Münsterplatz in Bonn

Am Rad-Aktionstag stellen Unternehmer neue Produkte vor

Raphaél Holland, Stefan Meretz und Jürgen Reske (von rechts) stellen den neuen Lastenanhänger für Fahrräder vor. FOTO: STEFAN KNOPP

Raphaél Holland, Stefan Meretz und Jürgen Reske (von rechts) stellen den neuen Lastenanhänger für Fahrräder vor.

BONN. Es führt den ökologischen Gedanken der solidarischen Landwirtschaft ein wenig ad absurdum, wenn man das geerntete Gemüse mit dem Auto abtransportiert. Das fanden jedenfalls Stefan Meretz und Raphaél Holland.

Auf der Suche nach umweltfreundlichen Alternativen wurden sie in Freiburg fündig: "Dort wird Gemüse innerhalb der Stadt komplett mit Lastenanhängern für Fahrräder transportiert", so Meretz. Die Idee fanden sie gut. "Aber wir brauchen das Fahrrad nur einmal in der Woche für die Ernte." An den sechs anderen Tagen könnte das Gefährt den Bonnern zur Verfügung stehen.

Auf dem Rad-Aktionstag am Samstag stellte Meretz den Lastenanhänger auf dem Münsterplatz erstmals vor. Für die Finanzierung hatte er die Bonner Bürgerstiftung angeschrieben, die das Projekt mit 3000 Euro aus dem Ideenwettbewerb bezuschusste. "Kriterium ist, dass es eine Idee sein muss, die es in Bonn noch nicht gibt", erklärte Stiftungs-Geschäftsführer Jürgen Reske.

Der Anhänger für jedermann, mit dem man Gemüse, Bierkästen oder auch Möbel transportieren kann, wurde als "Bereicherung für die Bürger" angesehen. Und die Stiftung müsse auch bereit sein, riskante und mutige Ideen zu unterstützen, so Reske.

"Bolle" geht an den Start

Am 1. Oktober geht der Lastenanhänger "Bolle" an den Start. Man kann ihn dann online unter bolle-bonn.de kostenfrei buchen. Eine feste Station soll es nicht geben: Meretz hofft, viele Geschäfte, Unternehmen, Initiativen und Kirchen als Ausleihstationen zu gewinnen.

Bei Erfolg will er den Anhänger nachbauen: Die Freiburger Firma hat ihre Baupläne zu dem Zweck öffentlich online gestellt. Zudem lädt Meretz Bonner mit Lastenfahrrädern ein, diese zum Verleih auf seiner Internetseite anzubieten.

Der Anhänger war eine Besonderheit auf dem Rad-Aktionstag, auf dem sich neben dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und dem Verkehrsclub Deutschland (VDC) auch die Verkehrswacht beteiligte. Dort konnte man einen Reaktionstest machen, für Kinder war ein Fahrradparcours aufgebaut. Die Bonner Polizei hatte wieder einen Linienbus organisiert und warnte vor dem Toten Winkel, in dem Busfahrer Radfahrer nicht sehen können.

Bonn will Fahrradstadt 2020 werden

Einige Radhersteller und -händler waren gekommen, darunter erstmals "BundesRad Bonn". Das 2010 gegründete Unternehmen vertreibt Lifestyle- und Citybikes, laut Mitarbeiter Andreas Wolf weitgehend made in Germany und bevorzugt mit Zahnriemenantrieb. Für die Stadtfahrräder muss man allerdings mitunter tief in die Tasche greifen: Die Räder kosten zwischen 1000 und 7000 Euro.

Bonn sei eine gute Fahrradstadt, fand Wolf, "weil wir schöne Regionen zum Fahren haben und es eine fahrradfreundliche Stadt mit vielen Radwegen ist". Bonn will ja Fahrradstadt 2020 werden.

Auf dem Weg dahin will man unter anderem prüfen, wo die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben und durch Alternativen ersetzt werden kann, erklärte Regina Jansen vom Fahrradteam des Stadtplanungsamtes. Weiterhin will sich die Stadt um Fahrradabstellanlagen bemühen, Einbahnstraßen für Fahrräder öffnen und Fahrradstraßen einrichten.