Bonn-Center

100 Meter hoher Neubau möglich

Die Tage des Bonn-Centers in der jetzigen Form sind gezählt. Das Hochhaus an der Reuterbrücke misst aktuell 60 Meter.

Die Tage des Bonn-Centers in der jetzigen Form sind gezählt. Das Hochhaus an der Reuterbrücke misst aktuell 60 Meter.

Bonn. 60 Meter und 18 Geschosse maß das Bonn-Center, das am Sonntagmittag planmäßig gesprengt wurde. Der Neubau an derselben Stelle könnte bis zu 28 Geschosse erhalten.

Jedenfalls ist die Stadtverwaltung gewillt, dem Investor im Bebauungsplan die Option einräumen, deutlich höher bauen zu können, als bisher geplant war. Die Rede ist von einem Hochhaus mit einer Höhe von maximal 101,5 Metern. Das sind 41,5 Meter mehr, als das ehemalige Bonn-Center.

2016 sei der Investor – das Unternehmen Art Invest mit Sitz in Köln – an die Stadt Bonn herangetreten, um auszuloten, ob grundsätzlich die Möglichkeit bestehe, höher hinaus bauen zu können, hieß es aus dem Stadthaus.

Denn: Nach der ursprünglichen Planung war stets nur von einem etwa 80 Meter hohen Hochhaus mit bis zu 18 Geschossen die Rede, das von drei flacheren Gebäuden mit jeweils bis zu sechs Etagen umgeben werden soll.

„Der Bebauungsplan soll keine Anzahl von Geschossen, sondern eine maximale Gebäudehöhe festsetzen“, erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig auf GA-Nachfrage im Oktober. Vorgesehen sei eine maximale Höhe von 101,5 Metern, welche 28 Geschossen entspreche. Das Hochhaus bilde einen Hochpunkt an der Reuterstraße, der gleichzeitig den neuen Quartierplatz markiere. „Stadträumlich ist der Punkt richtig gewählt und an diesem Standort auch vertretbar“, gab Hörig die Meinung der Verwaltung wieder. Derzeit werde die Offenlage für den Bebauungsplan vorbereitet. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Politiker stehen dem Hochhaus wohlwollend gegenüber

Hartwig Lohmeyer, planungspolitischer Sprecher der Grünen-Ratsfraktion und Mitglied der Jamaika-Koalition, sagte, er habe 2016 vor der Sommerpause erfahren, dass Art Invest mit dem Anliegen an die Verwaltung herangetreten sei, eventuell höher bauen zu wollen. „Wir haben darüber in der Koalition bisher lediglich mit den Planungspolitikern gesprochen, das Thema müssen wir natürlich in den Fraktionen noch einmal ausführlich erörtern.“ Ohne vorgreifen zu wollen, fände er es aber durchaus vertretbar und auch wirtschaftlich sinnvoll, wenn das Hochhaus mehr Geschosse erhalten würde als bisher vorgesehen.

Ähnlich sieht es FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich (FDP). „Es gab ja schon immer die Idee, dass der Stadt Bonn neben dem langen Eugen und Posttower ein weiteres Hochhaus dort an diesem Standort gut zu Gesicht stehen könnte“, sagte Hümmrich. „Ich wüsste nicht, was gegen einen höheren Hochhausturm sprechen sollte“, sagte er, städtebaulich würde er sich seiner Ansicht nach sogar sehr gut an dieser Stelle einfügen.

Das Unternehmen selbst ließ über einen Sprecher mitteilen, dass man sich lediglich die Option offen halten wolle, höher als bisher geplant bauen zu können. „Die wahrscheinlichste Variante ist ein niedrigeres Hochhaus als die maximale Höhenregelung. Wie viele Stockwerke es letztendlich werden, ist noch völlig offen. Es ist auch durchaus eine Variante unter 18 Stockwerken denkbar“, sagte der Sprecher. Letztlich wolle man die Zahl der Geschosse aber davon abhängig machen, welchen Nutzer man für den Bürokomplex gewinnen werde. Fix und fertige Pläne gebe es noch nicht.

Postbank als potenzieller Nutzer?

Die GA-Information, wonach Art Invest angeblich mit der Postbank als potenziellen Nutzer verhandelt, bestätigte er nicht. „Dazu geben wir keine Auskunft“, sagte er. Auch die Postbank wollte sich dazu nicht äußern.

Sprecher Alexander Adler sagte am Dienstag nur so viel: „Die Postbank belegt in Bonn insgesamt zehn Standorte. Dementsprechend beobachten wir den Immobilienmarkt seit Längerem, um zu schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, unser Portfolio zu optimieren.“ Dazu habe die Postbank mit potenziellen Partnern Gespräche geführt und werde dies auch künftig tun.

Anwohner des Bonn-Center, die namentlich nicht genannt werden wollen, berichteten dem GA, Vertreter der Art Invest seien sehr wohl schon mit konkreten Plänen an sie herangetreten. Dabei sei unter anderem auch von einer Tiefgarage mir drei Geschossen die Rede gewesen, deren Größe dafür spreche, dass auf jeden Fall ein deutlich höheres Hochhaus geplant sei. „Wir haben uns mit Anwohnern getroffen, um sie näher kennenzulernen und sie vor allem vor Baubeginn über das Projekt zu informieren“, sagte dagegen der Art Invest-Sprecher.