Ako-Pro sucht unabhängige Aufklärer

BAD GODESBERG. Die geplante Einrichtung einer unabhängigen Kommission, die mutmaßliche Gewalt gegen Jugendliche durch den vormaligen Leiter des Ako-Pro-Seminars aufklären soll, war Thema beim zweiten Runden Tisch der Betroffenengruppe, der Siershahner Initiative gegen Gewalt, des Aloisiuskollegs (Ako) und der neuen Ako-Pro-Spitze.

Die erschreckenden Fakten zu Ako-Pro, die Julia Zinsmeister 2011 in ihrem unabhängigen Ako-Aufklärungsbericht veröffentlichte, sollen nach GA-Informationen nicht vollständig sein. Die Kölner Professorin habe die Weiterführung aus zeitlichen Gründen abgesagt, erklärte nun Ako-Rektor Pater Johannes Siebner. Jetzt seien er, der neue Ako-Pro-Vorsitzende Dirk Stueber und die Kinderhilfsorganisation "Innocence in Danger" auf der Suche nach einem neuen professionellen Aufarbeitungsteam. "Uns ist an einer raschen Aufnahme des Verfahrens gelegen", betonte Stueber.

Das begrüßte auch die Betroffenengruppe, forderte jedoch, die Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch in die Findungsgruppe einzubeziehen. Den Eltern gehe es hauptsächlich um die Aufklärung der Vorgänge 2010, als das Ako noch immer mit dem Beschuldigten zusammengearbeitet habe, obwohl Vorwürfe gegen ihn bekannt waren.

Bis heute gebe es Verflechtungen, die über mehr als 20 Jahre gewachsen seien. "Die Inseln der Macht waren nicht heimlich entstanden, sondern Teil des Systems, in dem eine Krähe der anderen kein Auge aushackt", so eine Mutter. Die Eltern drängten darauf, etliche Personen im Ako zu ihrer Rolle im Geschehen um den Ako-nahen Verein zu befragen.

Der Ako-Rektor meinte, für ihn sei auch diese Begegnung mit der Elterninitiative sehr bewegend gewesen. Die Dringlichkeit einer unabhängigen und umfassenden Untersuchung sei erneut deutlich geworden. "Ako und Ako-Pro wollen diese Aufklärung. Aufklärung ist wesentlicher Bestandteil von Prävention - wichtiger noch: Die unabhängige Aufklärung bietet die Chance, den Betroffenen von Gewalt eine Stimme und Gehör zu geben, ihre Geschichte und Geschichten zu erzählen und öffentlich anerkannt zu werden", so Pater Siebner. Leider seien im Gespräch auch die Schwierigkeiten im konkreten Vorgehen deutlich geworden. "Das schreckt uns aber nicht ab voranzugehen."

Der Rechnungsprüfungsbericht, der dem vormaligen Ako-Pro-Leiter systematische Täuschung bei der Beantragung städtischer Fördergelder vorwirft, ist heute Thema bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Sie beginnt um 18 Uhr im Bonner Stadthaus, Berliner Platz 2.