Freizeitstätten in Bonn

Alle 48 Jugendtreffpunkte bleiben erhalten

Auch das von Politikern gelobte One-World-Mobil soll unterm Strich mit einer Stelle weniger auskommen. FOTO: FRIESE

Auch das von Politikern gelobte One-World-Mobil soll unterm Strich mit einer Stelle weniger auskommen.

07.01.2016 BONN. Die in dem neuen städtischen Freizeitstättenbedarfsplan gemachten Planungsempfehlungen sollen ab 2017 die personelle und finanzielle Ausstattung sämtlicher Freizeitstätten bestimmen. Bei der Planung soll sich die Anzahl der Treffpunkte offener Jugendarbeit jedoch nicht verändern.

Ganze 252 Seiten ist er dick, der neue städtische Freizeitstättenbedarfsplan für offene Jugendarbeit, der im neuen Jahr durch sämtliche Bezirksvertretungen und den Jugendhilfeausschuss gehen wird. Und er sollte vor der Verabschiedung am 25. Februar im Rat von den Politikern und freien Trägern genau gelesen werden. Denn die hier gemachten Planungsempfehlungen sollen ab 2017 die personelle und finanzielle Ausstattung sämtlicher Freizeitstätten bestimmen.

Wobei die neue Planung sicher überfällig war: Allein der Ausbau der Offenen Ganztagsschulen (OGS) im Stadtgebiet hatte es erfordert, die Ziele, Methoden, Konzeptionen und die Ausstattung sämtlicher Angebote offener Jugendarbeit auf den neuesten Stand zu bringen. Man habe für jeden Planungsraum ein auf statistischen Daten basierendes zielgruppenorientiertes Verfahren entwickelt, erläutert die Verwaltung. Und man habe bei der Bewertung bewusst die Fachkräfte aus den Sozialraumteams mit einbezogen.

Was sich in der Planung für 2017 nicht ändern soll, ist die Anzahl von 48 Bonner Treffpunkten offener Jugendarbeit. Sehr wohl aber soll es bei einigen eine Erweiterung von Zielgruppen und Handlungsfeldern geben: Hier sollen speziell Jugendliche mehr gefördert werden. Was dann auch durchaus Stellenaufstockungen zur Folge haben kann. So etwa bei der Offenen Tür Heiderhof, die wegen der "inselartigen Lage" des Ortsteils eine halbe Stelle zusätzlich für schwierige Jugendliche erhalten soll.

Dafür will die Stadt das Kinder-Spielmobil Max aus der direkten OGS-Nachbarschaft vom Heiderhof nach Mehlem abziehen. Mancherorts drohen 2017 aber auch schmerzhafte Stellenreduzierungen wie in Schwarzrheindorf, wo die Offene Tür Haus Michael nur noch mit einer statt derzeit 2,5 Fachkraftstellen auskommen müsste. Es hagelt Proteste. Etwa auch die geplante Kürzung einer Stelle im Bonner Altstadt-Jugendzentrum Sankt Cassius bringt Kritiker auf die Barrikaden.

Bad Godesberg: Hoffnung auf die Eröffnung des One-World-Cafés

Differenzierter stellt sich die Lage etwa in der Bad Godesberger Innenstadt dar. Die Verwaltung attestiert ihr eine zentrale Funktion als Bewegungsraum auch für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien, die nicht dort wohnen. Und sie setzt ihre ganze Hoffnung auf die Eröffnung des One-World-Cafés im Hansa-Haus, für das sie zwei volle Fachkraftstellen empfiehlt.

Eine halbe solle davon für die aufsuchende Jugendarbeit eingesetzt werden, die derzeit auf eineinhalb Stellen vom One-World-Mobil geleistet wird: und zwar an fünf Nachmittagen die Woche an den Standorten Panoramapark, Rheinallee oder Kurpark. Auf der nahen Rigal'schen Wiese solle dagegen das feste Angebot Spielhaus von einer Stelle auf 1,5 Stellen erhöht, dafür aber das mobile Angebot Speedy des Trägers Kleiner Muck ganz abgezogen werden.

Die Träger für Café und Mobil, das katholische Hermann-Josef-Haus, der evangelische Konvent Godesberg und die evangelische Jugendhilfe Godesheim, reagieren verhalten auf die Planung. Das Café im Hansa-Haus werde "nicht vor Mai" öffnen, so Godesheim-Leiter Klaus Graf. "Wir hatten aber beantragt, unsere bisher allein mit dem Mobil geleistete aufsuchende Arbeit unabhängig vom Café-Projekt in vollem Umfang fortzusetzen." Werde die mobile Jugendhilfe nur im Umfang einer halben Stelle fortgeführt, würde das dem durch den Flüchtlingszuzug steigenden Bedarf im Godesberger Zentrum in keiner Weise gerecht. Deshalb würden die Träger, solange ihre Spendengelder das zuließen, der aufsuchenden Arbeit erst einmal eine halbe Stelle hinzufinanzieren, so Graf. "Das kann dann aber keine bleibende Lösung sein."

Lob für die Arbeit des One World Mobils

Der Godesberger CDU-Chef Philipp Lerch lobt die laufende Arbeit des One World Mobils, das sich um die Jugend, das soziale Gefüge sowie die Integration im Stadtbezirk außerordentlich verdient gemacht habe. "Es hat unsere ohnehin hohen Erwartungen noch weit übertroffen. Eine flexible aufsuchende Jugendarbeit ist heute, gerade in Bad Godesberg, wichtiger denn je", sagt Philipp Lerch. Dass sich durch das Angebot im Hansa-Haus Anpassungen ergeben würden, sei selbstverständlich.

Klar sei aber auch, dass die stationären Einrichtungen den großen Bedarf an mobiler Jugendarbeit in der Fläche nicht alleine erfüllen könnten. "Es wäre also ein Fehler, die Erfolgsgeschichte des Mobils mit Eröffnung des Hansa-Hauses voreilig und jäh zu beenden", so Lerch. Die CDU würde sich eine enge Verzahnung der Modelle "One World Café" und "One World Mobil" wünschen.

Für die Godesberger Grünen votiert Monika Heinzel ebenfalls für die Beibehaltung des One World Mobils auch nach Eröffnung des festen Standorts. "Wir finden ein niederschwelliges Angebot nach wie vor erstrebenswert und hoffen auf lobenswertes Engagement von Sponsoren." Die laut Planung vorgesehene Streichung des Projekts Speedy findet Heinzel jedoch "gar nicht nachvollziehbar". Diese offene Jugendarbeit werde doch im selben Papier ausdrücklich positiv bewertet. "Und nun soll das Speedy auf einmal mit dem Argument der Nähe zum Spielhaus Rigal'sche Wiese abgezogen werden?"

Katrin Birkhölzer vom Speedy-Träger Kleiner Muck bedauert den Verlust geduldig aufgebauter Kontakte zu Jugendlichen ebenfalls. "Wir gehen aber davon aus, mit unserem Speedy dann eben laut Plan in Rüngsdorf und Oberkassel zu arbeiten." (Ebba Hagenberg-Miliu)