Sieben Verletzte bei Brand in der Maxstraße

20-jähriger Bonner rettet Menschen vor Flammen

Bonn. In der Nacht zu Freitag hat ein Hotel in der Bonner Altstadt gebrannt. Mehrere Personen kletterten aus ihren Fenstern. Ein 20-jähriger Bonner wurde zum Retter vor den Flammen, indem er eine Leiter ans Hoteldach stellte. Sieben Menschen wurden verletzt.

Bennet Collin befand sich zu dem Zeitpunkt, als das Feuer in dem kleinen Hotel in der Bonner Altstadt ausbrach, mit Freunden in der Nähe. "Als Erstes haben wir die Flammen aus dem Haus kommen sehen, dann hörten wir, wie zwei Menschen auf dem Dach schrien". Die jungen Männer zögerten nicht lange: Einer von Collins Freunden rief sofort die Feuerwehr. Das war am Freitag um 3.25 Uhr. Mit seiner Hilfe schaffte es Collin auf ein Vordach in unmittelbarer Nähe des Hotels über der Gaststätte Weihers Eck an der Maxstraße, von wo aus er eine lange Leiter aufrichtete.

Nach Angaben des 20-Jährigen konnte sich ein Mann über die Leiter vom Hoteldach zu ihm auf das Vordach retten – er sei unbekleidet gewesen. "Als er unten war, habe ich ihm mein T-Shirt gegeben, damit er es sich um die Hüften binden kann", sagte Collin. Ein weiterer Mann schaffte den Abstieg über die Leiter nicht. Er prallte neben Collin auf das Vordach und blieb dort verletzt liegen. "Ich habe mich dann um ihn gekümmert. Aber selbst mit unserer Hilfe hat er es nur mit Ach und Krach vom Vordach geschafft."

Dann kam die Feuerwehr, die sich um alles Weitere kümmerte. "Als die Rettungskräfte kamen, wurden meine Freunde und ich hinter die Absperrung gebracht", meinte er. "Ist aber ja auch verständlich, dass die sich nicht weiter um uns kümmern konnten". Überhaupt sei er sehr beeindruckt gewesen von dem Einsatz und der Koordination der Einsatzkräfte.

"Als wir vor Ort eintrafen, stand bereits der gesamte Dachstuhl in Flammen", sagte Olaf Henk, Einsatzleiter der Bonner Polizei. Einige Menschen befanden sich zu dem Zeitpunkt auf dem Dach, eingeschlossen von den Flammen. Andere versuchten gerade, sich aus dem Gebäude zu retten – manche von ihnen auf ein benachbartes Vordach. "Quasi in letzter Sekunde konnten wir fünf Personen von dem brennenden Dach retten", so Feuerwehrsprecher Martin Haselbauer. "Eine Menschenrettung ist auch für uns als Feuerwehr immer besonders dramatisch und fordert alle unsere Kräfte".

Cemil Okatan war fassungslos. 25 Jahre lang betrieb der heute 53-Jährige das Hotel unweit des Stadthauses und auch das Weihers Eck. In der Nacht zum Freitag wurde er von einem befreundeten Gastwirt aus dem Bett geklingelt: "Komm schnell her! Dein Hotel brennt." Dort angelangt, traf Okatan auf ein Großaufgebot aus Polizei und Feuerwehr. Die Straßen rund um die Maxstraße waren abgesperrt.

Nachdem die Menschen in Sicherheit waren, wurde der Dachstuhlbrand für die Feuerwehr laut Haselbauer "zu einem Routineeinsatz". Die Wehrleute gingen mit vier Löschrohren gegen die Flammen vor. Zeitgleich durchsuchten die Helfer das Gebäude nach weiteren Personen. "Das Feuer konnten wir dann innerhalb einer guten halben Stunde unter Kontrolle bringen und verhindern, dass sich der Brand auf benachbarte Gebäude ausbreitet. Auch auf andere Geschosse des Hauses hat sich das Feuer nicht ausgebreitet", sagte Haselbauer. Das Dachgeschoss jedoch wurde von den Flammen zerstört.

Die Löscharbeiten der 85 Einsatzkräfte dauerten bis zum Freitagvormittag. Laut Polizeisprecher Michael Beyer ist das Feuer wohl im Obergeschoss ausgebrochen. "Die Brandursachen konnten wir jedoch noch nicht abschließend klären. Dazu müssen wir Sachverständige hinzuziehen. Das wird am kommenden Dienstag geschehen."

Insgesamt wurden sechs Personen, die sich im Hotel befanden, verletzt – fünf von ihnen leicht, eine schwer. Zudem erlitt ein Feuerwehrmann leichte Verletzungen. Alle wurden zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Laut Okatan befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks neun Personen im Hotel. Geschlafen hatte er nicht: "Wie könnte ich schlafen? 25 Jahre betreibe ich jetzt dieses Hotel. Mein ganzes Leben, meine Existenz ist kaputt."

"Es war schon heftig, und ich musste schlucken, als ich heute noch mal an dem Ort vorbeikam", sagte Collin am Freitagnachmittag. "Es ist krass, dass jetzt schon wieder normaler Alltag ist. Aber vor allem gehen mir die Schreie nicht aus dem Kopf und der Ton, dieses Platschen, als der Mann neben mir aufprallte". Aber helfen würde er immer wieder. "Das ist für mich einfach eine Selbstverständlichkeit."