Annington-Wohnung in Tannenbusch

Angst vor Asbest im Boden

Bonn. Zohra Refaei ist wohl das, was man eine "starke Frau" nennt. Die Witwe ist Mutter zweier Kinder, elf und 14 Jahre alt. Sie redet schnell und sehr bestimmt. Als alleinerziehende Mutter und Mieterin in einer Annington-Wohnung an der Riesengebirgsstraße in Tannenbusch kann man es sich nicht leisten, wehleidig zu sein.

Aber wenn die 40-Jährige über die Verhältnisse redet, in denen sie lebt, kommen ihr die Tränen: Die Familie wohnt seit Monaten in einer mit Asbest verseuchten Wohnung. Im Februar sollte der PVC-Boden entfernt werden. Darunter zum Vorschein kam Asbest. Ein Mitarbeiter der Annington habe daraufhin angekündigt, man suche so schnell wie möglich eine Wohnung für die Familie.

Tatsächlich gab es auch Bemühungen, eine Wohnung in Lessenich wurde angeboten. "Aber als ich angerufen und nachgefragt habe, wurde mir gesagt, dass die Wohnung jemand anderem gegeben wurde", sagt Refaei. Weitere Versuche schlugen fehl, Refaei kann nicht erklären, warum.

In den Sommerferien verreiste die Familie einige Wochen. Eigentlich ein idealer Zeitpunkt, um die Wohnung zu sanieren. Passiert ist nichts. Nach den Ferien gab es einen erneuten Anlauf. "Uns wurde angeboten, dass wir in den Herbstferien in einem Hotel wohnen können", sagt Refaei. Sie packte die Koffer und bereitete die Wohnung, so weit das der Witwe möglich war, für die Sanierung vor.

Seit Tagen lebt die Familie inmitten von Umzugskartons und blauen Tüten in einer halb leer geräumten Wohnung. "Aber ich habe bis heute keine Antwort, keinen Brief, keine Neuigkeiten." Refaei liest die Staubflusen mit der Hand auf. Sie soll den Belag schonen, nicht mit Staubsauger oder Wischmopp drüberschrubben.

Wenn sie nach dem Treppensteigen in die Wohnung kommt, muss sie erst mal zehn Minuten nach Luft schnappen. Die 40-Jährige keucht asthmatisch, ebenso wie ihr elfjähriger Sohn Ayman. Ob das mit dem Asbest zusammenhängt, ist unklar. In einem ärztlichen Attest wird zumindest ein Zusammenhang vermutet und eine Allergie als Ursache ausgeschlossen.

"Die Notwendigkeit, dass gehandelt wird, steht außer Zweifel", sagt Annington-Sprecherin Katja Weisker. Aber: "Es gibt keine Indizien dafür, dass die Platten in diesem Zustand Ursache für die Erkrankungen sind." Ein Fachmann habe dem Unternehmen bestätigt, dass die sogenannten Florflexplatten, solange sie unbeschädigt sind, ungefährlich seien.

Trotzdem habe das Unternehmen viele Anläufe unternommen, der Familie zu helfen. Warum diese jedoch scheiterten, vermag Weisker nicht zu sagen. Das Unternehmen habe großes Interesse daran, das Problem zu lösen, sprachliche Probleme habe es im Kontakt mit Frau Refaei nicht gegeben.

Warum auch das letzte Angebot zur Sanierung der Wohnung in den Herbstferien ins Leere lief, kann Weisker auch nicht erklären. Nach nunmehr acht Monaten kommt Bewegung in die Sache. Am Montag berichtete Refaei, dass Nachmittags ihre Sachen abgeholt werden. Für die Sanierung bringt die deutsche Annington die Familie in einem Hotel unter.