Mehr als 4000 Unfälle in Bonn

App von Bonner Brüdern soll vor Gefahrenstellen warnen

Bonn. Allein im Bonner Stadtgebiet ereigneten sich im vergangenen Jahr mehr als 4000 Unfälle. Schaut man sich die Polizeistatistiken der vergangenen Jahre an, gehen die Zahlen nur leicht zurück. Daran wollen drei Bonner Brüder etwas ändern - mit einer neuen App.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass es so viele Verkehrstote gibt“, sagt Arno Wolter (43). „Wir haben uns gefragt: Was kann man machen, um die Straßen sicherer zu machen?“, erzählt der 43-Jährige. Gemeinsam mit seinen Brüdern Henrik (39) und Jörn (44) arbeitet er an einem Warnsystem, das Verkehrsteilnehmer frühzeitig auf Gefahrenstellen aufmerksam machen soll.

Dazu haben sie die Webseite „gefahrenstellen.de“ entwickelt, über die Verkehrsteilnehmer gefährliche Punkte im Straßenverkehr melden können. Die Internetseite ist Teil des Projekts „Früherkennung von Gefahrenstellen im Straßenverkehr“ – kurz FeGis – und wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Straßenwesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

Damit das System funktioniert, müssen die Entwickler die potenziellen Gefahrenpunkte zunächst einmal sammeln und setzen dafür auf das Wissen der Verkehrsteilnehmer. Seit Ende April können Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger kritische Punkte im Stadtgebiet auf einer digitalen Karte eintragen und die Art der Gefahrenquelle genauer benennen.

Die Markierung auf der interaktiven Karte läuft in drei Schritten ab: Zunächst markiert der Verkehrsteilnehmer die entsprechenden Stelle auf der Karte und kann dann auswählen, für wen die Stelle eine Gefahrenquelle bietet: Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer sowie Pkw-, Lkw- oder Busfahrer. Im nächsten Schritt kann die Art der Gefahr angegeben werden, zum Beispiel ob die Stelle unübersichtlich ist, schlechte Straßenverhältnisse bietet oder die Unaufmerksamkeit bestimmter Verkehrsteilnehmer hier zu einer Gefahr werden könnte. Zum Abschluss kann der Melder angeben, ob er dort selbst schon einmal Augenzeuge eines Unfalls geworden ist oder selbst eine Gefahrensituation dort erlebt hat.

App soll im Mai kommen

Das spätere Warnsystem soll so eben nicht nur durch die Unfallkommission ausgezeichnete Stellen enthalten, sondern auch solche Punkte, die Verkehrsteilnehmer bereits viel früher als kritisch empfinden. Neben der Bundesstadt ist Aachen ebenfalls als Modellregion für die Testphase ausgewählt worden. Die gesammelten Unfallstellen werden im Anschluss von Verkehrsexperten der RWTH wissenschaftlich geprüft, mit den Unfallstatistiken der Polizei abgeglichen und bei einer Begehung vor Ort bewertet, um die Qualität und Validität der Daten zu gewährleisten.

Mit der Arbeit an der Webseite haben die drei Bonner im Dezember begonnen. Arno kümmert sich um die Kooperationspartner und die Finanzierung, Jörn um Texte und Bilder für die Webseite, während Henrik als IT-Experte die Ideen umsetzt. Seit Mitte der 2000er sind sie als Dreierteam im Onlinebereich tätig. Ab Mai soll auch eine App sowie weitere Funktionen hinzukommen, wie beispielsweise eine Kommentar- und Chatfunktion, um die Gefahrenstellen genauer zu beschreiben und Erfahrungen austauschen zu können. Bis November läuft die Förderung durch das Verkehrsministerium. Dann soll auch die erste Testphase, die Machbarkeitsstudie, abgeschlossen sein, auf deren Grundlage das System schließlich umgesetzt und auf weitere Städte ausgedehnt werden soll.

Langfristig sollen die Daten in bereits bestehende Systeme integriert und den Navigations- und Autoherstellern zur Verfügung gestellt werden. Aber auch Kommunen sollen von dem Projekt profitieren, um Gefahrenstellen schneller beseitigen zu können. Autofahrer sollen sich direkt über die App oder Webseite zukünftig warnen lassen und informieren können. „Bisher kann man die schnellste oder die günstigste Strecke wählen. Wir wollen dafür sorgen, dass man die sicherste Variante wählen kann“, erklärt Henrik Wolter. Zum Beispiel, wenn Eltern nach dem sichersten Schulweg für ihre Kinder suchen. Ihr Projekt wollen sie im Juni auf der Cebit vorstellen. Bis dahin hoffen sie auf rege Beteiligung der Bürger: „Es steht und fällt mit der Beteiligung der Leute“, sagt Jörn Wolter.

Eine Gefahrenstelle melden Bonner auf www.gefahrenstellen.de