Galashow der evangelischen Kirche

5.000 Protestanten feiern Reformation im Telekom-Dome

Unter einem Scheinwerfergewitter heizten 700 Musiker inklusive ein bestens aufgelegtes Beethovenorchester mit Generalmusikdirektor Dirk Kaftan am Pult der Halle schon einmal gehörig ein.

Unter einem Scheinwerfergewitter heizten 700 Musiker inklusive ein bestens aufgelegtes Beethovenorchester mit Generalmusikdirektor Dirk Kaftan am Pult der Halle schon einmal gehörig ein.

Bonn. Am Reformationsabend feierten die Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg im Telekom Dome die bundesweit größte Jubiläumsshow mit 5000 Besuchern

Das hätte man den spröden „Evangelen“ gar nicht zugetraut, eine so mitreißende Showgala zum 500-Jährigen der Reformation in den Telekom Dome zu bringen, wie sie 5000 Gäste am Dienstagabend beklatschten. Unter einem Scheinwerfergewitter heizten 700 Musiker inklusive ein bestens aufgelegtes Beethovenorchester mit Generalmusikdirektor Dirk Kaftan am Pult der Halle schon einmal gehörig ein.

Hatte man das ehern trutzige Martin-Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ schon einmal so gewaltig donnern gehört? Wie mit einem Paukenschlag hatte die modern arrangierte Hymne der „Evangelen“ die Show genau 500 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag eröffnet.

Freudig luden die beiden Gastgeber Mathias Mölleken und Eckart Wüster, Superintendenten der Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel, mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan das Publikum unter dem durchaus hintersinnigen Motto „Luther – teuflisch gut“ zum Mitfeiern ein.  „Wir haben hier heute Abend zum Finale des Jubeljahrs die bundesweit größte Reformationsfeier. Wir lassen die Lutherische Freiheit des Christenmenschen von der ersten Minute an spüren“, erläuterte Ideengeber und Mitorganisator Pfarrer Siegfried Eckert dem GA am Rande, während der WDR die Show filmte.

Jede Menge prominente Gäste wie etwa den rheinischen Präses Manfred Rekowski brachte das Team auf die Bühne. Rupert Neudecks Witwe Christel und Frauenrechtsaktivistin Monika Hauser von medica mondiale antworteten den Moderatoren Sabine Scholt und Eckart von Hirschhausen zum Themenkomplex „Haltung zeigen“. „Öffnen Sie Ihr Haus und Herz für Flüchtlinge“, beschwor Christel Neudeck das Publikum.

Unter dem Motto „Vorbilder“ und das „Friedenspotential der Religionen“ sprachen Benediktinerpater Anselm Grün und Moschee-Gründerin Seyran Ateş.  Bundesligatrainer Heiko Herrlich („Ich gehe jeden Weg mit Gott“) und Fernsehmoderator Ralph Caspers „Ich bin so protestantisch, dass ich alles hinterfrage“) deklinierten ihr Evangelischsein ebenso durch wie Slam-Poetin Sandra Da Vina aus Meckenheim, die brillant gegen Fake-News reimte.

Und der rheinischen „Diaclown“ Willibert Pauels machte sich seinen katholischen Reim drauf. Nicht zuletzt trat zwischendurch immer wieder der leibhaftige Luther (Hagen Range), die „coole Socke“, so Hirschhausen, mir seinen markantesten Zitaten auf. Und dessen Gattin, Katharina von Bora machte sich in Person der Frauenbeauftragten des Godesberger Kirchenkreises Sabine Cornelissen für die Rechte des weiblichen Geschlechts stark.

„Was, Ihr habt erst seit den 1970er Jahren Pfarrerinnen?“ Was die Theologieprofessorin Cornelia Richter bestätigen musste. À la Luther offen und barmherzig sein zu wollen, sei Eines, „dafür braucht es aber auch Menschen, die dem Raum geben“, schrieb Richter auch den Protestanten hinter die Ohren.  Dass zwischen den Redeblöcken immer wieder musikalisch die Post abging, dafür sorgten unter der Regie von Molly Spitta auch Judy Bailey & Band, Wise-Guy Eddi Hüneke, die Sängerin Schirin Partowi, ein großer Gala-Chor und die „Bläser von Jericho“. Selbst Ministerpräsident Armin Laschet, der noch aus einer Feier im Altenberger Dom hinzugeeilt war, ließ sich von der Feierstimmung anstecken: „Dieser Reformationstag ist sehr wichtig. Die christliche Botschaft ist das Beste, was man dieser Welt anbieten kann. Wir Kirchen haben so viele Gemeinsamkeiten, da sollten wir uns nicht streiten.“