GA-Serie "Bonn baut"

18-stöckiger Neubau am UN-Campus

Bonn. Der UN-Campus Bonn bekommt ein neues, 18-stöckiges Hochhaus. Auch das Alte Wasserwerk und das Pumpenhaus werden dem Gebiet der Vereinten Nationen zugeschlagen. Das Bauen in Rheinnähe muss gut vorbereitet sein.

Vom Dach des Langen Eugens aus wirkt der Bauplatz gar nicht so spektakulär. Er reiht sich ein zwischen dem ehemaligen Vizepräsidentenbau und dem Alten Wasserwerk. Tatsächlich sind die Ausmaße von 20 mal 30 Meter für ein Hochhaus nicht gerade üppig. „Genau darum ging es uns auch, als wir die Pläne für den UN-Erweiterungsbau entworfen haben“, erklärt der Berliner Architekt Stefan Lippert.

„Der Grundgedanke war, in den Grünbereich des Campus' so geringfügig wie möglich einzugreifen. Deshalb haben wir eine geringere Grundfläche gewählt und gehen dafür etwas mehr in die Höhe.“ 65 Meter hoch wird der Neubau, 18 Geschosse hoch, wobei das 18. lediglich ein Staffelgeschoss voll mit Gebäudetechnik wird – eine kleine Anspielung auf das Dach des großen Nachbarn, des 114 Meter hohen Langen Eugens.

Die Glasfassade mit den schwarzen Umrandungen ist bewusst dezent gewählt. Es erinnert von Form und Ausdruck an die klassische Moderne der 1960er Jahre. „Wir wollten etwas Zurückhaltung üben und zwischen den berühmten Nachbarn nicht so nach vorne drängeln“, sagt Lippert. Die Jury jubilierte seinerzeit, trotz der Bescheidenheit des Gebäudes würde es doch „der UN zum Stresemannufer hin Präsenz verleihen“. Standort und Proportion seien so gewählt, dass die Silhouette der Rheinseite „in einer angemessenen Maßstäblichkeit weiterentwickelt wird, ohne den kraftvollen Ausdruck des Langen Eugens zu beeinträchtigen“.

Wintergärten über zwei Geschosse

Die neue räumliche Fassung des Campus wird vom gegenüberliegenden Rheinufer aus deutlicher. Das Alte Abgeordnetenhaus wird in Zukunft vom Neubau und dem etwa 50 Meter höheren Langen Eugen gerahmt. Aus dieser Perspektive entsteht laut Architekt zusammen mit dem Post Tower „ein Dreiklang als städtebauliches Ensemble mit Fernwirkung“. Besonders die vier über zwei Etagen reichenden Wintergärten sind ein Blickfang und sorgen für einen gewissen Bruch in der Linienführung. Auch das Foyer soll später mal begrünt werden.

Dieses und die zweigeschossigen „Außenräume“ mit Pflanzen und Sitzgelegenheiten bilden nach der Idee des Architekten eine vertikale Fortsetzung des grünen Campus. Und wenn das Wetter es zulässt, dann öffnen sich kiemenartig die Lamellenfenster. Zugänglich sind die Grünoasen von zwei Stockwerken, Wendeltreppen führen vom oberen Geschoss in die grünen Rastplätze.

Ab 2020 soll das UN-Klimasekretariat mit etwa 330 neuen Mitarbeitern in den Neubau einziehen – doch ob die Klimaschützer dort wirklich einziehen werden, ist noch gar nicht gesagt. Klar ist, dass die UN-Familie in Bonn, mittlerweile aus 20 Organisationseinheiten bestehend, immer mehr Platz braucht. Das Haus Carstanjen, wo immer noch ein Großteil des Klimasekretariats, der UN-Akademie und das Kampagnenbüro untergebracht sind, soll nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus wieder an die Bundesregierung zurückgegeben werden. Aber danach sieht es nach Ansicht von Insidern nicht aus.

UN will sich noch nicht äußern

Offiziell äußern will sich die UN noch nicht zum Gebäude. In der Diplomatie ist es nicht üblich, Stellungnahmen zu Sachverhalten abzugeben, die einen nichts angehen – und das Gebäude gehört offiziell noch nicht zum UN-Campus. Ganz korrekt: Bauherrin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), durchgeführt wird der Bau vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Der Bund investiert insgesamt rund 72 Millionen Euro. Erst wenn das Hochhaus fertig ist, wird es der UN übergeben.

Bei der Grundsteinlegung im vergangenen Oktober hatte Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimaschutzsekretariates und derzeitige Vorsitzende der Leiterinnen und Leiter der UN-Organisationen in Deutschland, das Engagement des Bundes begrüßt: „Indem die Bundesregierung uns sprichwörtlich den Raum und die besten Arbeitsbedingungen zur Verfügung stellt, leistet sie einen außerordentlichen Beitrag zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung und damit natürlich auch für das Paris-Abkommen.“

Vor allem die vorbereitenden Bauarbeiten sind aufwendig. Nachdem schon die Tiefgaragenzufahrt zum sogenannten Vizepräsidentenbau am ehemaligen Plenarsaal verschwenkt werden musste, geht es zurzeit erst mal darum, über 20 Meter lange Bohrpfeile rings um den Bauplatz in den Boden zu rammen. Sie bilden eine durchgängig umlaufende Wand, die die etwa 13 Meter tiefe Baugrube sichern soll. Denn das Gebäude ragt drei Stockwerke in die Erde – Raum für Technik, Archive und Lager.

Die Baugrube muss geschützt werden gegen Grund- und mögliche Hochwasser. „Da gibt es eine Alarmplanung für den Fall, dass während der Bauphase der Rhein über die Ufer tritt“, so Lippert, der betont, dass die Ausschreibung und Bauüberwachung in Arbeitsgemeinschaft mit der in Bonn ansässigen „big Architekten und Ingenieure GmbH“ erfolgt.

UN-Erweiterungsbau als Passivhaus

Der Erweiterungsbau soll als Pilotprojekt einen besonders hohen Bewertungsstandard für nachhaltiges Bauen erreichen und daher hohe „ökonomische, ökologische und soziokulturelle Kriterien“ erfüllen. Als energiesparendes Passivhaus konzipiert, sind die bauphysikalischen Anforderungen an die gläserne Außenhaut des Büroturms besonders hoch.

Wesentlicher Bestandteil des Energiekonzepts ist etwa die Nutzung eines geothermischen Brunnens als regenerative Energiequelle. Nur das Brunnenwasser wird über Wärmetauscher zur Kühlung und Beheizung des Gebäudes genutzt. Auch die Abwärme der EDV-Systeme des rund 100 Quadratmeter großen Serverraums wird in den energetischen Kreislauf eingebunden. „Die ganze Gebäudesteuerung wird sehr aufwendig“, so Lippert.

Zum Gesamtprojekt UN-Campus gehört aber auch der Ausbau der beiden einst vom Bundestag genutzten historischen und denkmalgeschützten Gebäude: Das „Alte Wasserwerk“ und das „Pumpenhaus“ werden in den Campus integriert und für die Vereinten Nationen renoviert und im Bereich der Konferenztechnik ertüchtigt. Die bestehende äußere Sicherheitslinie der Liegenschaft wird entsprechend erweitert.

Abgerissen ist mittlerweile das einstige eingeschossige Logistikgebäude zwischen Rhein und Langem Eugen – das wird deutlich erweitert neu gebaut. Zum Schluss soll die Außenanlage zu einer Einheit neu gestaltet werden.