Wenzelgasse

200 Schiiten trauerten friedlich um ihren Imam

Religiöses Ritual: Schiiten schlagen sich bei dem Trauerzug in der Wenzelgasse auf Rücken und Oberkörper.

BONN. Friedlich ging am Sonntag der islamische Trauermarsch des Indisch-Pakistanischen Kulturvereins in der Wenzelgasse zu Ende. Laut Polizeisprecher Harry Kolbe waren an die 200 Anhänger der zweitgrößten islamischen Konfession aus dem In- und Ausland zu der angemeldeten Veranstaltung zusammengekommen.

"Ähnlich den christlichen Osterprozessionen, die an den Leidensweg Christi erinnern, organisieren wir Schiiten Trauermärsche, um an das Leid Imam Alis zu erinnern", hatten die Veranstalter auf Handzetteln geschrieben, die sie an neugierige und zum Teil auch entgeisterte Passanten verteilten.

Denn die schiitischen Männer und Jugendlichen schlugen sich zu Trauerliedern eineinhalb Stunden lang rhythmisch auf die Brust. In Richtung Suttner-Platz hatten sie einen symbolischen Sarg für den von ihnen verehrten Nachfolger des Propheten Mohammed aufgebaut. Die meisten Bonner, die Augenzeugen des Umzugs wurden, reagierten jedoch gelassen. "Unsere Aktion ist friedvoller Ausdruck exzessiver Trauer.

Wir nehmen aber explizit Abstand von Hetzreden, Vergeltung, Aufwiegelei und Gewalt", erklärten die Veranstalter. Man sei höchst dankbar, in einem Land leben zu können, in dem man als Schiit nicht verfolgt werde und seinen Glauben ausüben könne.

"Die Anmelder dieser rein religiösen Veranstaltung verhalten sich äußerst kooperativ. Wir haben keinerlei Anzeichen von Gewalt. Das sind keine Salafisten", betonte auch Polizeisprecher Kolbe. Für hiesige Beobachter möge das Ganze befremdlich wirken. "Aber das muss eine Demokratie verkraften", so Kolbe. Mehreren Teilnehmern wurde ein T-Shirt gereicht, nachdem Hautabschürfungen zu kleinen Blutungen geführt hatten.