Zwei Freunde vor Gericht

23-Jähriger nach Streit um Zigarette in Alfter verprügelt

Vor der Jugendkammer des Bonner Landgerichts sitzen seit gestern die beiden Angeklagten.

Vor der Jugendkammer des Bonner Landgerichts sitzen seit gestern die beiden Angeklagten.

Bonn/Alfter. Nach einem Junggesellenfest in Alfter stehen zwei Freunde wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Das Opfer ist weiterhin traumatisiert.

Es ging um eine Zigarette. Um sonst nichts auf dem Heimweg nach einem Junggesellenfest im Dorfgemeinschaftshaus in Giersdorf: Weil die Bitte verweigert wurde, wurde das Leben eines 23-Jährigen furchtbar zerstört. Selbst neun Monate nach einer Prügelattacke mit Faustschlägen und Fußtritten in der Nacht zum 13. August 2017 ist der junge Mann, der ursprünglich Fahrzeugtechnik und Physik studieren wollte, nicht wieder hergestellt. Wegen eines schweren Schädelhirntraumas und Hirnblutungen musste er 17 Tage intensivmedizinisch betreut werden; mehrere stationäre Reha-Maßnahmen folgten. Weiterhin ist er nicht in der Lage, zu arbeiten, geschweige denn zu lernen.                  

Vor der Jugendkammer des Bonner Landgerichts sitzen seit gestern die beiden Angeklagten - 20 und 21 Jahre alt -, die mutmaßlich die Folgen der Prügelattacke zu verantworten haben. Die Staatsanwältin wirft den Freunden unter anderem gemeinschaftliche, gefährliche Körperverletzung vor. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, ließ der Jüngere seinen Verteidiger Martin Kretschmer erklären. Wegen seiner schweren Alkoholisierung könne er sich weder an die Szene mit der Zigarette, noch an irgendwelche Schläge oder Tritte erinnern. Alles, was in dieser Nacht geschehen sei, sei wie ausgelöscht.

Sein mitangeklagter Freund hingegen konnte sich noch ganz gut an die Nacht erinnern und hat ihn schwer belastet. Sein Kumpel sei schon „den ganzen Abend sehr aggressiv“ gewesen, bestätigte der 21-Jährige. Auch dass der Andere das Trio, das sie erfolglos nach einer Zigarette gefragt hatten, ohne weiteres angegriffen habe. Schließlich auch, dass er das Opfer, als es bewusstlos auf dem Boden lag, noch mit Füßen getreten habe. Er selbst, so versicherte der 21-Jährige den Richtern, habe kein einziges Mal zugeschlagen. Damit widerspricht er jedoch der Anklage, die ihm ebenfalls vorwirft, den 23-Jährigen mit einem Faustschlag attackiert zu haben.

Die Rollen scheinen die angeklagten Kumpels gut verteilt zu haben: Denn der Ältere ist in der Justiz bislang ein unbeschriebenes Blatt - und sitzt auch nicht in Untersuchungshaft. Der Jüngere hingegen ist bereits fünf Mal vorbestraft und war erst kurz zuvor zu 22 Monaten Haft verurteilt worden. Nur weil das Urteil angefochten wurde, saß er am Abend des Junggesellenfestes noch nicht im Gefängnis.

 Aggressivität durchzieht sein bislang kurzes Leben, wie der 20-Jährige gestern selber bestätigte. Da er häufiger Mitschüler verprügelt und keine Lust auf Unterricht hatte, musste wiederholt die Schule wechseln.  Selbst den Lebensgefährten seiner Mutter soll er geschlagen und getreten haben und dem 60-Jährigen sogar angedroht haben, ihn umzubringen: „Ich habe nichts zu verlieren. Mir ist alles scheißegal.“

Auch für diese Drohung muss sich der 20-Jährige in diesem Verfahren verantworten.