Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt

340 Flüchtlinge müssen ausziehen

In diesem Gebäude der ehemaligen Ermekeilkaserne richtet das Bundesamt für Migration Büros ein.

In diesem Gebäude der ehemaligen Ermekeilkaserne richtet das Bundesamt für Migration Büros ein.

22.02.2016 BONN. Alle Bemühungen der Verwaltung und der Politiker waren vergeblich: Die Stadt Bonn muss jetzt doch ihre erst im Sommer 2015 eingerichtete Flüchtlingsunterkunft im Haus 6 der Ermekeilkaserne räumen.

 Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) will dort ab 1. März ein Ankunfts- und Entscheidungszentrum einrichten. Laut einem Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Eigentümerin der Kaserne, habe man keine geeignete Alternative für das Bamf in Bonn gefunden.

Von dem Umzug betroffen sind 340 Personen, darunter 80 Kinder. Von den Plänen nicht tangiert ist die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Haus 3 der Kaserne, wo gut 350 Personen wohnen. Die Flüchtlinge aus Haus 6 sind Stadtsprecherin Monika Hörig zufolge über den bevorstehenden Umzug informiert worden. Sie werden eine neue Bleibe in den Sporthallen des Robert-Wetzlar- und des Heinrich-Hertz-Berufskollegs sowie in der ehemaligen Poliklinik finden. Diese Hallen betreibt, wie das Haus 6, das Deutsche Rote Kreuz im Auftrag der Stadt. DRK-Kreisvorsitzender Georg Fenninger, der auch CDU-Stadtverordneter ist, geht davon aus, dass mit dem Umzug schon heute begonnen wird.

Für Fenninger hat diese Entwicklung zwei Seiten. So geht er davon aus, dass das Land aufgrund der Errichtung der Bamf-Außenstelle bis zu 1000 Flüchtlinge auf das Kontingent der Stadt anrechnen wird. Auch soll es bis Ostern keine weiteren Zuweisungen nach Bonn geben. Die negative: Viele Familien müssen wieder in Sporthallen leben, auch müssen für die Kinder neue Schul- und Kitaplätze gefunden werden. „Wir wollen versuchen, vor allem die Schwangeren und Kranken in der Poliklinik unterzubringen“, sagte Fenninger.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan werde am Donnerstag in der Ratssitzung (ab 18 Uhr, Stadthaus) einen Bericht zur aktuellen Lage geben, teilte Hörig mit. Mit Stand von Montag sind 3843 Asylsuchende in städtischer Obhut. Um nach Ostern auf die Belegung weiterer Turnhallen verzichten zu können, hat die Verwaltung, wie berichtet, weitere Container bestellt, um 170 Flüchtlinge in Buschdorf unterzubringen.

Vorbereitungen zur Herrichtung weiterer Notunterkünfte laufen

Zudem laufen die Vorbereitungen zur Herrichtung weiterer Notunterkünfte, etwa in der ehemaligen Diplomatenschule in Ippendorf. Die Stadt verhandelt auch zwecks Anmietung einer größeren Gewerbehalle in Beuel. „Wir setzen alles daran zu vermeiden, dass weitere Turnhallen belegt werden müssen. Eine Garantie dafür gibt es nicht, ich bin aber zuversichtlich, dass es gelingen wird“, betonte der OB erneut.

„Damit werden die knappen Unterbringungsmöglichkeiten in Bonn weiter eingeschränkt“, bedauerte SPD-Bundestagsabgeordneter Kelber. Er hätte sich von dem dem Bamf vorgesetzten Bundesinnenminister de Maizière und Bima-Chef Gehb (beide CDU) deutlich mehr Flexibilität gewünscht, sagt er. Auch warf er der Stadtverwaltung und dem OB vor, die drei Bonner Bundestagsabgeordneten nicht früh genug über die Bamf-Pläne informiert zu haben. (Lisa Inhoffen)