Selbsthilfe

Aktionswoche in Bonn widmet sich Krebskranken

Sie wissen sich und anderen Betroffenen zu helfen: (v.l.) Alfred Marenbach, Tanja Wolf, Johanna Grengros sowie Horst und Roswitha Hoffmann.

Sie wissen sich und anderen Betroffenen zu helfen: (v.l.) Alfred Marenbach, Tanja Wolf, Johanna Grengros sowie Horst und Roswitha Hoffmann.

BONN. Organisationen informieren in Bonn über Selbsthilfe bei Krebs. Nach einem Besuch im Malteser Krankenhaus kommen sie am Mittwoch auch zum Marienhospital.

Wer eine Krebsdiagnose erhält, wird sehr plötzlich aus seinem gewohnten Leben gerissen. Viele Fragen tauchen auf, die von Ärzten oder dem direkten Umfeld nicht mehr zu beantworten sind. Selbsthilfegruppen Betroffener können zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung eine Hilfe und Unterstützung sein.

Sie können Tipps und Erfahrungen weitergeben, Erleichterung verschaffen. Manchmal kann es für die Teilnehmer schon hilfreich sein, sich durch gemeinsame Unternehmungen eine Auszeit vom Kranksein zu nehmen, wie es zum Beispiel bei dem Treffpunkt für junge Erwachsene mit Krebserkrankungen der Fall ist.

Sechs Selbsthilfeorganisationen, die sich mit onkologischen Erkrankungen auseinandersetzen, standen bei der „Aktionswoche zur Selbsthilfe“ am Montagnachmittag im Malteser Krankenhaus Betroffenen und deren Angehörigen mit Rat und Informationsständen zur Verfügung: Junge Erwachsene mit Krebs, Leben mit Krebs, Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs, Prostata Selbsthilfe, BRCA-Netzwerk (Frauenselbsthilfe nach Krebs) und die Deutsche ILCO (für Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung).

Dass Selbsthilfegruppen auch und gerade in Zeiten des Internets und der sozialen Netzwerke eine attraktive Hilfe sein können, soll die bundesweite Aktionswoche des Paritätischen Gesamtverbandes aufzeigen. Sie möchte erreichen, dass noch mehr betroffene Menschen und deren Angehörige zur Bewältigung ihrer Probleme von der Selbsthilfe erfahren und Hilfe für ihre spezielle Problematik finden.

„Oft ist es ja die Scham, die Menschen davon abhält, zu uns zu kommen“, sagte Roswitha Hoffmann (66), die seit 25 Jahren mit einem künstlichen Darmausgang lebt. Dabei sei es so wohltuend und auch heilsam, Menschen kennenzulernen, die ein ähnliches Schicksal zu ertragen haben. „Wenn sie dann zu uns in die Gruppe kommen, dann blühen sie regelrecht auf“, sagte ihr Mann Horst, der seine Frau zu den monatlichen Treffen der ILCO-Selbsthilfegruppe begleitet.

„Nicht zuletzt auch, weil meine Frau ein positives Beispiel dafür ist, wie gut man mit einem Stoma (künstlicher Darmausgang, Anm. d. Red.) leben kann.“ Schade sei nur, dass so wenig junge Menschen den Weg in ihre Gruppe fänden, die mit ihrem mehr als 40-jährigen Bestehen die älteste Selbsthilfegruppe Bonns sein dürfte.

„Es ist einfach ein gutes Gefühl, miteinander zu sein. Die Gruppe trägt die Gruppe“, resümiert Tanja Wolf (42). Sie hat mit Charlotte Jacobs den Treffpunkt für junge Erwachsene gegründet. Per Whatsapp verabredet man sich dort zu Unternehmungen, bei denen das Gespräch über den Krebs auch mal in Vergessenheit geraten kann.

Eine weitere Station der Aktionswoche: Mittwoch, 22. Mai, von 14 bis 18 Uhr im Eingang des St. Marien-Hospitals, Robert-Koch-Straße 1.