Zentraler Bonner Martinszug

1800 Laternen erhellen die Innenstadt

Bonn. Aufgeregtes Gewimmel herrschte vor der Hofgartenwiese. Eulen hier, Geister da, Enten - keine echten – in einem Holzkäfig: Rund 1800 Kinder waren laut Stadtdekanat am Donnerstagabend zum zentralen Martinszug in die Innenstadt gekommen. Auch, um ihre selbst gebastelten Laternen zu präsentieren.

Die Gymnasiasten des Collegiums Josephinum hatten sich ein Unterwassermotiv ausgesucht. Und zwar mit einer besonderen Methode: „Wir haben Wachsmalstifte auf einem Bügeleisen schmelzen lassen und das auf das Papier gerieben“, erklärte Gregor (10). Einige hatten auch echte Muschelschalen darauf geklebt. „Die haben wir an der Nordsee gesammelt“, sagte Pascal (10).

Die Laternen waren natürlich nicht das Wichtigste an dem Abend. Für Lukas (10) ging es auch um die Musik, „und um die Geschichte von Sankt Martin“. Und Laurenz (11) fand auch wichtig, „dass wir Martinsstuten kriegen, die sind lecker“.

Die Kinder gingen nach Schulen geordnet. „Das ist anscheinend typisch fürs Rheinland“, meinte Ulrike Tscherna-Bertoldi, die aus der Nähe von Hamburg kommt. „In Norddeutschland gibt es das nicht, da laufen alle durcheinander.“ Und das Schnörzen heiße dort „Rummelpottlaufen“, erzählte sie.

„Ich finde den Martinszug cool“, sagte Mia (10) vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. „Wegen der ganzen Lichter in der Dunkelheit.“ Die zogen vom Hofgarten am Münster vorbei, das wieder mantelrot angestrahlt war, und durch die Innenstadt. Eine ältere Dame bedauerte, dass die Geschäftsleute am Wegesrand nicht mehr ihre Schaufenster dekoriert haben. Das sei früher besser gewesen.

Die Geschichte des Heiligen sei toll, fand Mia, „weil Martin ziemlich viele gute Dinge getan hat, zum Beispiel einem Bettler helfen“. Das erlebten die Kinder erstmals live am Sterntor: Dort stieg Darsteller Martin Heide ab und teilte den Mantel. Der Zug sollte eigentlich an der Szene vorbeigehen, aber viele Kinder mussten einfach staunend stehenbleiben.

„Es ist wichtig, dass wir teilen“, fand Dunya (11) von der Gesamtschule Bonns Fünfte. Die hatte Laternen in Raketenform gebastelt und Mülleimer mit Alufolie in Roboter verwandelt, das sah toll aus, und deshalb erklärte Oberbürgermeister Ashok Sridharan auf der Treppe des Alten Rathauses die Schule zum Gewinner des Laternenwettbewerbs. Auf dem Platz davor brannte wie üblich das Feuer, um das sich die Kinder herum scharten. Ein Passant wunderte sich, warum die Feuerwehr den Zugang zu diesem Areal so schmal gehalten hatte, dass sich die Kinder davor stauten.

Bevor der Zug eintraf, moderierte Stadtmitarbeiter Ralf Birkner dort. Er zog auch Parallelen zwischen der Martinsgeschichte und dem Fall des alten Mannes, der am Boden einer Bankfiliale liegend starb, weil sich andere Menschen nicht um ihn kümmerten. Martin sei auch heute noch aktuell, sagte er.

Dessen Feiertag ist eigentlich der 11. November. An diesem Tag finden im Bonner Münster um 12.15 Uhr ein Mittagsgebet und um 18 Uhr eine Heilige Messe statt.