Brustambulanz der Uni-Frauenklinik

170 Gramm Watte gegen den Schmerz

Herzkissen als Geste von Frau zu Frau: Marion Piterek (rechts) und Anke Wallraff-Beck (links) beim Näh-Treffen.

BONN. Lesen bildet nicht nur, es fördert auch das Ehrenamt. Vor anderthalb Jahren las Marion Piterek (37) in einer Handarbeitszeitschrift den Aufruf an deutsche Frauen, Herzkissen-Nähgruppen zu gründen. Die genähten Kissen sollten an Brustkrebs-Patientinnen gehen, deren Schmerzen damit kurz nach der Operation ein wenig gelindert werden können und die zudem auch ein bisschen Trost erfahren.

Marion Piterek erzählte ihrer Freundin Sandra Wiegand (41) von der Aktion - und auch sie war sofort begeistert. Schnell bildete sich eine Gruppe von Frauen, die nun regelmäßig in Marion Pitereks Laden "fapilu" zusammenkommen, um zu nähen. Seitdem sind schon viele Herzkissen als Spende an die Brustambulanz der Uni-Frauenklinik gegangen. Das Feedback ist sehr positiv, berichtet Marion Piterek: "Die Patientinnen sind sehr glücklich und dankbar. Es ist eine Geste von Frau zu Frau und dient als therapeutisches Hilfsmittel." Denn kurz nach der OP seien gerade die Wunden unter den Achseln sehr schmerzhaft.

Die Herzkissen mit ihren langen Ohren können unter die Achseln geklemmt werden, lindern dadurch den Schmerz und fördern den Lymphfluss. Damit kennt sich Marion Piterek gut aus, weil sie früher in Berlin als Physio- und Lymphdrainage-Therapeutin auch mit Brustkrebs-Patientinnen arbeitete. Schon damals war sie erschreckt, wie jung die an Brustkrebs erkrankten Frauen teilweise waren. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken Jahr für Jahr 74 000 Frauen neu an Brustkrebs; und jedes Jahr sterben 17 000 Frauen (Stand 2012).

Die Idee der Herzkissengruppen wurde von einer dänischen Krankenschwester ins Leben gerufen. Unter heartpillow.dk stellt sie offiziell registrierten Gruppen des Projektes die Schnittmuster und Nähanleitungen zur Verfügung. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Leiterinnen der Herzkissen-Gruppen, die Anleitungen niemals gewerblich zu nutzen, sondern die Kissen zu spenden.

"Wir achten ganz besonders darauf, dass wir wirklich nur Baumwollstoffe verwenden", sagt Marion Piterek. Der Stoff ist schön glatt und wird anhand der Schablone zugeschnitten. Zwei Herzhälften werden dann an der Maschine zusammengenäht. Danach kommen genau 170 Gramm Füllwatte hinein. "Das ist ganz wichtig, damit es nicht zu fest wird, aber auch nicht zu labberig und die Achseln optimal unterstützt", erläutert Marion Piterek. Wenn das Füllmaterial drin ist, wird das Kissen von Hand geschlossen. Dabei wird noch ein Fähnchen mit einem Gruß mit eingenäht: "Alles Gute wünscht das Team der Herzkissen-Gruppe Bonn".

Beim Nähen lassen es sich die Frauen gut gehen: "Wir haben Kaffee und Kakao, Kuchen und Plätzchen." In der Regel schaffen sie 20 bis 30 Kissen in drei Stunden. Diesmal sind zehn Frauen gekommen, einige mit Kindern, die tatkräftig Kissen stopfen. Die Herzkissengruppe ist für alle Interessierten offen, und frau muss auch noch nicht mal nähen können.

Anke Wallraff-Beck (36) findet es toll, kranken Frauen durch das Nähen körperlich und emotional zu helfen. "Ich kenne so viele Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind." Außerdem bewundere sie den Einsatz von Marion Piterek, die sich neben ihrer Berufstätigkeit und der Betreuung ihrer zwei Kinder für diese gute Sache einsetze. "Das muss ich einfach unterstützen", sagt Anke Wallraff-Beck. Auch Pitereks Mutter Monika Laube (62) bringt sich gerne in der Herzkissen-Gruppe ein: "Es ist mir ein Bedürfnis, diesen Frauen zu helfen. Mir macht das große Freude."

Die Herzkissengruppe freut sich über persönliche Unterstützung bei den regelmäßigen Treffen, aber auch über Spenden von Baumwollstoffen oder Füllmaterial. Die nächste Herzkissen-Aktion findet am Samstag, 7. September, von 14 bis 17 Uhr statt. Kontakt: Marion Piterek unter der Telefonnummer 0228/28 61 88 00 und nach einer E-Mail an fapilu@fapilu.de. Weitere Infos auch auf www.herzkissenbonn.blogspot.com.