Alt-Katholiken trauern

Altbischof Joachim Vobbe starb im Alter von 70 Jahren

Am 30. Januar 2010 verabschieden die Alt-Katholiken Bischof Joachim Vobbe (Mitte) in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn bei einem Mittagsgebet.

Am 30. Januar 2010 verabschieden die Alt-Katholiken Bischof Joachim Vobbe (Mitte) in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn bei einem Mittagsgebet.

Bonn. Die Alt-Katholiken in Deutschland trauern um ihren Altbischof Joachim Vobbe. Er starb am Mittwochmorgen im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit in seiner Wohnung in Königswinter.

Bischof Vobbe war von 1995 bis 2010 Bischof der rund 16 000 Alt-Katholiken in Deutschland. Vobbe hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Söhne. Sein Nachfolger Matthias Ring würdigte ihn als einen Menschen, der vielen als geschätzter Redner und Prediger sowie als Verfasser mehrerer Kirchenlieder und geistlicher Texte in Erinnerung bleibt. „Die geistliche Erneuerung der Kirche sowie die Stärkung der spirituellen Dimension des Alt-Katholizismus gehörten zu seinen Hauptanliegen“, so Bischof Ring.

Werdegang

Vobbe wurde 1947 in Bad Honnef geboren. Nach dem Abitur studierte er in Bonn, Münster und Köln katholische Theologie und wurde 1972 zum Priester geweiht. 1977 wechselte Vobbe in das alt-katholische Bistum und wurde zunächst im südbadischen Blumberg und in Offenbach Pfarrer. Von 1985 bis 1995 war er zudem Dekan des hessischen Dekanates. 1994 wurde Vobbe in Koblenz von der Bistumssynode zum Bischof gewählt und am 25. März 1995 in Frankfurt durch Bischof Sigisbert Kraft geweiht. Besonders prägend für seine Amtszeit als Bischof war die Entscheidung der Bistumssynode, Frauen zu allen geistlichen Ämtern zuzulassen.

1996 weihte Vobbe in Konstanz die ersten beiden Frauen zu Priesterinnen. Er trug außerdem wesentlich dazu bei, dass die Altkatholiken in Deutschland erstmals in ihrer Geschichte eine Bischofskirche haben. 2012 übernahm das „Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland“ die Namen-Jesu-Kirche in Bonn vom Land NRW. In seiner Offenbacher Zeit knüpfte Joachim Vobbe intensive Kontakte zur dortigen rumänisch-orthodoxen Gemeinde. Mehrfach hat er die orthodoxe Kirche von Rumänien besucht. Vom Patriarchen der Rumänischen Orthodoxen Kirche, Teoctist, wurde ihm als Dank für sein Engagement das silberne und später das goldene Patriarchalkreuz für Bischöfe verliehen.

„Er war ein wirklicher 'Ökumeniker'“

Die alt-katholischen Kirchen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche. Dieser Schritt geschah aus Protest gegen wesentliche Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70). Dort wurde unter anderem verbindlich die päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Sitte verkündet. Anders als bei der römisch-katholischen Kirche dürfen Priester heiraten. Im Juni 2009 kündigte Vobbe seinen Rückzug aus dem bischöflichen Amt aus Gesundheitsgründen an. Seine Amtszeit als Bischof endete am 20. März 2010 mit der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Matthias Ring.

„Bischof Vobbe habe ich als einen sehr lebendigen und humorvollen Mann kennengelernt“, würdigte Eckart Wüster, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Bonn, den Verstorbenen. „Er war ein warmherziger Mensch und ein kluger Theologe.“ Wüster erinnerte an eine Predigt des Altbischofs, die er vor einigen Jahren anlässlich der Reformationsfeier des Kirchenkreises gehalten hatte. „Er war ein wirklicher 'Ökumeniker'“, so Wüster.

Das Requiem für den verstorbenen Altbischof wird voraussichtlich am Samstag, 5. August, in der Namen-Jesu-Kirche, Bonngasse, der Kathedralkirche des Bistums, stattfinden. Details gibt das Bistum noch bekannt.