Leitstelle in Bonn

Alte Schule trifft auf moderne Technik

Blick in die neue Leitstelle: Jonas mit sein Großvater Dieter Schumacher (hinten) lassen sich von Feuerwehrmann Martin Conrads die Technik erklären.

BONN. Wo jetzt die neue Feuer- und Rettungsleitstelle am Lievelingsweg steht, war früher eine Garage. "Die hatten wir selbst gebaut, für hundert Mark konnte jeder einen Stellplatz kaufen", sagt Dieter Röhrig. Von 1973 bis 2003 war er bei der Bonner Berufsfeuerwehr, mit 13 anderen Pensionären besichtigte er den Hightech-Neubau der Feuerwache 1. Den vielen Computern und technischen Extras brachten die alten Haudegen zumindest anfangs ein gewisses Misstrauen entgegen.

"Was passiert denn, wenn hier mal der Blitz einschlägt", fragte Hauptbrandmeister a.D. Dieter Schumacher den Abteilungsleiter Marcus Hinz. Unberechtigt war das nicht: Denn er hatte das schon in den 1990er Jahren erlebt. Damals fiel für Minuten die Leitstelle aus, bis das Notstromaggregat ansprang und die Systeme wieder halbwegs liefen.

Hinz musste umringt von kritischen Blicken zugeben, dass dann auch die neue Leitstelle zumindest für kurze Zeit brach läge. "Aber wir können in Sekundenschnelle alle Funktionen an unsere Kollegen in Siegburg übertragen", erklärte er. Denn dort steht die Leitstellentechnik in fast identischer Ausführung ein zweites Mal.

Durch die verstärkte Zusammenarbeit könne man nicht nur bei großen Schadenslagen kooperieren, sondern sich auch beim Totalausfall gegenseitig aushelfen. Die gute alte Stadtkarte werde aber weiterhin vorhanden sein. Das beruhigte den 60-Jährigen, der seinen siebenjährigen Enkel Jonas zur Exklusiv-Führung mitgebracht hatte.

Auch Jonas' Vater Wolfgang Schumacher ist bei der Feuerwehr, deshalb kennt der Kleine schon jetzt seinen Traumberuf: Feuerwehrmann. Am meisten begeisterten ihn die Arbeitsplätze im Hauptraum, in dem alle Notrufe landen. Auf den verschiedenen Bildschirmen gibt es alle wichtigen Informationen. Wer dort arbeitet, sitzt sogar in Spezialsesseln, die denen einer Luxuslimousine gleichen. Damit konnten sich auch die Pensionäre sofort anfreunden.

Nicht nur bei der Technik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Generell ist das Leben in der Leitstelle einfacher und komfortabler geworden. "Wir schliefen in den Siebzigern mit vier Mann auf einem Zimmer, in Bad Godesberg manchmal sogar mit acht", sagt der Altgediente Hubert Birnbaum. Heute hat jeder Feuerwehrmann seinen eigenen Schlafplatz. Die Küche ist groß und geräumig, die Spinde belüftet und der Flur strahlt in Frühlingsgrün. "Fit hielt uns das Treppenlaufen", sagt Dieter Schumacher. An Aufzüge wie heute hätte damals niemand gedacht.

"Das ist schon sehr interessant, auf diesen geballten Erfahrungsschatz zu treffen", sagte Marcus Hinz. Er findet es klasse, dass sich die alten Wehrmänner noch immer mit der Feuerwehr identifizieren. Deshalb bekamen sie auch eine Führung während des Probebetriebes, in dem alle Systeme getestet und feinjustiert werden. Von diesem Einblick in die moderne Technik waren sie begeistert. Bis April bleibt die bisherige Leitstelle noch im Einsatz, an einem Tag wird dann komplett umgezogen.

Ausbildung

Zwölf Brandmeisteranwärter haben gerade ihre beruflichen Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr begonnen. "In den kommenden 18 Monaten steht den Brandmeisteranwärtern eine intensive Ausbildungszeit mit Lehrgängen und Praxisphasen bevor. In dieser Zeit erhalten sie das Rüstzeug, um sowohl bei Bränden und Gefahrgutunfällen, als auch im Rettungsdienst schnelle und wirksame Hilfe leisten zu können", sagte der stellvertretende Feuerwehrchef Carsten Schneider.