Letzter Schultag

Abiturienten feiern auf der Rigal'schen Wiese

Bonn. Rund 1700 Abiturienten haben am Freitag ihren letzten Schultag auf der Rigal'schen Wiese in Bad Godesberg gefeiert. Am Abend steigt die "Final Party"

Warum feiern die Bonner Abiturienten, obwohl die wichtigsten Prüfungen noch bevorstehen? „Das ist wie bei der Weltmeisterschaft. Da freut man sich doch auch, wenn man das Halbfinale erreicht hat“, sagt Schüler Anton Strotmann. Wobei: Richtiger Schüler ist er seit Freitag, dem letzten Schultag, nicht mehr. Den feierten knapp 1700 Jugendliche und junge Erwachsene aus 29 Schulen auf der Rigal'schen Wiese in Bad Godesberg. Laut Polizei verlief die Veranstaltung friedlich, auch die Abikorsos durch die Stadt sorgten für keine größeren Verkehrsbehinderungen.

Rundherum ist das Gelände mit weißen Planen abgespannt, der Blick nach drinnen versperrt. Vier kleine Jungs haben sich das Klettergerüst des benachbarten Spielplatzes zunutze gemacht. Sie schielen über die Bauzäune, sehen Abiturienten, die sich in den Armen liegen. Die Turnschuhe springen im matschigen Schotter des Parkplatzes auf und ab. Die Hände umklammern Plastikflaschen, in denen sich die Abgänger ihre Getränke zusammengemischt haben. Und fast jeder hat einen schlichten, beigen Turnbeutel auf dem Rücken.

„Die sind der Renner“, sagt Vincent Sboron vom Bonner Eventspringer. Mehr als 500 haben er und sein Team zur Alkoholprävention verteilt. Sprüche wie „Feiern ohne Reiern“ liegen mit Comiczeichnungen aus, damit die Schüler sie auf den Beuteln nachmalen können. Doch stattdessen nutzen sie die Stifte, um gegenseitig auf dem Turnbeutel zu unterschreiben. „Ist doch ein tolles Erinnerungsstück“, sagt ein Mädchen.

Wie das Abifestival ihnen sonst noch in Erinnerung bleiben wird? Lukas Chronz vom Beethoven-Gymnasium und Fabian Schoof vom Collegium Josephinum jedenfalls als „legendäre Party“. Die Beiden haben sich seit Silvester nicht mehr gesehen. Zur Begrüßung rennen sie aufeinander zu, springen und schreien sich an. „Das ist das Beste hier, dass man seine ganzen Freunde von anderen Schulen wiedersieht“, erzählt Chronz. Genauso sei es bei der anschließenden Abschlussfeier im Brückenforum, die schon Tage zuvor ausverkauft war. Auf der „Riga“ gehen um 18 Uhr die Lautsprecher aus – dann werden nur noch die bunt bemalten Autos, die nach den Abikorsos auf dem Parkplatz abgestellt wurden, übrigbleiben.

Kurz nach 12 Uhr war es am chaotischsten

Obwohl nicht so viele Fahrzeuge – darunter auch eine Kutsche – wie im Vorjahr ankamen, war es hier kurz nach 12 Uhr am chaotischsten. Zwar begleiteten einige Polizisten die verschiedenen Korsos, die von den Schulen zur Rigal'schen Wiese fuhren. Allerdings staute es sich in den Stoßzeiten vor dem Parkplatz. „Im Großen und Ganzen blieb das aber im Rahmen“, so ein Polizist vor Ort. In zwei Fällen mussten die Beamten dann aber doch eingreifen: Einmal erteilten sie einen Platzverweis. Zudem nahmen sie einen jungen Mann fest, der Drogen mit sich führte. Die Betäubungsmittel hatten die vom Veranstalter engagierten Sicherheitskräfte bei der Eingangskontrolle gefunden.

Auch Glasflaschen waren auf dem Gelände verboten, die dann allerdings noch auf dem Parkplatz geleert wurden. Einige erinnerte das an Karneval. „Statt Kostümen haben wir jetzt unsere Mottopullis an. Und statt Karnevalsmusik laufen House und R'n'B“, sagte ein Abiturient. Es sei weniger ein „Sich-Selbst-Feiern“, sondern vielmehr der Höhepunkt, nicht mehr die Schulbank drücken zu müssen. „Ich bin froh, dass ich da raus bin. Aber ab jetzt wird es nicht mehr so unbeschwert sein.“ Für viele sei das nun der „Schlusspunkt der Jugend“.

Und die Prüfungen? „Für die kann jeder jetzt noch lernen“, meint Pauline Krause (17) vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Gut drei Wochen ist dafür noch Zeit, im Juli folgt die Zeugnisausgabe. Die wird wiederum separat gefeiert, jedoch etwas feiner in Anzug und Abendkleid beim Abschlussball. Bleibt nur zu hoffen, dass der Einzug ins Finale genau so erfolgreich wie der ins Halbfinale wird.