Kommentar zum Verkehr in Bonn

Abriss der Nordbrücke: Chaos mit Ansage

Nur noch ein paar Jahre lang fließt der Verkehr auf der Nordbrücke.

Nur noch ein paar Jahre lang fließt der Verkehr auf der Nordbrücke.

Bonn. An der angespannten Verkehrssituation in Bonn wird sich in den kommenden Jahren nichts ändern. Noch ist es nicht zu spät, jedem das Umsteigen auf Bus, Bahn oder Fahrrad schmackhaft zu machen. Ein Kommentar.

Nadelöhr vor der Viktoriabrücke, Stop-and-go auf der Autobahn zwischen den Anschlussstellen Lengsdorf und Poppelsdorf, Schleichverkehr auf den Landstraßen: Wer mit dem Auto in Bonn unterwegs ist, der muss gute Nerven haben. Und das nicht nur für ein paar Wochen. Mehrere Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – wird sich an der angespannten Verkehrssituation nichts ändern. Die Sanierung des Tausendfüßlers und der Abriss der Nordbrücke werden bestehende Probleme noch einmal verschärfen. Ein Verkehrschaos droht – mit Ansage. Womit Bonn und die Region rechnen müssen, sickert nach und nach durch. Und die verbleibende Zeit muss sinnvoll genutzt werden.

Noch ist es nicht zu spät, jedem das Umsteigen auf Bus, Bahn oder Fahrrad schmackhaft zu machen. Dafür müssen allerdings Preis und Angebot stimmen. Änderungen beim Jobticket sind in diesem Zusammenhang eine gute Idee. Denn jedes Auto, das in der Garage bleibt, zählt. Auch wenn sich nur einige Mitarbeiter eines Unternehmens für die Monatskarte entscheiden, muss der Preis akzeptabel und vor allem alternativlos sein. Starre Tarifstrukturen passen nicht in das Konzept einer umweltbewussten Stadt.

Ob sich die Bahn als verlässliche Alternative erweisen wird? Sicher ist der Bau neuer Haltepunkte ein Schritt in die richtige Richtung. Aber nur wenn man sich darauf verlassen kann, dass die Fahrpläne eingehalten werden, ist die Schiene konkurrenzfähig. Eine Seilbahn zum Venusberg ist ebenfalls eine überlegenswerte Option, um den Verkehr von der Straße zu holen.

Zwar ist der Optimismus in der DNA des Rheinländers verankert (Et hätt noch immer jot jejange), doch wenn jetzt nicht die richtigen Weichen für alternative Verkehrskonzepte gestellt werden, versinkt die Stadt – und mit ihr die Region – im automobilen Chaos. Den Verkehrsinfarkt mildern kann eine Kombination verschiedener Angebote. Dafür müssen schnelle Lösungen her.