Verunreinigte Luft im Stadtgebiet

Alarmierende Stickoxidbelastung in Teilen von Bonn

Verkehr am Konrad Adenauer Platz.

Verkehr am Konrad Adenauer Platz.

Bonn. Der Godesberger Tunnel und die Beueler City fallen mit hohen Stickoxidwerten auf. Im Frühjahr schwärmten Bürger in Bonn mit den Messgeräten aus.

Einmal mehr hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mehreren deutschen Kommunen in Sachen Luftreinhaltung den Fehdehandschuh hingeworfen. In verschiedenen Städten hat der Verein im vergangenen halben Jahr auf eigene Faust Schadstoffmessungen durchgeführt, um den Verwaltungen überhöhte Werte nachzuweisen und Argumente für ein Dieselfahrverbot in Städten zu sammeln. Als Helfer dienten der DUH dabei Bürger und Anwohner der betreffenden Straßen. Auch in Bonn hat eine solche „Privatmessung“ an rund 15 Stellen stattgefunden.

Im Frühjahr schwärmten Bürger mit Messgeräten aus – mit so genannten Passivsammlern – und brachten sie an Verkehrsschildern und Bäumen an. In Bonn erstreckte sich die Aktion über die Monate Mai und Juni, danach wurden die Geräte zurückgeschickt und der Gehalt von Stickstoffdioxid in der Luft ausgewertet. Die Ergebnisse sind im Internet abrufbar und werden von der DUH plakativ mit dem Slogan überschrieben: „Wo atmen krank macht“.

An 89 Prozent der Stellen zu viel Stickstoffdioxid

An 89 Prozent der Messstellen sei demnach zu viel Stickstoffdioxid in der Luft. An bundesweit 67 bisher unbekannten Messstellen werde sogar der amtliche Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. Auch in vielen mittelgroßen beziehungsweise kleineren Städten sei die Luft vergiftet. „Wir haben alle zuständigen Landes- und Kommunalbehörden aufgefordert, den betroffenen Menschen zu helfen“, teilt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch mit.

Wo atmen krank macht – das sind nach Erkenntnissen der Umwelthilfe zunächst einmal die ohnehin bekannten Problemzonen: Wie bereits das Umweltbundesamt identifiziert auch die DUH die Reuterstraße und den Kreuzungsbereich Viktoriabrücke/Bornheimer Straße mit Werten jenseits der festgelegten Grenze von 40 Mikrogramm.

Während die DUH-Messung nahe dem Botanischen Garten mit 46 Mikrogramm noch hinter der Messung des Umweltbundesamtes (49) zurückbleibt, wirft die Bürgermessung ein Licht auf Straßen und Plätze, die bislang in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle spielten. Besonders hervor sticht dabei der Wert von 77,2 Mikrogramm Stickstoffdioxid, welche die Messgeräte laut DUH im Juni an der nördlichen Einfahrt in den Godesberger Straßentunnel registriert haben. Damit wäre der zulässige Grenzwert dort um nahezu 100 Prozent überschritten.

Schlechte Werte für Beueler City

Und auch für die Beueler City stellt die DUH Werte fest, die sich mit der Reuterstraße messen lassen können: 43 Mikrogramm ergab die „Bürgermessung“ im April am Konrad-Adenauer-Platz. Teilnehmer der Aktion sehen darin die These der Stadtverwaltung widerlegt, dass in Bonn im Prinzip nur noch die Reuterstraße, allenfalls noch die Viktoriabrücke Probleme darstellten. So hatten die Lage in der Bundesstadt sinngemäß der Oberbürgermeister, aber auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bewertet.

Die Stadt Bonn wollte die Messwerte der Umwelthilfe am Dienstag nicht bewerten und verwies auf das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz. „Das LANUV wird im Rahmen der Erarbeitung des Luftreinhalteplans Bonn eine Belastungsanalyse für das ganze Stadtgebiet vorlegen“, teilte Isabel Klotz vom Presseamt mit.

Verein DUH hat Klage eingereicht

Eine GA-Leserin aus dem Bonner Norden verweist auf die ebenfalls hohen Werte an der Straße An der Josefshöhe, die bei der DUH-Aktion im April mit 38 Mikrogramm gemessen worden waren. Sie sorgt sich dabei um die Besucher der umliegenden Schulen, Kindergärten und Seniorenheime. „Wie sollen Asthmatiker, Herzpatienten, Schwangere und Ältere sich künftig verhalten?“, fragt sie.

Der Verein DUH hat vor dem Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht. Wie bereits in Bezug auf Aachen geht es um die Frage, wie die Bezirksregierung Köln dazu verpflichtet werden kann, Diesel-Fahrverbote in Köln und Bonn zu verhängen, um die Luftqualität zu verbessern und Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Mit einer Entscheidung der Verwaltungsrichter wird ab November gerechnet.

Die Ergebnisse im Internet: www.duh.de/abgasalarm/#c68100