Interview mit dem Bonner Architekten Jan van Dorp

„Hauptsache, es gibt keine Oberbedenkenträger“

Jan van Dorp hat das Stadttor Bonn-Beuel geplant. Ein bekanntes Referenzobjekt ist der Telekom-Dome.

Jan van Dorp hat das Stadttor Bonn-Beuel geplant. Ein bekanntes Referenzobjekt ist der Telekom-Dome.

Bonn. Jan van Dorp, Architekt des Telekom-Dome, fordert im Interview mehr Mut für ein städtebauliches Zukunftskonzept.

Seine Lieblingsstadt ist Bonn, und an vielen markanten Punkten hat der Architekt Jan van Dorp eine Marke gesetzt. Doch bauen wird in Bonn immer mühsamer, sagt er. Im Interview spricht der 63-Jährige über Wohnungsnot, mutige Entscheidungen und Gegenwind.

Wie bewerten Sie als gebürtiger Bonner die Veränderungen der Stadt?

Jan van Dorp: Der Strukturwandel von der Bundeshauptstadt zur einem Wirtschafts-, Kongress und UN-Standort ist gut gelaufen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Preis der Bürger für das WCCB ist hoch. Mit dieser finanziellen Belastung werden wir uns noch lange herumschlagen.

Was würden Sie in Bonn gerne bauen?

Van Dorp: Völlig egal. Hauptsache es gibt keine Probleme mit den Oberbedenkenträgern. In Bonn ist bauen manchmal mühsam. Zum Glück werde ich bei Gegenwind erst Recht fröhlich.

Bonn braucht Wohnungen – um jeden Preis?

Van Dorp: Die Stadt ist eigentlich am Limit. In den vergangenen zehn Jahren wurde zu wenig getan, um Flächen bereitzustellen. Es bleibt eigentlich nur Umnutzung, Abriss oder Verdichtung. Doch man gibt damit auch Qualitäten auf. Bei aller Not müssen beispielsweise Landschaftsschutzgebiete, grüne Lungen oder Frischluftschneisen tabu bleiben. Nur in Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen, also überregional, gibt es neue Wohnungsbauoptionen – gleiches gilt auch für Gewerbeansiedlung. Entscheidend ist, dass motiviert und konstruktiv Perspektiven entwickelt werden, ohne Angst vor Widerständen.

Wie steht es mit sozialem Wohnungsbau?

Van Dorp: Ob allein die Festschreibung eines 30-prozentigen Schlüssels dazu beiträgt, das Thema zu fördern, ist fraglich. Denn die Motive von Grundstückseigentümern orientieren sich verständlicherweise vorrangig am Ertrag. Sozialer Wohnungsbau ist aber notwendiger Teil eines städtebaulichen Konzepts. Dazu gehört allerdings Augenmaß, denn er darf weder zu einer Ghettoisierung führen noch nach einer Schablone umgesetzt werden.

Was sind für Sie die Indikatoren für ein städtebauliches Zukunftskonzept?

Van Dorp: An erster Stelle Mut. Stadtplaner und Architekten denken in Dimensionen von mehreren Jahrzehnten. Ein Beispiel: Bonn hat eine ausgeprägte Dienstleistungsstruktur, kaum Industrie, viele Studenten. Unter dieser Prämisse müssen Wohnumfelder und auch öffentlicher Nahverkehr geschaffen werden. Es darf nicht sein, dass so viele Berufspendler jeden Tag aus der Eifel nach Bonn fahren. Da ist etwas schiefgelaufen.