Sanierung des Palais Schaumburg

Adenauer fand es schrecklich

BONN. Über die "Tankstelle" ärgerte sich "Der Alte" jeden Morgen aufs Neue. Nein, seinen Geschmack hatten die Planer wirklich nicht getroffen.

Damit Staatsgäste und Besucher trockenen Fußes ins Palais Schaumburg kamen, wurde Anfang der 1950er Jahre ein für die damalige Zeit äußerst modernes Entree geplant: Schlichte Stützen aus Metall tragen auch heute noch ein Dach aus Milchglas. Keine Verzierungen, keine Schnörkel, nichts.

In den nächsten drei Jahren soll das Gebäude umfassend renoviert und saniert werden. Vor allem der Brandschutz muss auf den aktuellen Stand gebracht werden. Zudem soll ein barrierefreier Zugang errichtet, die vorhandenen Sanitäranlagen angepasst werden.

Bisher haben Gutachter und Bauexperten das Palais gründlich unter die Lupe genommen. Löcher in Wänden und Decken wurden gebohrt und geschlagen, Schächte in Augenschein genommen, Proben von Wänden, Böden und Decken genommen.

Das Ergebnis ist nicht sehr erfreulich: "Die ersten Untersuchungen zeigen, dass die Arbeiten wohl doch umfangreicher ausfallen werden als geplant", erklärt Emanuel Metz, Leiter des Dienstsitzes Bonn des Bundeskanzleramtes, bei einem Rundgang.

Am 5. November 1949 bestimmte Adenauer das Palais zum Dienstsitz des Bundeskanzlers. Bereits wenige Tage später, am 25. November, zog er ein. Vorher wurden allerdings unter großem Zeitdruck noch schnell ein paar Renovierungsarbeiten erledigt. Auch die imposante Treppe im Eingangsbereich wurde dabei saniert.

Das alte Holzgeländer ersetzten die Handwerker durch eine moderne Putzkonstruktion. "Schrecklich" soll der Kanzler kommentiert haben. "Die neue Treppe fand Adenauer so hässlich, dass er sie nie benutzt hat und lieber mehrmals täglich einen Umweg über die alte Treppe im Seitentrakt nahm, um zu seinem Büro im ersten Stock zu kommen", erzählt Metz.

Die Renovierungsarbeiten hielten jedoch nicht mit der Politik der jungen Republik Schritt. Denn während Maler, Klempner und Schreiner noch in den Räumen umher wuselten, rollten bereits die ersten schwarzen Staatslimousinen an der "Tankstelle" vor: Den französischen Außenminister Robert Schuman (1886-1963) empfing Adenauer ganz standesgemäß als ersten Staatsgast im Palais Schaumburg.

Erst eine Stunde vor dem Empfang konnte das erste Stockwerk übergeben werden. Millionärsvilla, Prinzenpalais, Soldatenquartier und Sitz der Bundeskanzler - das kleine Schlösschen in bester Rheinlage, umgeben von einem einmaligen Park mit Bäumen aus aller Welt, hat in den vergangenen 150 Jahren viele Funktionen gehabt.

[kein Linktext vorhanden]Unter Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe und seiner Frau Prinzessin Victoria von Preußen, einer Schwester von Kaiser Wilhelm II., war es um 1891 ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt.

Nach dem Tod des Prinzen und der unglücklichen Liaison Victorias mit einem Hochstapler sowie der späteren Unterbringung eines Soldatenquartiers kehrte erst nach Kriegsende wieder gesellschaftlicher Glanz in das alte Gemäuer zurück. Könige, Präsidenten, Staatsgäste, und Politiker wurden im Palais Schaumburg empfangen.

Heute tut sich nicht viel in dem hochherrschaftlichen Ambiente. Das alte Parkett knirscht bei jedem Schritt, tote Fliegen liegen zu Hunderten auf den Fensterbänken. Dort, wo Konrad Adenauer seine Unterschrift unter Gesetze und Verordnungen setzte, herrscht gähnende Leere. Ein riesiges Loch klafft in der Decke genau an der Stelle, wo einst der Schreibtisch des Kanzlers stand. Seit dem 1. August 2013 ist das Palais Schaumburg geschlossen.

Mobiliar und die Exponate der Dauerausstellung über die junge Republik wurden sicher verpackt und zwischengelagert. Anfang 2015 wurden die Arbeiten ausgeschrieben, anschließend beginnt dann das Vergabeverfahren. Sicher scheint jedoch schon jetzt, dass die zuvor veranschlagte Bausumme von sechs Millionen Euro nicht ausreichen wird. "Aber", so gibt sich der Leiter des Bonner Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes optimistisch. "Wir hoffen, dass wir im einstelligen Millionenbereich bleiben." Gerade im Keller seien umfangreichere Arbeiten notwendig als zuvor gedacht.

Wenn nach derzeitiger Planung 2017 wieder Besucher durch das Palais schlendern, dann soll das Haus im besten Fall genauso aussehen wie vor Jahrzehnten. "So, als wäre Adenauer nur kurz nach nebenan gegangen", wünscht sich Metz. Dann werden die Wände des kleinen Schlösschens auch wieder in Lindgrün, der Lieblingsfarbe des Kanzlers, erstrahlen. Und Emanuel Metz wird dann wieder mit seinen 22 Kollegen in die alten Büros einziehen. Denn: "Es ist schon ein Privileg, in solch einem wunderbaren Ambiente arbeiten zu dürfen", resümiert er.