Baufortschritt am Bonner Wohnpark Reuterbrücke

1645 Kilometer Stabstahl im Beton

Bonn. An der Reuterbrücke wird schnell gearbeitet. Die ersten Wohnhäuser sollen schon im Sommer bezugsfertig sein. Bald verschwinden nun auch die Kräne auf der riesigen Baustelle.

Es gibt wohl kaum ein Viertel in Bonn, das sich derzeit so stark verändert, wie das Bundesviertel: Der neue Bahnhaltepunkt UN-Campus hinter der Museumsmeile nimmt Form an. Rund um den Trajektkreisel sind im Schatten des Post Towers jede Menge Büros entstanden.

Die ersten Bagger fressen sich ins Bonn-Center. Und auch gegenüber, auf der anderen Seite der Bahn, drehen sich seit Monaten die Kräne wie wild.

Wer den Flachbau des ehemaligen Autohauses Reuterbrücke samt der umgebenden Freifläche noch kennt, wird sich verwundert die Augen reiben. Aus der Luft betrachtet, ist gut zu sehen, wie dicht dieses Gelände nun bebaut wird.

Zur Bahn hin entsteht der größte Riegel, 125 Meter lang und sechs Geschosse hoch. Der geht dann noch um die Ecke und steht damit parallel zur Reuterbrücke. Er ist Teil eines Ringes, zu dem noch fünf weitere, kleinere Häuser gehören. In der Mitte steht ein weiteres Hochhaus.

Grundlage für die Riesenbaustelle auf dem 1,8 Hektar großen Areal war ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, dessen ursprüngliche Fassung Anwohner durchaus kritisch sahen. Die Garbe Bonn GmbH & Co. KG baut, wie berichtet, 232 Mietwohnungen, zwischen zwei und vier Zimmer groß. Macht Zuschnitte von 55 bis 122 Quadratmeter.

Die Häuser sind zum Teil drei Etagen hoch plus Staffelgeschoss. Das höchste in der Mitte hat sechs und ein kleines Staffelgeschoss. „Die Fassade wird grundsätzlich weiß“, sagt Projektleiter Siegfried Gillen von Garbe. In Teilen komme helle und dunkle Verklinkerung hinzu.

Der Eingang zur Wohnanlage befindet sich an der Oskar-Walzel-Straße. Von dort geht es über eine neue, bahnparallele Straße, über die derzeit noch die Baufahrzeuge rollen, zur Tiefgarage. 45 oberirdische Stellplätze, Grünflächen und ein zweigruppiger Kindergarten machen die Anlage später komplett.

„Wir sind im Zeitplan“, sagt Projektleiter Siegfried Gillen von Garbe. Solch eine Baustelle ist für ihn und das Hamburger Unternehmen fast schon Routine. „Im Januar ist der Rohbau fertig. Dann verschwinden die Kräne.“ Gillen rechnet damit, dass die ersten drei Häuser im Sommer 2017 bezogen werden können, der Rest gegen Ende kommenden Jahres – es sei denn, dass zum Beispiel Frost alles um ein bis zwei Monate verzögert.

Aus der Luft betrachtet ist gut zu sehen, wie mehrere Häuser im Kreis angeordnet sind. Vorne rechts befindet sich die Lärmschutzwand zur Bahn.

Aus der Luft betrachtet ist gut zu sehen, wie mehrere Häuser im Kreis angeordnet sind. Vorne rechts befindet sich die Lärmschutzwand zur Bahn.

Gegen die neue Kulisse wirken die zwei- bis dreigeschossigen Häuser an der Franz-Lohe-Straße fast mickrig. Die Bewohner hatten früher durch ein paar Bäume hindurch Sicht aufs Bonn-Center. Nun blicken sie auf die Fassaden der viel näher liegenden Wohnblöcke, die immerhin den Bahnlärm abschirmen. Alexandra Unkelbach, Sprecherin der Bürgerinitiative „Wohnen an der Reuterbrücke“, ist nach vielen kritischen Tönen nun zufrieden.

Denn die Anwohner hatten durch viele Gespräche erreicht, dass das ganze Gelände – gerade auch zur Lohe-Straße hin – offener bebaut wird und die Wohnfläche kleiner als zuerst geplant ausfällt. An den Höhen habe sich nichts verändert, zwei Stockwerke niedriger wäre vielen Kessenichern lieber gewesen.

Unkelbach kann sich noch erinnern, dass die Stadt plötzlich zusätzlich ein achtstöckiges Wohnhaus auf der Opelwiese geplant hatte. Das und ein fehlendes Verkehrskonzept „hat erst die Bürgerinitiative auf den Plan gerufen“. Die verbucht auch als Erfolg, dass es nun 45 statt acht geplanter oberirdischer Parkplätze gibt.

Die Initiative sei im Übrigen immer für neue Wohnungen an der Reuterbrücke gewesen. „Die Zusammenarbeit mit dem Bauträger war gut. Unbürokratischer als mit der Stadt“, sagt die Sprecherin. Sie ist nun gespannt auf die Fassadengestaltung. Die sei zur Bahn hin aufgelockert und gläsern geplant gewesen.

„Wir leben in einer Zeit, wo dichteres Wohnen ein großes Thema ist“, sagt Gillen. Er denke dabei etwa an die vielen Pendler, die in Bonn wohnen wollen, um so näher an ihren städtischen Arbeitsplatz zu rücken. Er bestätigt, dass im Zuge der Bürgeranhörungen schon gehörig abgespeckt worden sei. Gillens Argumente für die neue Siedlung: „Das ist nun kein Brachland mehr, und es kehrt Leben ein. Zum Beispiel durch viele Familien mit Kindern.“

Damit es für die neuen Bewohner, die direkt auf die Gleise blicken, nicht so laut wird, gibt es am Bahndamm die vor Kurzem gebaute Lärmschutzwand. „Das hat einen Tag gedauert, da war sie schon mit Graffiti beschmiert“, sagt Gillen.

Aus der Luft betrachtet, sieht man, dass sie gar nicht so besonders hoch ist. Wie soll sie also die oberen Etagen vor Zuglärm schützen? Zunächst einmal seien dort – wie überall im Wohnpark – die Fenster gedämmt, erklärt Gillen. „Aber die Wand saugt auch den Schall auf.“ Das sei zu vergleichen mit Wasser, dass man gegen eine Wand schüttet und das dann zurückfließt.