Landgerichtsprozess in Bonn

127 Einbrüche in drei Monaten

Mitglieder einer Einbrecherbande stehen in Bonn vor Gericht.

Mitglieder einer Einbrecherbande stehen in Bonn vor Gericht.

Bonn. Mit den Mitgliedern einer international agierenden Einbrecherbande muss sich das Bonner Landgericht seit Dienstag erneut beschäftigen. Die zwei mutmaßlichen Haupttäter der mehrköpfigen Bande im Alter von 25 und 28 Jahren sitzen wegen schweren Bandendiebstahls vor den Richtern der vierten großen Strafkammer.

Innerhalb von drei Monaten sollen sie 127 Einbrüche begangen haben. Vier Komplizen wurden vor gut einem Jahr von einer anderen Strafkammer des Landgerichts zu Freiheitsstrafen zwischen 18 Monaten auf Bewährung und sieben Jahren verurteilt.

Zu diesem Zeitpunkt saßen die beiden jetzt angeklagten Männer bereits in Haft – allerdings in Finnland. Die Südosteuropäer waren Anfang 2014 nach Skandinavien weitergezogen, nachdem die Bande ins Visier der Bonner Ermittler geraten war.

Mitte Dezember 2013 hatten die Polizisten einen 22 Jahre alten Komplizen auf frischer Tat geschnappt. Kurz darauf suchten die beiden Angeklagten das Weite. In Finnland machten sie weiter, wurden aber gefasst. Im April 2014 wurden sie zu vierjährigen Haftstrafen verurteilt. Nachdem sie zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen hatten, erfolgte die Auslieferung nach Deutschland.

Über Regenrinnen in den ersten Stock

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich nur der 28-jährige Angeklagte, dessen Spitzname in der Bande „Oli“ war, zu den Vorwürfen. Er räumte ein, Mitglied der Bande gewesen zu sein. Die Einbrecher hatte zwischen Oktober und Dezember 2013 ihr Unwesen vor allem in Nordrhein-Westfalen getrieben.

Von einer Wohnung in Hagen aus waren sie in wechselnder Besetzung durch die Region gefahren. Ihre Vorgehensweise war stets gleich: Sie fuhren zwischen 17 und 21 Uhr mindestens 50 Kilometer weit und stiegen dann in Häuser und Wohnungen ein. Dabei kletterten sie mehrfach über Regenrinnen in den ersten Stock.

Der 28-Jährige schilderte vor Gericht, dass vor Beginn der Diebstouren auf Google Maps mögliche Ziele erkundet wurden. „Wir haben Gegenden gesucht, die einen reichen Eindruck machten“, so der Angeklagte.

An sieben Tagen in Bonn unterwegs

Laut Urteil aus dem vergangenen Jahr war die Bande an sieben Tagen in Bonn unterwegs. Dabei zogen die Einbrecher in manchen Straßenzügen von Haus zu Haus. Vor allem auf Schmuck und Bargeld hatten es die Einbrecher abgesehen. In einem Fall steckten sie 6000 Euro ein, die die Opfer für die Hochzeit der Tochter beiseitegelegt hatten. Der Wert der Gesamtbeute belief sich auf mindestens 300.000 Euro.

Der mitangeklagte 25-Jährige, Spitzname „Toli“, kündigte an, dass er am nächsten Prozesstag eine Einlassung abgeben wird. Wie aus einem gestern vom Kammervorsitzenden verlesenen Vermerk hervorgeht, drohen den Männern lange Haftstrafen. Für den Prozess sind weitere 18 Verhandlungstage bis Ende September vorgesehen.