Kinderklinik erarbeitet Konzept

Anzeichen von Missbrauch erkennen

Anzeichen von Missbrauch erkennen.

BONN. Die Zahl ist erschreckend: Nach einer aktuellen Studie des Bundeskriminalamts werden in Deutschland jeden Tag fast 50 Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht.

Anzeichen rechtzeitig zu erkennen: Diese Verantwortung liegt jedoch nicht allein bei den Familien, sondern auch Ärzte, Lehrer oder Erzieher, die täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollen Hinweise erkennen und richtig deuten.

Bis jetzt gibt es jedoch noch keine Leitlinie, an der sich die Mitglieder dieser Berufsgruppen bei Verdachtsfällen orientieren können. Dr. Ingo Franke am Zentrum für Kinderheilkunde an der Bonner Uniklinik möchte das jetzt ändern.

Als Gründer der lokalen Kinderschutzgruppe an der Klinik hat Franke bereits Erfahrung in diesem Bereich. Heute ist er geschäftsführender Vorstand der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Kinderschutz in der Medizin. Nun erarbeitet er mit seinem Team Methodik und Inhalte einer Kinderschutz-Leitlinie, die ab dem Jahr 2017 gelten soll. "Geplant sind derzeit fünf verschiedene Versionen: Lang- und Kurzfassungen für Mediziner sowie für die Jugendhilfe, die Pädagogik und die betroffenen Patienten", sagt Ingo Franke.

Handlungsempfehlungen statt Vorschriften

Rechtlich bindend ist die Kinderschutz-Leitlinie allerdings nicht. "Wir schreiben keine Gesetze, wir geben Handlungsempfehlungen. Der Entwurf soll allen beteiligten Berufsgruppen Hilfestellung im Alltag geben und Sicherheit beim verantwortungsvollen Umgang mit möglichen Betroffenen bieten." Auf der Grundlage von circa 2100 Fallbeispielen entwickelt das Team 30 exemplarische "Kinderschutzfälle" und liefert die entsprechenden Handlungsempfehlungen.

Franke rechnet auch international mit großer Resonanz. "Wir haben durch unsere Recherche festgestellt, dass weltweit auf diesem Gebiet noch ein großes Defizit herrscht. In England wird derzeit an einer Leitlinie mit ähnlicher Zielsetzung gearbeitet. Ich denke, dass wir hier durch enge Kooperationen auch Synergien schaffen können."

Finanziert wird das Projekt durch das Bundesgesundheitsministerium, teilt die Kinderklinik mit.