Vorspielen für das Bundesjazzorchester

166 junge Musiker bewerben sich

Felix Römer am Klavier und Jakob Kühnemann (Bass) begleiten Trompeter Dominic Pessl bei seinem Vorspiel.

Felix Römer am Klavier und Jakob Kühnemann (Bass) begleiten Trompeter Dominic Pessl bei seinem Vorspiel.

03.01.2016 Bonn. Dominic Pessl ist mit seiner Trompete eigens aus der steirischen Landeshauptstadt Graz zum Vorspielen nach Bonn gekommen: Seit 28 Jahren prägt das Bundesjazzorchester als Ausbildungsorchester die Jazzszene in Deutschland und seit Sonntag werden 80 Prozent des Ensembles turnusmäßig neu besetzt.

1988 von Peter Herbolzheimer gegründet, gilt das Ensemble als wertvolles Bindeglied zwischen Ausbildung und Beruf. Der 22-jährige Österreicher Pessl stellte sich am Sonntagnachmittag in der Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums der Jury mit seiner Interpretation der Miles-Davis-Stücke Half Nelson und Solar.

Insgesamt 174 Bewerbungen waren im Projektbüro eingegangen - nach einer Vorauswahl präsentieren sich noch bis Mittwoch 142 Männer und 24 Frauen der Jury, die aus den beiden künstlerischen Leitern Jiggs Whigham und Niels Klein sowie dem Projektleiter Dominik Seidler besteht. "In fast jeder Instrumentengruppe ist auch ein Bewerber aus der Region vertreten", erzählt Seidler in der Pause. Der einzige Bonner Teilnehmer Florian Hertel von "BonnBrass" wolle die drei Juroren am morgigen Dienstag mit seinem Posaunenspiel überzeugen.

15 Minuten hat jeder Bewerber, um die Jury von seinen Qualitäten zu überzeugen: "Nach der Kür mit einem Titel eigener Auswahl folgt die Pflicht in Form eines von uns vorgegebenen Stücks - dann muss jeder Bewerber noch ein paar Fragen beantworten", erläutert Seidler die Spielregeln.

Als Veranstaltungsort dient das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA): Bereits zum zweiten Mal findet das Vorspielen dort statt und im Jahr 1988 hatte das Bundesjazzorchester überdies seinen ersten öffentlichen Auftritt an der Bonner Schule. Sämtliche Bigband-Instrumente - Trompeten, Posaunen, Saxophone und Rhythmusgruppe - sowie das Vokalensemble werden 2016 neu besetzt, denn im Bundesjazzorchester gibt es eine automatische Verjüngung: Jedes Mitglied wird maximal zwei Jahre in die Förderung des Orchesters aufgenommen: "Dann rücken neue Talente nach", erklärt Seidler.

Für die Auswahl der Sänger wird die Jury verstärkt mit den Gesangsprofessoren Anette von Eichel und Marc Secara. "Die Bewerber studieren zu großen Teilen bereits an Musikhochschulen Jazz oder können eine Vergangenheit in einem Landesjugendjazzorchester vorweisen", so Seidler.

Das Bundesjazzorchester ist ein Projekt des Deutschen Musikrates. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die Daimler AG und der WDR teilen sich die Förderung des Projekts. So bekannte Jazzgrößen wie Till Brönner, Roger Cicero oder Julia Hülsmann haben ihre Karrieren im Bundesjazzorchester begonnen.

Das nächste Konzert - dann noch in der alten Besetzung - ist am 21. März ab 20 Uhr in der Bonner Oper; die neue Besetzung feiert ihr Debüt am 2. April um 19 Uhr in der Kölner Philharmonie. Mehr Infos und alle Termine auch unter www.bujazzo.de. (Leif Kubik)