Polizeieinsatz in Bonn-Ückesdorf

100 Menschen warteten vor afghanischem Konsulat

Großer Andrang herrschte am Montag am afghanischen Konsulat in Bonn.

Großer Andrang herrschte am Montag am afghanischen Konsulat in Bonn.

Bonn. Aufgrund von dringenden Passangelegenheiten sind am Montag rund 100 Menschen zum afghanischen Konsulat nach Bonn-Ückesdorf gekommen. Die Polizei rückte erneut zu dem Gebäude aus.

Außen drängte eine aufgebrachte Menge zum vergitterten Eingangstor, im Innern bevölkerten rund 100 Personen Erdgeschoss, Treppenhaus und den Zugang zum Dienstzimmer des Generalkonsuls. Die Situation in und um das afghanische Konsulat war am Montagmorgen zum wiederholten Mal sehr angespannt. Mit einem Großaufgebot musste die Polizei in den Liebfrauenweg nach Ückesdorf ausrücken, um eine aufgebrachte Menschenmenge zu beruhigen. „Die Lage blieb aber friedlich“, sagte Polizeisprecher Frank Piontek.

Wie jeden Montag waren wieder Afghanen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen nach Bonn gekommen, um hier dringend notwendige Passangelegenheiten zu erledigen. Einige waren bereits nachts angereist. Sie hatten mit ihren Familien und teilweise kleinen Kindern bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Auto geschlafen.

Diese Strapazen nehmen viele auf sich, weil sie hoffen, gleich zu Beginn der Bürozeiten eingelassen zu werden. Doch viele kamen gar nicht erst auf das Grundstück. Denn Einlass bekommen nur die, die sich zuvor online registriert haben. „Wer keinen Termin hat, den lassen wir auch nicht herein“, erklärte der afghanische Generalkonsul in Bonn, Sayed Niamatullah Sayer, im Gespräch mit dem GA. Entsprechend aufgebracht reagierten seine Landsleute, denen der Zutritt verweigert wurde.

„Das ist an Willkür nicht zu überbieten“, reagierte Paul Geißler, der mit einer afghanischen Familie aus Bocholt nach Bonn angereist war. „Wir haben einen Termin, dennoch kommen wir nicht hinein“, ärgerte er sich. Seit sechs Uhr morgens war er mit der Flüchtlingsfamilie, die er ehrenamtlich betreut, unterwegs. „Aber offenbar umsonst“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Ich habe gebeten, dass der Mitarbeiter am Eingang die Angelegenheit noch einmal prüft. Aber wir wurden einfach ignoriert. Was sollen wir denn noch tun?“, fragte er.

Eine junge Mutter mit ihren beiden kleinen Mädchen wartete ebenfalls Stunden bei eiskaltem Wind vor der Tür. Auch für sie blieb die Tür verschlossen. „Wir müssen dringend auf die Toilette. Aber wo sollen wir hin?“, fragte sie. Über die Situation rund um das Konsulatsgebäude ärgern sich die Nachbarn im Liebfrauenweg schon seit Monaten. Denn nicht nur der enorm gestiegene Besucherverkehr in dem Wohngebiet sei ein Problem, sondern vor allem der Müll, der anschließend auf der Straße und in den Vorgärten liegt (der GA berichtete). Schon zweimal musste die Polizei in diesem Jahr mit einem Großaufgebot anrücken, um die Situation in den Griff zu bekommen. Mitte Januar hatten sich 50 Afghanen vor dem Gebäude versammelt, an diesem Montag waren es deutlich mehr. „Etwa 100 Personen haben sich auf dem Gelände befunden“, erklärte Piontek.

„Bisher war das hier eine schöne, ruhige Wohngegend. Heute leben wir damit, dass regelmäßig ein Großaufgebot der Polizei anrückt. Es muss doch möglich sein, dass man eine Lösung findet, die für beide Seiten akzeptabel ist – für uns und für jene, die ihre Meldeangelegenheiten regeln müssen“, wünscht sich eine Anwohnerin.