Einsatz im Karneval

„Unruhige Pferde müssen sediert werden“

"Mein Job ist nun gefährlicher. Es wird spannender.“ - Tierarzt Stefan Burike

"Mein Job ist nun gefährlicher. Es wird spannender.“ - Tierarzt Stefan Burike

Bonn. Die Diskussion um Pferde im Karnevalszug geht weiter: Tierarzt Stefan Burike sieht größere Gefahr für die Jecken am Wegesrand, wenn die Pferde keine beruhigenden Mittel bekommen.

Tierarzt Stefan Burike aus Bad Godesberg fürchtet, dass nicht beruhigte Pferde eine größere Gefahr für die Besucher des Rosenmontagszugs bedeuten. „In Köln hat es massiv Proteste gegeben“, sagt Burike, der seit 19 Jahren die Bonner Ehrengarde betreut, zu den Forderungen der Tierschützer. Das Tierleben werde über das der Menschen gestellt.

Der Tierarzt kritisiert das militante Auftreten „bar jeder Realität“. Auch über die politische Diskussion im Bonner Bürgerausschuss schüttelt er den Kopf. „Statt Fachleute zu fragen, haben sich da Parteien unterhalten, die nichts von der Sache verstehen.“

Vor 20 Jahren hätten alle bei Zügen eingesetzten Pferde vorher eine leichte Beruhigungsspritze erhalten. „Dann ist der Tierarzt wieder gefahren.“ Die Sedierung ist laut Burike schon aus versicherungstechnischen Gründen notwendig gewesen. „Wenn ich ein unruhiges Pferd habe, muss es sediert werden.“ Auch die Interpretation des Tierschutzgesetzes, dass Ruhigstellung verboten sei, hält er für falsch. In Paragraf 3 steht, dass von Tieren keine Leistungen abverlangt werden dürfen, die sie eigentlich nicht erfüllen können. Tierschützer und auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz aus Bramsche legen dies so aus, dass die Pferde nur deshalb durch das Spalier mit Narren am Wegesrand gehen, weil sie beruhigt sind.

„Mit dem Argument kann ich ein Pferd an keinem Springturnier teilnehmen lassen, wenn es etwa eine Latte reißt. Das ist hochgradiger Blödsinn“, sagt Burike. Die verabreichten Beruhigungsmittel seien alle zugelassen und für die Tiere stressfrei. „Pferdebesitzer sind Profis, die wissen, ob ihr Pferd etwas braucht und wie viel.“

In den 19 Jahren bei der Ehrengarde sei noch nie etwas passiert. Beim Bonner Rosenmontagszug gingen nun alle Pferde ungespritzt an den Start. „Ich fasse keine Spritze an. Nichts“, sagt Burike. Er rechne damit, dass Tierschützer kommen und sich alles genau anschauen werden. „Es wird spannender. Mein Job ist nun gefährlicher.“ Auch wenn es um die Sicherheit der Menschen gehe. Werde nun ein Tier unterwegs unruhig, müsse er spritzen – auch wenn das Mittel dann nicht mehr schnell und gut wirke. Ein Pferd aus dem Zug zu nehmen, sei bei all den Menschen und Absperrungen nicht so leicht. „Wenn einem Menschen etwas passieren sollte, dann haben die Tierschützer gewonnen, und die Tiere werden aus den Zügen verbannt. Da bringt man doch Menschen wissentlich in Gefahr. Das finde ich sehr bedenklich“, so der Tierarzt.