Kommentar zu brennendem iPhone

Apple zahlt Schmerzensgeld aus der Portokasse

Der brennende Akku hat das iPhone 6 zum Bersten gebracht. Durch die Hitze ist auch die Schutzhülle geschmolzen.

Der brennende Akku hat das iPhone 6 zum Bersten gebracht. Durch die Hitze ist auch die Schutzhülle geschmolzen.

Bonn. Ein iPhone fängt in der Hose Feuer, ein Junge verbrennt sich. Ein Milliardenkonzern wie Apple kann ein Schmerzensgeld von 500 Euro aus der Portokasse zahlen, findet GA-Redakteur Nicolas Ottersbach.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“ So ist die Schadensersatzpflicht in Paragraf 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs definiert. Darüber lässt sich natürlich vor Gericht streiten. Im Fall des brennenden iPhones und der Bonner Familie heißt das: Ist der Konzern wirklich Schuld daran, dass sich der Akku in der Hosentasche entzünden konnte? Oder ist die Familie selbst Schuld, weil, wie Apple behauptet, das Gerät durch Dritte unsachgemäß repariert wurde?

Jedenfalls scheint das Unternehmen auf solche Fälle gut vorbereitet zu sein. Schon kurz nach der Produktion sind Röntgenaufnahmen des betroffenen iPhones gemacht worden. Die Röntgenbilder, die nach dem Brand entstanden sind, kann man nun mit den alten vergleichen. Apples Fazit: Es fehlt eine Schraube. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Bonner Familie bestreitet vehement, das Gerät jemals geöffnet, geschweige denn repariert zu haben. Selbst dann bleibt die Frage: Darf sich ein Akku entzünden, weil eine Schraube im Gehäuse fehlt? Eine Familie gegen einen der mächtigsten Technologiekonzerne auf diesem Globus, der sich durch eine international renommierte Anwaltskanzlei vertreten lässt. David gegen Goliath. Hätten die Familie keine Rechtsschutzversicherung, würden sie sich auf diesen Prozess wohl nicht einlassen.

Aber um was geht es hier eigentlich? Am Schmerzensgeld selbst kann es nicht liegen. Ein Milliardenunternehmen wie Apple zahlt die für einen außergerichtlichen Vergleich geforderten 500 Euro aus der Portokasse. Der Stundensatz der Anwälte dürfte wahrscheinlich höher anzusetzen sein. Fragwürdig ist, warum das kaputte iPhone 6 anstandslos ersetzt wurde. Und Apple für diese Modelle sehr günstig die Akkus tauschen lässt, aber behauptet, dass es keine Probleme gibt. Das wird nun ein Gericht entscheiden – vielleicht in einem Präzedenzfall.