Prozessauftakt in Bonn

27-Jähriger gesteht Attacke auf Frau in Bonn

Bonn/Beuel. Wegen besonders schwerer sexueller Nötigung einer 25-Jährigen steht ein 27-jähriger Asylbewerber aus Syrien seit Montag vor dem Bonner Landgericht. Zum Prozessauftakt gesteht er die Vorwürfe zwar pauschal, verstrickt sich aber in Widersprüchen.

Als der 27-jährige Angeklagte von Justizwachtmeistern in Handschellen in den Saal gebracht wird, versteckt er sein Gesicht vollständig unter einer Kapuze und zur Sicherheit zusätzlich noch hinter Papieren. Wie schwer sich der Asylbewerber aus Syrien mit diesem öffentlichen Auftritt vor dem Landgericht tut, wird im Verlauf dieses ersten Prozesstages immer wieder deutlich.

Die Anklage wirft ihm vor, am 11. Juni gegen zwei Uhr auf der Kennedybrücke eine 25-Jährige gepackt, sie die Treppe zum Rhein hinunter gezerrt, sie dort in ein Gebüsch gestoßen und versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Und erst als die von einer Zeugin aufgrund der Hilfeschreie alarmierte Polizei eintraf, soll er von ihr abgelassen haben, in den Rhein gesprungen sein, wo er herausgefischt wurde. Nun will er ein Geständnis ablegen. Aber damit ist es nicht weit her.

Angeklagter bedauert Tat

Zwar verliest sein Verteidiger Carl Horst Schroeder sofort nach Prozessbeginn ein Schreiben, in dem der 27-Jährige erklärt: „Ich bedauere zutiefst, dass es zu der Tat gekommen ist und die Frau darunter leiden muss. Und ich möchte mich ausdrücklich bei ihr entschuldigen.“ Aber mit der folgenden Erklärung macht er das zuvor Gesagte sofort wieder zunichte.

Denn er fährt fort: Er habe sehr viel getrunken gehabt und das Verhalten der Frau wohl missverstanden. „Ich bin davon ausgegangen, dass sie einverstanden ist, weil sie sich nicht gewehrt hat.“ Gewalt habe er auch nicht angewendet, er habe sie nicht gestoßen, nicht geschlagen, nicht gewürgt, sie nicht versucht auszuziehen, ihr nicht den Arm auf den Hals gedrückt.

„Das ist kein von Reue getragenes Geständnis“, hält ihm Kammervorsitzender Marc Eumann vor und fragt nach: „Was hat Sie veranlasst zu glauben, die Frau sei einverstanden? Haben Sie nicht Ihre Schreie gehört?“ Der Angeklagte laviert, erklärt, er wisse es nicht mehr, es könne sein, dass er sie etwas gezogen habe. Aber dann sei sie zu Boden gegangen – „freiwillig und geschmeidig“, übersetzt der Dolmetscher die Worte des Angeklagten, der 2012 von Syrien in die Türkei flüchtete und 2015 über die Balkanroute nach Deutschland kam.

In Meckenheim untergebracht

Vor seiner Verhaftung war er in Meckenheim untergebracht und arbeitete seit Kurzem in Duisdorf. Und erneut hält ihm der Richter vor: „Eine Frau sagt nein, schreit um Hilfe, und Sie wollen mir sagen, dass sie ihre Meinung geändert hat?“ Dann redet der Richter mit dem Angeklagten, wie er sagt, „Tacheles“: „Ich weiß ja nicht, wie das in Syrien ist. Aber wenn hier eine Frau nein sagt und um Hilfe ruft, dann ist klar, dass sie nicht will.“

Und noch etwas gibt Richter Eumann dem Angeklagten zu bedenken: „Hier in Deutschland darf eine Frau genau wie ein Mann nachts allein über die Straßen gehen, ohne dass davon irgendwelche Signale abzuleiten sind.“ Aber das Hü und Hott, wie der Richter es nennt, nimmt kein Ende: Mal gibt der Angeklagte etwas zu, dann nimmt er es wieder zurück, obwohl der Richter ihm erklärt: Ohne ein richtiges Geständnis, das dem Opfer eine unangenehme Befragung vor Gericht erspare, könne er im Falle eines Schuldspruchs keine Strafmilderung erwarten.

Nach einer kurzen Beratungspause mit seinem Verteidiger erklärt der Anwalt: „Er tut sich sehr schwer, was auch kulturell bedingt sein könnte. Aber er gibt zu, dass er nach ihrem ersten Hilferuf erkannt hat, dass sie nicht will, und trotzdem weitergemacht hat“. Auch gebe er zu, dass er „leichte Gewalt“ angewendet, ihr den Mund zugehalten und sie geschubst habe. Doch auf Nachfragen des Gerichts macht der Angeklagte wieder die Rolle rückwärts und erklärt sogar: Er sei nicht vor der Polizei geflohen, weil er was falsch gemacht habe, sondern wegen schlechter Erfahrungen. Er sei auch nicht in den Rhein gesprungen, sondern er sei ausgerutscht und hineingefallen. Nächste Woche soll sein Opfer gehört werden.