"Turnosgroschen vom Boeselagerhof"

9000 Münzen am Rhein vergraben

Mehr als 9000 Münzen fanden Arbeiter 1962 beim Opernbau. FOTO: BONNER MÜNZFREUNDE

Mehr als 9000 Münzen fanden Arbeiter 1962 beim Opernbau.

BONN. Als die Bauarbeiter 1962 für die Fundamente der Bonner Oper ausschachteten, stießen sie in fünf Metern Tiefe auf einen echten Schatz: Mehr als 9000 Münzen lagerten dort in Krügen verpackt seit Anfang des 14. Jahrhunderts.

Die "Turnosgroschen vom Boeselagerhof" gelten heute als einer der größten und bedeutendsten Funde dieser Art. Die Bonner Münzfreunde haben dessen Geschichte deshalb in einem Buch mit vielen Abbildungen aufbereitet und wissenschaftlich betrachtet. Fünf Jahre dauerten die Recherchen und Arbeiten, die der im vergangenen Jahr verstorbene Numismatiker Klaus Petry federführend übernommen hatte.

Wie es passieren konnte, dass die Münzen, die schon damals einen Wert von weit mehr als 100.000 Euro hatten, verschwanden, kann Kulturdezernent Martin Schumacher nur vermuten. "Wahrscheinlich wurden sie im September 1302 im Zuge des Zollkriegs zwischen dem deutschen König und den rheinischen Kurfürsten in Bonn vergraben", erklärt er.

Der Vorsitzende der Münzfreunde, Ulrich Heide, geht davon aus, dass der Besitzer, nach Recherchen ein Mitglied der wohlhabenden Familie Sack, niemandem davon erzählte und verstarb. Deren Haus wurde eines Tages abgerissen, die von Boeselagers bauten auf dem Grundstück.

Als sie es in den 1920er Jahren an die Stadt Bonn verkauften, ließen sie im Kaufvertrag festhalten, dass sie im Falle eines "Silberschatz-Fundes" vollen Anspruch darauf hätten. "Es muss also eine Legende über diesen Schatz gegeben haben, das Familienoberhaupt war schlau", sagt Heide.

Prägung war eine Art Garantie

Und der Fall trat tatsächlich ein: Die Münzen und Krüge wurden nach einigen Rechtsstreitigkeiten der Familie übergeben, zu wissenschaftlichen Zwecken durften sie aber genauer untersucht werden. Der wichtigste Teil waren die 1633 französischen Turnosgroschen.

Jede Münze besteht aus etwa vier Gramm Silber. "Der Wert wurde damals am Gehalt des Edelmetalls gemessen", erklärt Heide. Die Prägung, die von Münzherren wie Königen, Grafen oder auch Kirchenvertretern stammte, war eine Art Garantie, die die Qualität bestätigte.

Das typische Münzbild der Turnosgroschen, das Kreuz auf der Vorderseite, dem sogenannten Avers, war in ganz Europa bekannt und ein internationales Zahlungsmittel. "Heute ist die Münze vergleichbar mit dem Dollar", sagt Heide. Was sie natürlich auch für Fälscher interessant machte.

Wer clever war, prägte den Namen eines anderen Münzherren darauf und benutzte minderwertiges Silber, das aber dasselbe Gewicht hatte. Unter den Turnosgroschen von Bonn waren keine Fälschungen, auch die 150 Groschen aus Brabant, Holland und dem Hennegau sowie Tausende Pfennignominale waren echt.

"Das interessante ist, dass es selbst Unterschiede gibt, wenn die Münzen aus der selben Prägestätte stammen", erzählt Heide. Weil die Stempel für die Münzen ständig abnutzten, mussten sie in Handarbeit neu gefertigt werden. Dadurch entstanden feinste Differenzen.

Info

Das 376 Seiten dicke Buch "Bonner Numismatische Studien - Band 2", ISBN 978-3-941612-08-2, gibt es ab sofort für 39,95 Euro zu kaufen. An diesem Sonntag wird ein ähnlicher Münzfund in der Ausstellung "50 Jahre Bonner Oper" zu sehen sein.