Flüchtlinge aus der Ermekeilkaserne in Bonn

100 junge Männer müssen in Turnhallen umziehen

Die jungen Männer gehen mit ihrem Gepäck zu den Turnhallen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs.

Die jungen Männer gehen mit ihrem Gepäck zu den Turnhallen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs.

01.03.2016 Bonn. Mit Bussen wurden Männer aus Haus 6 der Ermekeilkaserne in die Turnhallen am Robert-Wetzlar-Berufskolleg gebracht. Das Bundesamt für Migration richtet jetzt sein ein Ankunfts- und Entscheidungszentrum in Bonn ein.

Einige der jungen Männer, die Montagmorgen ihre Zimmer in der Ermekeilkaserne verlassen mussten, schauten recht ungläubig. „Ist das eine Turnhalle?“, fragten sie an der Ellerstraße teils auf Deutsch, teils auf Englisch. Ihre neue Unterkunft hatten sie sich anders vorgestellt. 100 Männer stiegen mit Rollkoffern, Tüten, Taschen und Rucksäcken aus den Bussen, die im Pendelverkehr zwischen Süd- und Nordstadt unterwegs waren.

Vor ihrer neuen Bleibe mussten sie erst einmal anstehen, damit Mitarbeiter des Roten Kreuz jeden vor dem Einzug registrieren konnten. Sie hatten auch die Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender dabei – ein vorläufiges Aufenthaltspapier mit einer begrenzten Gültigkeitsdauer.

Etwas später als geplant fuhren die Busse der Stadtwerke von der Reuterstraße in die Ermekeilkaserne, um die letzten der 340 Flüchtlinge aus Haus 6 in andere Unterkünfte in der Stadt zu bringen. Wie berichtet, wird das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dort von heute an ein Ankunfts- und Entscheidungszentrum einrichten.

Die beiden Hallen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs hat das DRK für den Bezug neu eingerichtet. Schwarze Planen als Wände sollen dabei jedem wenigstens ein bisschen Privatsphäre lassen. Ess- und Aufenthaltsräume befinden sich nebenan im Ludwig-Erhard-Berufskolleg. „Begeistert sind die Menschen nicht“, sagte auch DRK-Kreisbereichsleiter Peter Winter.

Der 18-jährige Saminullah Barekzhie bestätigte das. Er kam aus Kundus in Afghanistan und beklagte sich, dass seine Familie woanders untergebracht sei. Warum, weiß er nicht. „Es ist schlecht so“, sagte Zaki Azadzoi, ebenfalls Afghane. „Es geht von Camp zu Camp.“ Schon bei ihrer Ankunft seien viele zunächst in Turnhallen untergebracht worden. Seit Dezember wohnte er in der Kaserne. Der 19-Jährige hat sein Land wegen der Kämpfe verlassen. Sein Bruder ist seit einem Knall bei einem Angriff taub. So konnte er nicht fliehen, und die Mutter ist zu alt dazu.

Azadzoi zog es dann zwei Monate lang, viel zu Fuß, über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich bis nach Deutschland. Sein Englisch- und Persischstudium würde er hier gerne wieder aufnehmen. Sobald er etwas Geld hat, möchte er es seiner Familie schicken.

Ein paar Brocken Englisch spricht Knaliun, der allein aus der Mongolei nach Deutschland gekommen ist. Der 32-Jährige ist Künstler, malt Schwarz-Weiß-Porträts und hofft hier auf eine Perspektive. Vor dem Islamischen Staat (IS) ist der 26-jährige Twana Mahmood aus dem irakischen Kirkuk geflohen. Nun ist der Friseur in Bonn und sagt: „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt.“ Er besucht mit Ali Shevan (28) aus Qamischli im Nordosten Syriens in Bonn Integrationskurse. Auch der Elektriker ist ohne Familie in Deutschland, er würde am liebsten hier studieren.

Winters Team hat an der Ellerstraße jetzt noch Platz für 20 weitere Flüchtlinge. Wann und woher die kommen, steht noch nicht fest. Da die Hallen vor allem fürs Übernachten gedacht sind, werde um 22 Uhr in den Schlafräumen das Licht ausgemacht. Ziel sei es, dass die Menschen nicht zu lange in Turnhallen bleiben müssen. Sobald irgendwo Wohnungen oder Container frei werden, sollen sie dorthin umziehen. (Richard Bongartz)