Kundgebung Pro NRW

200 Gegendemonstranten auf dem Friedensplatz

BONN. Unter ohrenbetäubenden Lärm, aber wie angekündigt gewaltfrei sind am Samstagmittag auf dem Friedensplatz die Wahlkampfveranstaltung der vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW sowie eine parallel stattfindende Gegendemonstration über die Bühne gegangen.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch warb bei der Gegenkundgebung, angelehnt an die "Bonner Erklärung gegen Rassismus", für "Vielfalt und Toleranz und gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus". Die etwa zweistündige Kundgebung von Pro NRW zählte 20, die Gegendemonstration knapp 200 Teilnehmer.

Auf dem Friedensplatz und in den ringsum liegenden Straßen kam es zu keinen nennenswerten Behinderungen. Die Bonner Polizei und eine Einsatzhundertschaft aus Köln überwachten das Geschehen und sorgten für die Trennung der Lager. Allenfalls neugierige Blicke ernteten die Akteure von den zahlreichen unbeteiligten, die bei schönstem Maiwetter in die Innenstadt aufgebrochen waren.

Auch auf dem Friedensplatz, dessen Mitte von den Demonstrationen belegt wurde, waren alle Geschäfte und Gaststätten geöffnet. Während Pro NRW das gegnerische Motto "Bonn bleibt bunt" um den Zusatz "Darum keine Islamisierung" ergänzte und per Lautsprecheranlage die umstrittenen Wahlkampfslogans ausformulierte, reagierten die Gegner mit Sprechchören und Trillerpfeifen.

[kein Linktext vorhanden]Teilnehmer der vom Bündnis "Bonn stellt sich quer" organisierten Protestveranstaltung waren Privatleute und linke Gruppen, Flagge und Plakate zeigten in der Schar der Demonstranten SPD, Jusos, Grüne, Linkspartei, Piraten und Antifa. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der BIG-Partei.

Eine Gruppe verließ den Demonstrationsort noch vor Eintreffen von Pro NRW, weil sie in in Düsseldorf noch zu einer "Blockupy"-Aktion wollte. Die von Pro NRW vor deren Abzug schließlich intonierte Nationalhymne ging im schrillen Pfeifkonzert unter. In einer mit viel Verve vorgetragenen Rede sagte Nimptsch: "Bonn ist eine tolerante, weltoffene und friedliebende Stadt.

Bonn ist eine Stadt des Miteinanders und der Vielfalt. Hier leben Menschen aus mehr als 180 Ländern, Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Kulturen in Respekt voreinander zusammen! Und hierauf sind wir stolz." Den Anhängern der Kleinpartei empfahl Nimptsch "die Lektüre eines wunderbaren Romans, den die braunen Vorväter dieses Gedankenguts 1933 verbrannt haben" und verwies auf die berühmte Textstelle zum Rheinland in Carl Zuckmayers Roman "Des Teufels General".

Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Coletta Manemann, verwies ihrerseits ebenfalls auf die "erfreuliche Arbeit der vielen Initiativen und Gruppen, die in Bonn zum friedlichen Miteinander beitragen". Allerdings wisse man auch, so Manemann, "dass noch viel zu tun ist und noch viel Arbeit vor uns liegt". Und Mani Stenner, Sprecher des organisierenden Aktionsbündnisses, äußerte eine "diffuse Mischung aus Trauer und Wut".

Dass es, von wechselseitigen Beschimpfungen abgesehen, ein Tag ohne nennenswerte Zwischenfälle war, bestätigte nach Abschluss des Einsatzes nicht nur die Polizei. Dies verdeutlichte die Beschwerde eines Organisators über die Intervention von Einsatzkräften gegen Demonstrationsteilnehmer, darunter Minderjährige, die mit Kreide unter anderem politische Botschaften auf die Straße geschrieben hatten. Beleidigende Inhalte und größere Verschmutzungen, so die Polizei, sollten vermieden werden. Gegen 14 Uhr verstreute sich die Menge in der Innenstadt.