Gezeichnet im Schützengraben

100 Jahre alte Bilder des Soldaten Roger Cadot

Bonn. Die Bundeszentrale für politische Bildung zeigt beeindruckende Zeichnungen, die während des Ersten Weltkriegs an der Front entstanden. Darunter sind auch emotionale Blicke auf das Leben von Kriegsgefangenen.

Der französische Soldat Roger Cadot sah sich nicht als Künstler. Seine meist mit Bleistift bis ins Detail beobachteten Szenen aus dem Ersten Weltkrieg sind Bilder, mit denen er seine in Tagebüchern festgehaltenen Aufzeichnungen illustrierte. Seit Dienstagabend sind die Zeichnungen in der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zu sehen.

Elisabeth Cadot, Journalistin wie ihr Großvater, hat Bilder und Texte in einem Buch zusammengefasst und daraus in Zusammenarbeit mit dem Institut français eine Ausstellung konzipiert, die bis Ende Januar im Medienzentrum der bpb an der Adenauerallee zu sehen sein wird. Die Bleistift- und Kohlezeichnungen zeigen die persönliche Konfrontation von Roger Cadot mit dem Leben und Tod in den Schützengräben.

Einzelschicksal aus dem Krieg

„Wir haben in der Bundeszentrale für politische Bildung meist einen sehr wissenschaftlichen Blick auf das Kriegsgeschehen des Ersten Weltkriegs“, sagte Anna Hoff von der bpb. Von daher sei man sehr froh, mit der Ausstellung von „Roger Cadot 1914-1918“ ein Einzelschicksal aus dem Krieg sichtbar werden zu lassen. „Über die emotionale Darstellung interessieren wir auch neue Zielgruppen für Geschichte“, sagte Hoff.

Elisabeth Cadot befand es erwähnenswert, dass nun die Bilder und Texte eines französischen Soldaten in der Bundeszentrale zu sehen sind. Im Gespräch mit Hoffs Kollegen Hans-Georg Golz beschrieb sie ihren Großvater als einen Menschen, der keinen Hass gegen den deutschen Feind verspürt habe. Für ihn sei das Soldatsein nichts weiter als ein „Job“ gewesen: „Er hat den Krieg mit seinem Optimismus überlebt. Jeder Soldat hatte seine eigene Strategie, den Krieg zu überleben.“ Die Überlebensstrategie ihres Großvaters seien die Zeichnungen und Tagebuchaufzeichnungen gewesen.

Originaltöne aus den Kriegsjahren

Golz wünschte sich, auf ähnliche „Speicherfunde“ von deutschen Soldaten aufmerksam gemacht zu werden und konnte sich für die Zukunft eine Gegenüberstellung der Kriegsteilnehmer von vor 100 Jahren im Zuge einer Ausstellung vorstellen. Doch zunächst sind rund 30 etwa DIN A 5-große Skizzenblätter in der Medienzentrale zu sehen. Elisabeth Cadot stellt den Bildern Texte gegenüber, die akribisch genau beschreiben, wie ihr Großvater die gezeichnete Szene erlebte. Mit selten zu Gehör gebrachten Originaltönen aus den Kriegsjahren, gemischt mit aktuellen Toncollagen, betonte Marie Guerin während der Ausstellungseröffnung mit ihrer Performance „Même morts nous chantons / Recorded songs don't ever die“ den emotionalen Blick auf das Leben von Kriegsgefangenen.

Die Ausstellung „Roger Cadot 1914-1918“ ist bis 25. Januar jeweils montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr im bpb:medienzentrum, Adenauerallee 86, zu sehen.