Hausbesetzung an Meckenheimer Allee

Aktivisten drangen in Uni-Gebäude ein

BONN. 24 Männer und Frauen haben in der Nacht zu Sonntag ein leerstehendes Institutsgebäude der Universität Bonn an der Meckenheimer Allee 160 besetzt. Nach Verhandlungen mit der Universitätsleitung verließen die Besetzer das Gebäude gegen 8.20 Uhr am Sonntagmorgen freiwillig. Die Uni hat Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt, die Polizei ermittelt.

Gegen 3 Uhr hatte laut Polizei ein Zeuge die Beamten alarmiert, nachdem er Transparente am Haus gesehen hatte. Die Demonstranten hatten nach GA-Informationen die Haustür aufgebrochen und waren ausgerüstet mit Schlafsäcken, Betten und Lebensmitteln ins Gebäude "eingezogen".

Die Aktion sei als "ein Zeichen zum Thema Leerstand, Wohnungsmangel und soziale Verantwortung" zu verstehen", teilte die Gruppe gestern mit. Hinter der Aktion steht nach eigenen Angaben die Kampagne "LiZ", ein Zusammenschluss von Menschen, die sich für Freiräume (Libertäre Zentren) in Bonn einsetzt. Die Aktivisten gehören außerdem zum Umfeld der Initiative "Bonnbunt". Sie prangern mit ihrer Aktion "Wohnungsnot und steigende Mietpreise auf der einen Seite" sowie "massiven Leerstand, Bauspekulation und gezielte Inkaufnahme von Verfall nicht direkt gewinnträchtig nutzbarer Gebäude durch die Eigentümer auf der anderen Seite" an.

Das Gebäude an der Meckenheimer Allee wurde bis vor einem Jahr von den Mathematikern der Uni Bonn genutzt, die inzwischen in die ehemalige Landwirtschaftskammer an der Endenicher Allee umgezogen sind. "Wir können das Gebäude aufgrund gestiegener Brandschutzauflagen nicht weiter nutzen", sagte Uni-Sprecher Andreas Archut dem GA gestern auf Anfrage. Das sei bei einigen älteren Immobilien der Uni ein Problem. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes prüfe die weitere Nutzung. "Die Hausbesetzung hatte aber nicht speziell etwas mit der Uni zu tun", sagte Archut.

Nach Angaben der Hausbesetzer kamen "mehrere hundert Bürger" ins Haus, um sich über ihr Anliegen zu informieren. Sie selbst hatten zunächst Angst vor einer "repressiven Räumung", dann habe man "eine Kommunikationsebene" gefunden. Während der Verhandlungen im Morgengrauen forderte der Vertreter der Universitätsverwaltung die Besetzer mehrfach auf, das Gebäude zur verlassen. Letztlich mit Erfolg.

Polizeibeamte stellten daraufhin die Personalien der Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 37 Jahren fest. Dann begaben sich die Demonstranten mit ihren Transparenten zunächst singend auf die gegenüberliegenden Straßenseite und entfernten sich schließlich.

Gegen alle Beteiligten wurde laut Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs eingeleitet. Wie die Personen ins Gebäude gelangten und ob dadurch weitere Straftatbestände, gegebenenfalls der Sachbeschädigung, erfüllt wurden, werde derzeit noch abschließend geprüft. Die Ermittlungen dauern an.

"Ob etwas kaputt gegangen ist, können wir noch nicht absehen. Wir machen jetzt eine Bestandsaufnahme und schauen, was beschädigt ist", sagte Uni-Sprecher Archut gestern.

Die Besetzer hätten die Räume für Wohnnutzung hergerichtet. Außerdem hätten sie alle Rauchmelder von der Decke abmontiert und die Batterien entfernt. Offenbar wollte angesichts des Polizeiaufgebots niemand zum Rauchen vor die Tür gehen.