Cheap Art-Ausstellung in Bonn

22 Künstler zeigten ihre Räume in Bonn

BONN. Wie eine Tapete legen sich die unzähligen Kunstwerke über die Wände im Kult41 und der Fabrik45. Dann öffnen sich die Türen, vor denen sich schon eine Schlange bis zur Bornheimer Straße gebildet hat.

Die Besucher, am Samstagabend etwa 1700, hatten sich schon eine halbe Stunde vor Beginn der Cheap Art-Ausstellung eingereiht. "Denn wer zuerst kommt, kann sich die schönsten und günstigsten Werke aussuchen", sagte Organisator Jens Mohr. Es herrschte Flohmarkt-Atmosphäre.

"Das hat nicht zu bedeuten, dass hier Ramsch hängt." Im Gegenteil: Für die 50 Künstler, zu denen Mohr selbst zählt, sei es eine Herausforderung, "günstige Kunst" zu machen. Da werde an allen Ecken und Enden gespart, Materialien wiederverwertet oder billig eingekauft. Entscheidend sei auch die Zeit.

"Wer gut ist, schafft ein Bild in zehn Minuten", sagte Mohr. Aber planbar sei das nicht, vielmehr ein Zufallsprodukt. Es gibt zwei Preisspannen, von zehn bis hundert und von hundert bis tausend Euro. Letztere heißt "Cheap Art Deluxe", eben weil sie etwas teurer ist. Von den mehreren Hundert Bildern, die aus allen Stilrichtungen stammten, fanden die meisten einen Abnehmer. "Je später der Abend wurde, desto leerer wurden natürlich auch die Wände", so Jens Mohr.

In den offenen Ateliers von "SüdstART" in der Südstadt, die Samstag und Sonntag geöffnet hatten, blieb es dagegen ruhiger. "Meist kommen Paare vorbei und nehmen sich die Zeit, mit mir über meine Kunst zu reden", sagte Ina Zeuch, die mit der Nummer 22 die letzte Station auf dem Rundgang war.

Das reize sie an der Veranstaltung: Der direkte Kontakt zu den Gästen. Nicht so steril wie bei einer richtigen Ausstellung, sondern in der Umgebung, in der sie arbeitet. Zeuch hatte gemalte Szenen von Fernsehbildern, eigenen Fotos oder Abbildern aus der Wegbung aufgehangen, "Kino der stehenden Bilder", wie sie es nennt. Acryl, Gouache und Öl malt Zeuch auf Leinwand und Papier. Meist so genau, dass sie Störungen, Filmstreifen und Falschfarben übernimmt.

"Viele der Bilder haben ihren Ursprung in Indien." Dort reiste sie in den vergangenen Jahren dreimal für längere Zeit hin. "In Indien ist alles bunter, das gefällt mir besonders", erzählte sie. Nicht nur die schnulzigen Bollywood-Filme, die man hierzulande kenne, sondern auch die Nachrichten.

"Die Emotionen sind präsenter in jeder Szene. Die Bilder bleiben auch länger stehen, als in Deutschland." Ihre Erklärung dafür ist die hohe Analphabetenrate auf dem Subkontinent. Dadurch, dass die Bilder die Geschichte eindringlich erzählen, ist der Untertitel nicht so wichtig. Das hat sie selbst schon erlebt. Obwohl sie keine Wort Hindu spricht, verstand sie einen Kinofilm und auch die Nachrichten - zumindest ansatzweise.

Der Blick von Besucher Martin Gies aus Meckenheim schweifte von den Bildern an den hohen Altbau-Wänden auf den kleinen Fernseher und wieder zurück. Natürlich lief ein Bollywoodstreifen. "Ich habe sonst nicht viel für Kunst übrig, aber das hier ist irgendwie nett", sagte er.

Ein offenes Atelier, so wie Ina Zeuch es bei Führungen durch die Wohnung und den Keller zeigte, habe für ihn mehr Anziehungskraft als eine Ausstellung. "Das geht glaube ich vielen Leuten so, deswegen ist es eine gute Sache." Im Gegenzug war Zeuch dankbar dafür, ihre Werke präsentieren zu können.