Bonner Gruppe von "Pulse of Europe"

23-jährige Studentin wirbt für die europäische Idee

Pulse-of-Europe-Sprecherin Lucia Dölker wirbt für die europäische Idee.

Pulse-of-Europe-Sprecherin Lucia Dölker wirbt für die europäische Idee.

Bonn. Die Studentin Lucia Dölker ist das junge Gesicht der Bonner Gruppe von "Pulse of Europe". Erste Impulse hat sie als Schülerin der Europaschule Bornheim bekommen.

Lucia Dölker steht auf dem Kaiserplatz. Hier, im Schatten der Kreuzkirche, soll diesen Samstag ab 14 Uhr die nächste Demonstration der Bonner Initiative von „Pulse of Europe“ beginnen. Die Studentin der Politik und Medienwissenschaften blickt sich um. „Wir wollen dieses Mal ein Quiz starten. Wir fragen, welche Gesetze eigentlich in Berlin oder in Brüssel erlassen werden“, sagt die 23-Jährige und lächelt. Es mache sich doch kaum noch jemand klar, was die EU für ihre Bürger leiste.

Dölker arbeitet seit Mai 2017 im Bonner Team mit, das sich im Zuge der inzwischen länderübergreifenden „Pulse of Europe“-Bewegung gebildet hat. „Mir ist schon klar, dass ich im Bonner Team momentan die absolut Jüngste bin“, sagt sie. Mit dem pensionierten Wissenschaftsmanager Gerd Eisenbeiß, der Fremdsprachen-Korrespondentin Birgit Wichmann und der Beraterin Bernadette Conraths bildet Dölker den Kern der Gruppe.

„Es ist halt schwer, Jüngere zu begeistern, weil wir jungen Leute das in der EU Erreichte meist als selbstverständlich ansehen“, bedauert die 23-Jährige. Aber gerade deshalb engagiere sie sich, fügt sie kämpferisch hinzu. Die „Prägung“ habe sie an der Europaschule Bornheim erhalten. Da sei der Austausch mit anderen EU-Ländern fest verankert gewesen. „Wir waren in Prag und Madrid, wir waren in England, und wir haben hautnah erlebt, wie Menschen dort ticken“, berichtet Dölker.

Eine Oberstufenfahrt habe an die Europa-Akademie Otzenhausen geführt. „Erst gab's lange Gesichter: Wer wollte schon ins Saarland?“, erinnert sich die junge Frau und lacht. Und dann sei das Zusammensein mit jungen Esten und Italienern keineswegs trocken, sondern absolut spannend gewesen. Die englische Sprache bot die sprachliche Brücke. „Wir haben alle sehr von diesen Aufenthalten profitiert.“

Nach dem Abitur habe sie dann unbedingt weiter in die Welt gewollt. „Und es wurde Guatemala. Da habe ich mit meinem Schul-Spanisch ein halbes Jahr an einer Agrarschule gearbeitet“, erzählt Dölker. Die Gastfamilie habe sich als so freundlich entpuppt, dass sie jetzt sozusagen eine zweite Familie habe. Aber allein die Beschaffung der Einreise- und Aufenthaltspapiere habe sie eine Menge Zeit und Nerven gekostet. „Da wurde mir klar, wie stark wir in der EU von offenen Grenzen profitieren.“ Zu Besuch in Hamburg habe sie dann zufällig eine Veranstaltung der dortigen Gruppe von „Pulse of Europe“ erlebt, und der Funke sei sofort auf sie übergesprungen sei. „Da herrschte nicht die typisch aufgeheizte Anti-Stimmung, sondern ein positives Gemeinschaftsgefühl“, berichtet Dölker. Die Leute hätten mit ganzem Herzen für etwas Wertvolles demonstriert. „Ab da wollte ich mit dabei sein.“

In Bonn habe sie die damals noch wöchentlichen „Pulse of Europe“- Treffen auf dem Markt aufgesucht. „Aber ans offene Mikrofon für jedermann habe ich mich da noch nicht getraut.“ Als das Gründungsteam nach der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten aus Überlastung eine Auszeit brauchte, habe sie sich der Gruppe angeschlossen. „Heute mache ich den Newsletter und die Homepage. Ach ja, und den Facebook-Auftritt betreue ich ja auch.“

Bei der Veranstaltung Anfang März hatte sie dem Team mit einem beherzten Auftritt aus der Patsche geholfen, als das Mikrofon nicht klappte: Dölker breitete einfach die Arme aus und sprach mit lauter Stimme und klar gegen die starken Nebengeräusche auf dem Remigiusplatz an. „Ich hatte eigentlich nie vor, im Vordergrund zu stehen. Aber jetzt muss es eben sein“, sagt die junge Frau, die nach dem Studium in den Journalismus gehen will. Sie investiere halt gerne einen Teil ihrer Freizeit für die Vorbereitung der monatlichen Veranstaltungen, wenn auch der Reiz des Neuen, der den Terminen anfangs anhing, verloren sei. Sicher, „Pulse of Europe“ habe heute im Vergleich zu 2017 deutlich weniger Teilnehmer, „aber unser Anliegen ist jetzt kurz vor den Europa-Wahlen noch viel wichtiger: Wir müssen Pulsgeber für die EU sein.“

Nächster Termin: Die Gruppe lädt für diesen Samstag, 6. April, ab 14 Uhr auf den Kaiserplatz nach Bonn ein. Infos und Kontakt auf www.ga-bonn.de/pulse.