UN-Standort Bonn

„Wir nehmen den Bonn-Ausgleich ernst“

OB Ashok Sidharan, Barbara Hendricks und Ludger Sander unterzeichnen den Fördervertrag.

OB Ashok Sidharan, Barbara Hendricks und Ludger Sander unterzeichnen den Fördervertrag.

BONN. Bundesbauministerin Barbara Hendricks hat eine Fördervereinbarung unterzeichnet, die der Stadt 17 Millionen Euro aus dem Ministerium bringt. Damit soll der UN-Standort Bonn gestärkt werden.

Es soll nicht bei bloßen „Lippenbekenntnissen“ bleiben: Das sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) am Montag bei der Unterzeichnung einer Fördervereinbarung, die der Stadt Bonn eine Unterstützung von 17 Millionen Euro aus dem Ministerium bringt. Das Geld aus ihrem Ministerium dient der Stärkung des UN-Standorts Bonn und ist bis auf 1,3 Millionen Euro bereits für konkrete Projekte verplant.

„Wir wollen damit auch deutlich machen, dass wir den Bonn-Ausgleich ernst nehmen“, sagte Hendricks, die zudem Regierungsbeauftragte für den Berlin-Umzug ist. Sie erklärte auch, dass die UN Interesse an der zum Verkauf stehenden früheren Landesvertretung Nordrhein-Westfalen an der Dahlmannstraße zeige, eine Erweiterung der UN also in Aussicht stünde. Derzeit zählen die Vereinten Nationen mehr als 1000 Mitarbeiter in Bonn.

Wie berichtet, sollen unter anderem ein Erweiterungsbau der Bonn International School, eine Modernisierung und Neuausrichtung des Hauses der Natur in der Waldau und eine Teilüberdachung am Platz der Vereinten Nationen, damit die Gäste trockenen Fußes zwischen den Tagungsstätten wechseln können, von den 17 Millionen finanziert werden.

Konkurrenz in Wien und Genf

Bis auf die Erweiterung der International School muss die Stadt für die Förderung einen Eigenanteil von mindestens zehn Prozent zusteuern. Die Mittel sind bis Ende 2018 abrufbar. Sowohl die Ministerin als auch Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan betonten, dass die Subventionen wichtig sind, um als UN-Standort neben Wien und vor allem Genf bestehen zu können. Sridharan: „Genf hat ein eigenes Konferenzzentrum auf dem UN-Campus. Wir brauchen diese Förderungen, damit wir konkurrenzfähig bleiben.“ Damit spielte er auch auf die fünf Millionen Euro an, die aus dem Auswärtigen Amt jährlich zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Topf wird beispielsweise ein eigener Dolmetscherdienst in Bonn aufgebaut, den Genf längst hat. Die UN muss Übersetzer also in Bonn einkaufen.

Was das Berlin/Bonn-Gesetz und den viel diskutierten „Rutschbahneffekt“ der Ministeriumsmitarbeiter Richtung Berlin angeht, sagte Barbara Hendricks, die Bestandsaufnahme laufe. Auf dem Prüfstand stünden nicht nur die Reisekosten zwischen Hauptstadt und Bundesstadt, sondern auch die Effizienz, also beispielsweise wie viel Dienstzeit die Reisen kosten. „Die Untersuchung läuft ergebnisoffen“, erklärte Hendricks. Auch eine Neuordnung des Gesetzes in Form eines Staatsvertrags, wie ihn ihr Parteifreund Ulrich Kelber vorgeschlagen hatte, müsse geprüft werden.