Abschied von IZA-Direktor Zimmermann

„Politiker brauchen mehr Beratung“

Abschied im Uniclub: Prof. Klaus F. Zimmermann (l.) mit Moderator Prof. Ferdinand Dudenhöffer.

Abschied im Uniclub: Prof. Klaus F. Zimmermann (l.) mit Moderator Prof. Ferdinand Dudenhöffer.

Bonn. An wissenschaftlich fundierter Beratung politischer Entscheidungsträger führt kein Weg vorbei. Um diese Überzeugung zu belegen, hatte Klaus F. Zimmermann, der scheidende Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), am Montagabend handverlesene Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien zum Aufgalopp in den Uniclub gebeten.

Ex-Bundeswirtschaftsminister und Ministerpräsident Wolfgang Clement, Ford-Werke-Vorstandschef Bernhard Mattes, die Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung, Friederike Welter, der Medienrechtler Gernot B. Lehr und der Publizist Roland Tichy griffen Zimmermann vor einem voll besetzten Plenum argumentativ unter die Arme. Die Moderation übernahm der Wirtschaftswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen.

Auch der jüngst ausgeschiedene Präsident des Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, schickte ein Grußwort, in dem er Zimmermann unter anderem für dessen „enormen Einsatz und seine Integrität“ lobte. Spätestens an diesem Punkt wurde deutlich, dass die Veranstaltung vor allem eine Würdigung für den IZA-Gründungsdirektor sein sollte.

Zimmermann verlässt das Institut nach inhaltlichen Differenzen mit IZA-Präsident Klaus Zumwinkel, der als Chef der Post-Stiftung gleichzeitig die Hand auf der IZA-Finanzierung hat, Ende des Monats unfreiwillig und ohne offizielle Verabschiedung. Angeblich ging es auch um die Frage, ob die Politikberatung bei der Institutsarbeit künftig einen größeren Stellenwert einnehmen soll. In seinem Eingangsstatement wehrte sich Zimmermann jedenfalls gegen eine Beratung ohne ausreichende Beweislage. Zu schnell gerieten die Forscher dann in den Verdacht, eigene Interessen zu vertreten.

Politik-Urgestein Wolfgang Clement sieht großen Bedarf an wissenschaftlicher Expertise. Vor allem auf Zukunftsfeldern seien Politiker mit einer „erheblichen Portion Nichtwissen“ unterwegs, bekannte er. Als Beispiele führte Clement die aus seiner Sicht verfehlte Energiewende und den inkonsequenten Umgang mit der Flüchtlingskrise an. Statt liberaler Arbeitsmarktgesetze sei die große Koalition etwa mit dem Mindestlohn mitten in einer Gegenbewegung. Bei den Hartz-Reformen der Regierung Schröder habe insbesondere er als Wirtschaftsminister hingegen wissenschaftlichen Rat gesucht und umgesetzt.

Publizist Tichy warnte indessen vor falschen Einflüsterern: In den durch die Möglichkeiten des Internets heute stärker politisierten Debatten „finden sie immer jemanden, der Ihnen ein Gutachten schreibt“, sagte er. Die Autoindustrie als Schlüsselbranche in Deutschland nutze häufig wissenschaftliche Expertise, um politische Debatten zu beeinflussen, bekannte Ford-Chef Mattes.

Mittelstandsforscherin Welter hatte kein Problem damit, ihre Arbeit auch als Lobbying für den Mittelstand zu sehen, solange sie auf wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen beruhe. So wagte sie keine Prognose, inwieweit die Flüchtlinge dem demografisch bedingten Fachkräftemangel im Mittelstand tatsächlich entgegenwirken können. Alle Beispiele auf diesem Feld hätten bislang allenfalls anekdotischen Charakter.