Wahlkampfauftritt in Bonn

200 Bonner lauschen Cem Özdemir

Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir unterstützt die Bonner Grünen-Direktkandidatin Katja Dörner bei ihrem Wahlkampf.

Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir unterstützt die Bonner Grünen-Direktkandidatin Katja Dörner bei ihrem Wahlkampf.

Bonn. Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir spricht im Bonner Loch, fordert eine schnelle Abschiebung von Gefährdern und liebäugelt mit einer Koalition mit der SPD.

Bevor eine Besucherin der „cemsession“ genannten Wahlkampfveranstaltung von Bündnis90/Die Grünen am Samstag ihre Frage an den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir richtete, bedankte sie sich mit einem „Chapeau!“ für die Tatsache, dass Özdemir das Bonner Loch für seinen Auftritt in Bonn gewählt hatte. Bonns Bundestagskandidatin Katja Dörner hatte den Parteichef noch kurz zuvor im Bonner „Klangraum“ zu der öffentlichen Fragestunde willkommen geheißen. Etwa 200 Zuhörer aller Altersgruppen hatten sich auf den Stufen vor dem Hauptbahnhof eingefunden, um von Özdemir die Positionen seiner von schlechten Umfragewerten geplagten Partei zu drängenden Themen zu erfragen.

Gleich zu Anfang wollte ein sich selber als SPD-Mitglied und Grünen-Sympathisant bezeichnender Besucher wissen, wie sich Özdemir zur Ablehnung einer Neuregelung der „Sicheren Herkunftsstaaten“ durch seine Partei verhält, die gleichzeitig durch den Grünen-Ministerpräsidenten Kretschmann im Bundesrat seine Zustimmung erfahren habe. Özdemir begrüßte zunächst den „Genossen von der SPD“. Schließlich habe man ja sieben Jahre erfolgreich zusammen regiert, und wenn es nach ihm ginge, würden die Grünen auch gerne wieder daran anknüpfen. Länder Nordafrikas zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären, halte er jedoch für falsch.

Özdemir stellt Forderungen

Es gebe immer noch Fälle, wo Schwule und Lesben oder Journalisten diskriminiert würden. Wichtiger sei es, mittels entsprechender Abkommen Gefährder dorthin abzuschieben. Doch darüber hinaus könne es nicht angehen, dass man Asylsuchende aus Afghanistan aus einer begonnenen Ausbildung reiße und in das Kriegsgebiet zurückschicke, während ein Terrorist wie Anis Amri unerkannt durch Deutschland reise, weil die Sicherheitsbehörden nicht ausreichend vernetzt seien.

Bei den Fragen zum Dieselskandal forderte Özdemir die Autoindustrie zu Hardware-Nachbesserungen auf und kritisierte die Regierung, nicht früh genug Alternativen zum Verbrennungsmotor gefordert zu haben. Seine Partei stehe „bedingungslos für die Durchsetzung eines einhundertprozentig emissionsfreien Autos bis 2030“. Der provokanten Frage, ob die Grünen nicht inzwischen „zahnlos“ geworden seien, widersprach Özdemir mit vielen Beispielen. Nie sei es so wichtig gewesen, für den Klimaschutz einzutreten: In einer nächsten Bundesregierung dürfe es nicht mehr heißen, die Grünen machten Umweltschutz und die Anderen den Rest: Klimaschutz müsse eine Aufgabe der gesamten Regierung sein und sich in jedem Ressort wiederfinden. Auch im Außenministerium.