Tausendfüßler in Bonn

Am 13. Mai startet die Sanierung - Fahrspuren sollen geöffnet bleiben

Der Tausendfüßler aus der Vogelperspektive: Während der Bauzeit sollen beide Fahrspuren in beide Richtungen geöffnet bleiben.

BONN. In gut zwei Wochen, am 13. Mai, starten die Arbeiten zur Verstärkung des maroden Tausendfüßlers. Dafür muss auf der 1959 errichteten Spannbetonbrücke der A565 zwischen Endenich und Bonn-Nord zunächst die Baustelle eingerichtet werden. Die gute Nachricht: Während der bislang auf fünf Monate kalkulierten Bauzeit sollen beide Fahrspuren in jede Richtung geöffnet bleiben.

Die schlechte: Die Arbeiten auf dem Tausendfüßler sind nur der Auftakt für ein umfangreiches Brückensanierungsprogramm in und um Bonn herum.

Über die Details und mögliche Beeinträchtigungen informierten gestern die Planer der Stadt Bonn und des Landesbetriebs Straßen. NRW auf einer Pressekonferenz im Stadthaus. Vertreter der Stadtwerke waren nicht zugegen. Man sei aber, so Stadtbaurat Werner Wingenfeld, auch mit den SWB im Gespräch. Schließlich weiß die Stadt um die Sorgen vieler Autofahrer, dass Bonn in den kommenden Jahren zur Staufalle wird.

"Wir haben uns deshalb mit den zuständigen Behörden frühzeitig zusammengesetzt, um die Baustellen abzustimmen und Vermeidungsstrategien zu entwickeln", sagte Wingenfeld. Doch wie er ist auch Mario Korte, beim Landesbetrieb zuständig für die Baustellen-Koordination, realistisch.

"Auch bei einem guten Baustellenmanagement und engster Abstimmung kann ich nicht verhehlen, dass es Behinderungen geben wird", sagte Korte. Eine Ahnung, was ihnen blüht, haben die Autofahrer erst kürzlich erhalten, als der Landesbetrieb auf der A562 in Höhe Ramersdorf die Fahrbahnübergänge erneuern und dafür Fahrspuren sperren musste. Vor allem im Berufsverkehr hatten sich lange Staus gebildet, teilweise war der komplette Verkehr zum Erliegen gekommen. Die Bauprojekte im Detail:

  • Beim Tausendfüßler muss der Landesbetrieb mehr als 350 Spannglieder und 170 Stahlträger verstärken, damit die Autobahnbrücke bis zu ihrem geplanten Neubau in zehn bis 15 Jahren weiterhin genügend Tragfähigkeit besitzt, um sie nicht für den Schwerlastfahrverkehr sperren zu müssen. Die Fahrspuren bleiben erhalten, werden aber verengt. Die Baufirma ist Korte zufolge sechs Tage in der Woche in zwei Schichten im Einsatz. Nachts dürfen keine lärmenden Arbeiten durchgeführt werden. Die Kosten: rund 1,5 Millionen Euro.
  • Ab Herbst sollen auf der A555 und A565 zwischen Beuel und Hardtberg neue Träger für Verkehrszeichen aufgestellt werden. Die Arbeiten dauern ein Jahr, die Verkehrsbeeinträchtigung soll sich laut Korte in Grenzen halten.
  • Sobald die Arbeiten auf dem Tausendfüßler beendet sind - voraussichtlich im Oktober - will die Stadt Bonn mit der Sanierung der Viktoriabrücke beginnen. Die Brücke zwischen Hochstaden- und Wittelsbacher Ring ist seit 2010 für Buss und Lastfahrzeuge über 16 Tonnen gesperrt. Sie soll außerdem mit einer Rampe an die Thomastraße angebunden werden, um die Bornheimer Straße zu entlasten. Die Stadt rechnet, so Tiefbauamtschef Werner Bergmann, mit einer Bauzeit bis Ende 2016. Die Kosten liegen bei rund 25 Millionen Euro. Für die Sanierung der Viktoriabrücke in Höhe von 12,5 Millionen Euro zahlt das Land NRW etwa die Hälfte dazu. Für den Bau der Rampe sowie eines Kreisverkehrs am Alten Friedhof hat die Stadt eine Landesförderung von bis zu 60 Prozent einkalkuliert.
  • Ab Frühjahr 2014 sollen, so Korte, die Fahrbahnübergänge auf der Südbrücke erneuert werden. Die Bauzeit dauert etwa vier Monate. Kosten: zwei bis drei Millionen Euro. Eine Grundsanierung soll ab 2019 erfolgen. Bei der Nordbrücke sollen in den Sommerferien 2014 die Dehnungsfugen saniert werden. Ein Jahr später steht die Grundsanierung auf der Agenda. Noch ist nicht klar, ob die Arbeiten an den Dehnungsfugen auch ohne Fahrbahnsperrungen ausgeführt werden können. In dem Fall dauert die Bauphase 20 Wochen. Bei einer Sperrung der Fahrspuren würden sechs Wochen ausreichen. Für letzteres plädiert "unter volkswirtschaftlichen Betrachtungen" Stadtbaurat Wingenfeld.
  • Im Frühjahr 2014 steht an fünf Wochenenden die Sanierung des Kanals an, der unterhalb der A 555 in Höhe des Autobahnkreuzes Bonn-Nord verläuft. Der Landesbetrieb plant zudem die Erneuerung des Tunnels entlang der B 42. Hier befinde man sich aber noch im Abstimmungsverfahren.

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sitzt in Sachen Baustellenkoordination ebenfalls mit im Boot. Er betreut das Internetportal "Mobil im Rheinland", in dem Baustellen- und Veranstaltungsdaten eingegeben werden und demnächst auch für die Bürger abrufbar sein sollen.