Bogida-Kundgebung in Bonn

3000 Bürger stellen sich quer

Die Gegendemonstranten begleiten den Aufmarsch der rund 300 Bogida-Anhänger mit lautstarkem Protest.

Die Gegendemonstranten begleiten den Aufmarsch der rund 300 Bogida-Anhänger mit lautstarkem Protest.

22.12.2014 BONN. Von einem weitestgehend friedlichen Verlauf sprach am Montagabend die Polizei nach den Demonstrationen des Bündnisses "Bonn stellt sich quer" und der Anti-Islam-Bewegung Bogida auf dem Marktplatz.

Erst nach Auflösung der beiden Versammlungen kam es gegen 22 Uhr zu zwei Schlägereien zwischen Bogida-Teilnehmern und Linken. Die Polizei nahm Anzeigen wegen Körperverletzung auf.

Schon am Nachmittag gehen mehr als 900 Polizeibeamte rund um den Markt in Stellung. Hinter dem Obelisken bilden sie mit Mannschaftswagen eine Art Schutzburg, in der sich später die Bogida-Anhänger in sicherem Abstand zu den Gegendemonstranten versammeln und zu einem kurzen "Spaziergang" zum Bertha-von-Suttner-Platz aufmachen. Da skandieren auf dem Markt vor dem Rathaus schon gut 3000 Menschen "Nazis raus".

Und es werden immer mehr: Von allen Seiten strömen die Gegendemonstranten, darunter viele Mitglieder aus Bonner Kirchengemeinden, aus den Parteien, der Gewerkschaft und aus der Studentenschaft auf den Marktplatz zu. Gegen 18.20 Uhr müssen die Stadtwerke Bonn, so SWB-Sprecher Werner Schui, den Bahnbetrieb zwischen Kennedybrücke und Hauptbahnhof einstellen. Später bricht auch der Busverkehr in der City zusammen. Als sich die Demonstrationen gegen 21.30 Uhr auflösen, dauert es noch eine ganze Weile, bis sich die Verkehrslage wieder normalisiert.

Susanne Rohde vom Bündnis "Bonn stellt sich quer" steht inzwischen auf einem zur Bühne umfunktionierten Lastwagen und sagt: "Angst und Unzufriedenheit rechtfertigen keinen Rassismus". Die Menge applaudiert. Entlang der Absperrgitter liefert sich eine Gruppe von Antifa-Jugendlichen mit den Bogida-Leuten Wortgefechte.

Als Jugendliche versuchen, die Gitter zu überwinden, schreitet die Polizei ein. Zwei junge Männer werden abgeführt. Als die Bogida-Gruppe zum Bertha-von-Suttner-Platz marschiert, trifft einen Teilnehmer eine Plastikflasche. Verletzt wird er laut Polizei nicht. Es soll sich um Pro-NRW-Stadtrat Christopher von Mengersen gehandelt haben. Nach Polizeiangaben wird er später bei einer der anschließenden Schlägereien leicht verletzt.

Als Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Bühne betritt, brandet erneut Applaus auf. "Es geht den Anhängern der lokalen Variante des zeitgenössischen Nationalsozialsozialismus von Pro NRW nicht nur um die Hetze gegen den Islam, nein, sie verachten auch das Christentum, die verachten Religion überhaupt", sagt Nimptsch. Der OB weiter: "Auch wir sehen die Probleme, die es immer gibt, wenn Kulturen zueinanderfinden, und wir sehen sie auch in unserer Stadt. Aber wir stellen uns diesen Problemen, finden Lösungen und erbringen in Bonn eine große Integrationsleistung."

Der evangelische Pfarrer Siegfried Eckert, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, begrüßt die Gegendemonstranten mit "liebe Mitte der Gesellschaft" und erinnert daran, dass Josef Schuster, Zentralratsvorsitzender der Juden in Deutschland, die Pegida-Bewegung als "brandgefährlich" einstufe. CDU-Ratsfraktionschef Klaus-Peter Gilles steht neben dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber. Beide klatschen während Eckerts Rede. "Ich bin beeindruckt, mit welcher Klarheit sich die Bonner gegen Rassismus artikulieren", sagt Gilles. (Lisa Inhoffen, Rüdiger Franz und Andreas Baumann)