Parksituation in der Bonner Südstadt

Anwohnerausweis für Carsharing

Zu viele Autos für zu wenige Stellplätze: Die Parksituation in der Südstadt ist für viele Anwohner ein großes Ärgernis. FOTO: OTTERSBACH

Zu viele Autos für zu wenige Stellplätze: Die Parksituation in der Südstadt ist für viele Anwohner ein großes Ärgernis.

SÜDSTADT. Die Parksituation in der Bonner Südstadt soll entzerrt werden. Helfen soll dabei auch die Firma Scouter, die dort mit zehn Carsharing-Fahrzeugen im Probebetrieb hat. Und: Das Angebot ist auch für weitere Stadtteile geplant.

Nette Cafés, ein breites Angebot an exklusiven Geschäften, diverse Restaurants, Schulen, Kindergärten, Spielplätze. Die Bonner Südstadt ist eine der attraktivsten Wohngegenden in Bonn. In den behutsam renovierten Gründerzeithäusern fühlen sich Alt und Jung, Familien und Singles gleichermaßen wohl.

Doch so hoch die Lebensqualität zwischen Reuterstraße, Elisabethkirche und Poppelsdorfer Allee auch ist, selbst in der Südstadt ist nicht alles perfekt. Denn wer hier wohnt, der muss oftmals viel Geduld bei der Suche nach einem Parkplatz haben. Eine Alternative zum eigenen Wagen bietet jetzt der Anbieter Scouter. Im Dezember startete das Unternehmen in der Südstadt mit zehn Fahrzeugen im Probebetrieb. Jetzt wurde der Vollbetrieb aufgenommen. Ziel ist, die angespannte Parksituation auf Dauer zu entlasten.

Die Anbieter Cambio und Stattauto bieten bereits seit einiger Zeit ihren Dienst in Bonn an. Jetzt versucht Scouter mit insgesamt 35 Fahrzeugen aller Klassen in der ganzen Stadt Fuß zu fassen. Der überwiegende Teil der Flotte hat feste Stationen, bei denen die Parkplatzsuche entfällt. In der Südstadt wird dieses System durch das Quartiercarsharing komplettiert.

"Ob nur für einen Besuch bei Freunden, den großen Wochenendeinkauf, einen Ausflug mit der Familie oder für einen Möbeltransport, wir haben für jede Gelegenheit das passende Fahrzeug", verspricht Daniel J. Kurth, Geschäftsführer von Sharegroup, der bundesweiten Carsharing-Plattform "Scouter".

Einmal angemeldet, registriert und legitimiert, können die Kunden jederzeit ein passendes Fahrzeug "buchen". Damit es allerdings nicht "Knöllchen hagelt", hat Scouter von der Stadt Bonn zehn Anwohnerparkausweise erhalten. "Carsharing ist für Neueinsteiger, Gelegenheitsnutzer und erfahrene Nutzer gleichermaßen interessant. Für die, die nur ab und zu einen Wagen brauchen, ist unser Angebot deshalb attraktiv, weil es keine monatlichen Grundgebühren, Kautionsbedingungen oder Mitgliedschaften gibt", erklärt Kurth weiter. Deshalb sei das Modell gerade auch für Familien interessant, die aus finanziellen Gründen auf einen Zweitwagen verzichten müssen. Der Preis für das Sharing setzt sich aus den Kosten für die Mietdauer sowie einer Kilometerpauschale zusammen.

Allerdings hat auch Kurth erkannt, dass die Parksituation in der Bonner Südstadt nicht immer einfach zu durchschauen ist. "Wir planen deshalb, die Navigationsgeräte so zu programmieren, dass der Nutzer im Fahrzeug erkennt, ob er mit seinem Wagen in dem Bereich stehen bleiben kann oder nicht", so der Geschäftsführer. Denn während für Fahrzeuge mit Anwohnerparkausweis eine Vielzahl von Stellplätzen zur Verfügung stehen, dürfen die Scouter nicht einfach in jeder Parklücke und zu jeder Tageszeit abgestellt werden. "Das ist manchmal schon verwirrend", meint der Unternehmer. In der Anfangsphase will man es nicht so ernst nehmen, "aber später werden wir die Bußgeldforderungen über die Behörden an die Nutzer weiterleiten lassen".

Ist man registriert und hat über das Web oder via App ein passendes Fahrzeug gefunden und reserviert, dann kann man über seine persönliche Chipkarte die Fahrertür öffnen. Im Handschuhfach findet der Mieter dann den Fahrzeugschlüssel. Nach der Fahrt werden PKW oder Transporter einfach wieder abgestellt, online erkennt Scouter, wo genau das Fahrzeug steht.

Nach dem erfolgreichen Probebetrieb in der Südstadt will Scouter sein Angebot in Zukunft auch auf andere Bonner Stadtteile ausdehnen. So sollen Fahrzeuge mit dem markanten orangefarbenen Emblem bald auch in der Nord- und in der Weststadt zur Verfügung stehen.