Nach Umzug von der Ermekeilkaserne

20 Männer wollten nicht in die Turnhalle

01.03.2016 Bonn. Der Umzug von 100 jungen Männern von der Ermekeilkaserne in die beiden für Flüchtlinge neu eingerichteten Turnhallen an der Ellerstraße ist am Montag nicht so reibungslos abgelaufen, wie es sich tagsüber dargestellt hatte.

20 Menschen hätten sich geweigert, am Robert-Wetzlar-Berufskolleg einzuziehen, teilte Peter Winter, Kreisbereichsleiter beim Deutschen Roten Kreuz, auf Anfrage mit. Am Dienstagabend ging die Protestaktion weiter: etwa 20 Männer campierten auf dem Bürgersteig.

Mit blauen Planen schützten sie sich am Abend gegen das nasskalte Wetter. Ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter des DRK versorgten die Flüchtlinge auf der Straße mit warmen Getränken und Essen.

Schon am Montag hatten DRK und Sozialamt nach eigenen Angaben den ganzen Tag über versucht, mit den vor der Halle stehenden Flüchtlingen zu reden und sie davon zu überzeugen, dass die Stadt ihnen im Moment keine andere Unterkunft anbieten könne.

Erst gegen 22 Uhr sei es dann gelungen, die Männer dazu zu bewegen, ihr neues Quartier zu beziehen. Alle hätten dann auch in den Hallen geschlafen. „Wir müssen Obdachlosigkeit abwenden“, sagte Stadtsprecherin Monika Hörig zu der Situation.

Schliefen Männer auf dem Bürgersteig?

„Es herrschten unmenschliche Zustände. Ich war schockiert“, sagte Sabine Kluge-Schwarz, die ehrenamtlich einen 26-jährigen Syrer betreut, der nun an der Ellerstraße untergebracht ist. Nach ihren Informationen hätten einige Männer die Halle in der Nacht zu Dienstag verlassen und auf dem Bürgersteig geschlafen. Das konnte Winter nicht bestätigen. „Es haben alle in den Turnhallen übernachtet“, sagte er nach Befragung seines Wachdienstes.

Kluge-Schwarz und ein paar Helfer haben auch am Dienstagabend Tee an der Ellerstraße verteilt. Von den 20 Männern, die sich vor der Turnhalle des Robert-Wetzlar-Berufkollegs aufhielten, hatten Winter zufolge sechs oder sieben angekündigt, draußen schlafen zu wollen – wohl erneut aus Protest gegen den Umzug von der Ermekeilkaserne in die Turnhalle.

Laut Polizei alles friedlich

Winter sagte, man wolle die Leute nicht überreden, in der Halle zu schlafen, sie stünde aber die ganze Nacht über offen. „Wer drinnen übernachten will, kann das tun.“ Die Polizei wollten sich nicht weiter zu der Protestaktion äußern, sagte nur, dass alles friedlich sei. Sie verwies stattdessen an das Ordnungsamt der Stadt, wo man sich aber am Abend auf GA-Anfrage dahingehend äußerte, man wisse nichts davon, dass Flüchtlinge in der Ellerstraße draußen campierten.

Wie berichtet, mussten in den vergangenen Tagen 340 Menschen die Ermekeilkaserne verlassen, weil in Haus 6 das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dort ein Ankunfts- und Entscheidungszentrum einrichten wird. (Frank Vallender)