Einzelhandel in Bonn

„Niemand möchte Einheitsbrei in der City“

Sein Markenzeichen ist der Roller, mit dem Adalbert von der Osten in der City schnell von Geschäft zu Geschäft flitzen kann.

Sein Markenzeichen ist der Roller, mit dem Adalbert von der Osten in der City schnell von Geschäft zu Geschäft flitzen kann.

Bonn. Adalbert von der Osten ist neuer Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands in Bonn und der Region. Er kritisiert die Schmuddelecken in der Stadt.

Wer Adalbert von der Osten heißt, wird oft auf seinen Namen angesprochen. „Mein Vater stammt aus einer alten pommerschen Familie, die es nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bonn verschlagen hat“, erklärt Adalbert von der Osten. Echt bönnscher Adel ist dagegen seine Mutter.

Nach verschiedenen Stationen in Deutschland und Dänemark lebt der 47-Jährige mit seiner Frau und drei Kindern nunmehr seit zwölf Jahren wieder in Bonn. Seit Mai ist er Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen. „Das ist schon ein Rieseneinzugsgebiet“, sagt der gelernte Verlagskaufmann und studierte Betriebswirt, der für die Städte und Gemeinden zwischen Euskirchen im Westen und Much im Osten zuständig ist.

In Sachen Verbandsarbeit kennt von der Osten sich bestens aus: So war er vor seinem Wechsel zum Einzelhandelsverband gut acht Jahre lang beim Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie in Bonn tätig. Sein Ziel ist es, möglichst im gesamten Verbandsgebiet die Fortentwicklung des Einzelhandels aktiv mitzugestalten. Und dabei vor allem einen gewichtigen Beitrag zu leisten, „die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Handelns im Interesse der Mitglieder zu verbessern“.

Bonn nimmt als Oberzentrum für ihn eine herausgehobene Stellung ein. Wichtig sei es, eine möglichst hohe Individualität der Geschäfte in der Bonner Innenstadt zu bewahren. „Niemand möchte einen Einheitsbrei. Das kann auch nicht im Interesse der Filialisten sein“, ist er überzeugt. Noch weise die City insgesamt eine gute Einzelhandelsstruktur auf. „Aber wir beobachten mit Sorge, dass aufgrund der Mietpreisentwicklung kleinere Geschäfte nach und nach schließen müssen.“

Als „Katastrophe“ für den Bonner Einzelhandel bezeichnet er den Vorgang um das Viktoriakarree. Die Stadt habe mit dem Aus für die Pläne des Österreichischen Investors Signa eine Riesenchance vertan. „Die Innenstadt braucht doch unbedingt noch größere Flächen für den Einzelhandel, um die Attraktivität und die Frequenz weiter zu steigern. Das Viktoriakarree wäre ideal dafür. Stattdessen vergrault man aber einen nachweislich solventen Investor“, kritisiert von der Osten.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Schmuddelecken in der Stadt. „Bonn hat einen tollen Bahnhof mitten in der City. Doch wer aus dem Zug steigt, erlebt erst einmal ein ungepflegtes, schmutziges Umfeld.“ Von der Osten ist deshalb froh, dass der Rat nun endlich die Planungen für den Bahnhofsvorplatz und die Südüberbauung auf den Weg gebracht hat. Nicht verstehen kann er, dass die Universitätsgarage mit immerhin 440 Parkplätze seit Ende 2012 geschlossen ist und sich dort immer noch nichts tut. „Das ist auch mit Blick auf die geplante Sanierung der Marktgarage ein großes Manko.“

Von der Osten sieht es als eine wichtige Aufgabe an, gemeinsam mit der Stadtverwaltung schnellstens ein Konzept entwickeln, wie der Wegfall dieser Stellplätze kompensiert werden kann. Eventuell könne ein Shuttleverkehr für die Dauer der Sanierungsarbeiten in beiden Garagen zu weiter außerhalb gelegenen Parkplätzen eingerichtet werden. Für den 47-Jährigen gehört die Bonner City zu einer der schönsten Innenstädte überhaupt. „Das ist ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann“, ist er überzeugt.

Dringenden Verbesserungsbedarf sieht er allerdings vor allem in einem Punkt: „Die Stadt Bonn liegt am Fluss. Doch davon merkt man nichts, wenn man sie besucht.“ Man könnte ähnlich wie in Oberkassel auch am linksrheinischen Ufer einen Strand aufschütten und Gastronomie dort anbieten, schlägt er vor.