant. „Wir werden die aktuellen Bauarbeiten auf der A565 wohl erst zum Oktober hin abschließen können“, so Schaffrath.

Anfang Juli 2018 hatten die Arbeiten begonnen. Zwischen der Nordbrücke und dem Kreuz Bonn-Nordost wird dabei der Standstreifen in Richtung Köln als dritte Fahrspur ausgebaut. Dazu müssen zwei Nothaltebuchten eingerichtet werden. Außerdem wird die Entwässerung der Straßenbeläge saniert. Das Wasser soll nicht mehr mitsamt Gummiabrieb von Reifen und Resten von Öl und Benzin ungeklärt in die Sieg abfließen, sondern in einem Becken in Beuel gesammelt und zunächst gereinigt werden.

Während der Arbeiten seien Planungsänderungen nötig geworden, erklärt Schaffrath die Verzögerung. Eine Stützwand habe man leicht verändern müssen, was statische Neuberechnungen zur Folge hatte. Auch bei der Entwässerungsplanung gab es Änderungen.

Anreiz für die beauftragen Firmen

Grundsätzlich bemüht sich der Landesbetrieb seit vergangenem Jahr, vor allem bei den sensiblen Autobahn-Baustellen mit einem neuen Konzept um termingerechte Fertigstellung. „Wir setzen dazu auf ein Anreizsystem, das sowohl Konventionalstrafen bei Verzögerungen als auch Boni bei vorzeitiger Fertigstellung vorsieht“, sagt Kathrin Draheim-Bohemann, die zuständige Abteilungsleiterin für Vergabe- und Vertragswesen in der Gelsenkirchener Zentrale.

 

Bei 117 von rund 1000 Vergaben im vergangenen Jahr gilt das neue Konzept. Für die Baustellen auf der Nordbrücke habe man Boni und Strafen ebenso vorgesehen wie für die geplante Autobahnbrücke über der künftigen Trasse der S13. Bei der Sanierung der Autobahn 59 zwischen Köln Porz und Wahn habe sich das System bereits bewährt. „Der erste Bauabschnitt wurde dort vorzeitig abgeschlossen“, freut sich Draheim-Bohemann. Während der Landesbetrieb rechtlich nur Strafen von fünf Prozent der Bausumme vereinbaren dürfe, gewährt er in diesem Fall sogar zehn Prozent mehr bei schnelleren Arbeiten.

„Für die Unternehmen ist das ein spürbarer Anreiz“, glaubt Draheim-Bohemann. Allerdings greife das System nicht mehr, wenn die Voraussetzungen vor Ort wie an der Nordbrücke technische Änderungen nötig machen. „Dann muss neu verhandelt werden. Und die Firmen müssen die Termine und Strafen nicht mehr akzeptieren.“

Neubau der Nordbrücke 2028

Dass Unternehmen angesichts der boomenden Baukonjunktur bei drohenden Strafen kein Angebot mehr abgeben, fürchtet sie nicht: „So etwas erleben wir höchstens bei kleineren Aufträgen, etwa bei Elektroarbeiten an Brücken.“ Die Großaufträge insbesondere an den Autobahnen seien für die einschlägigen Unternehmen so attraktiv, dass der Landesbetrieb – anders als die Kommunen – keine Engpässe befürchte.

Allerdings trauten viele Firmen der Konjunktur derzeit nicht. Deshalb scheue man Neueinstellungen und den Einsatz mehrerer Kolonnen auf einer Baustelle. „Das erklärt, warum man am Freitagnachmittag bisweilen niemanden mehr sieht“, sagt Draheim-Bohemann. Angesichts der Vielzahl von Sanierungsfällen in der öffentlichen Infrastruktur sei diese Furcht indessen unbegründet.

Dazu gehört auch der komplette Abriss und Neubau der in die Jahre gekommenen Nordbrücke. Dieser soll allerdings frühestens im Jahr 2028 in Angriff genommen werden. Straßen NRW wird dann nicht mehr die Planung und Vergabe übernehmen – ob der Bund es mit der neu gegründeten Autobahngesellschaft allerdings schneller schafft, bleibt abzuwarten.