Sprachkurse an der Volkshochschule

„Es ist eine extreme Herausforderung“

Im Integrationskurs: Die Teilnehmer werden ausschließlich auf Deutsch unterrichtet.

Im Integrationskurs: Die Teilnehmer werden ausschließlich auf Deutsch unterrichtet.

Bonn. Die VHS hat die Zahl ihrer Integrationskurse verdoppelt. Nun droht ein Mangel an qualifizierten Lehrern. Über die Probleme, ausreichend Integrationskurse anbieten zu können, sprach mit der Leiterin der Volkshochschule (VHS), Ingrid Schöll.

 

Seit wann bieten Sie in Bonn Integrationskurse an? Und mit welchen Erfahrungen?
Ingrid Schöll: Seit 2005. Es gab ein eingeübtes System von fünf VHS-Integrationskursen, das heißt circa 30 Module pro Jahr. Da sind immer 20 Leute drin. Dazu boten in Bonn ein halbes Dutzend andere Träger ebenfalls diese Kurse an. Sie waren für anerkannte Asylbewerber der Einstieg in ihren gesicherten Aufenthalt in Deutschland. Das lief bis zum letzten Sommer geordnet.

Und was läuft seither?
Schöll: Ab da sollten ja viele Menschen Deutsch lernen, die das bisher für die Kurse verbindliche klassische Asylverfahren noch nicht durchlaufen haben. Angesichts dieser Herausforderung wurden mehrere Stufen entwickelt. Ab November vergangenen Jahres legten wir etwa 20 Vorkurse auf, und zwar für Flüchtlinge, die die Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender hatten. Inzwischen lässt man diese Leute in die normalen Integrationskurse rein. Das Kurssystem ist ja flexibel, sodass man nicht immer wieder bei Null beginnen muss. Seit Februar 2016 hat die VHS bei diesen Integrationskursen ihre Kapazitäten verdoppelt, eine extreme Herausforderung.

Können damit aktuell alle Aspiranten einen Kurs besuchen?

Schöll: Nein, leider nicht. Zudem rechnen wir damit, dass sich das Anerkennungsverfahren für Asylbewerber stark beschleunigt. Ab Sommer werden wir wohl auch in Bonn das Doppelte an Plätzen brauchen.

Und was sind Ihre zwei gerade gestarteten „Early Intervention“-Kurse?
Schöll: Ein weiteres Integrationsinstrument für Menschen mit guten Bleibeperspektiven. Die VHS bietet auch fachsprachliche Kurse in Deutsch für Flüchtlinge an, die sich noch in einer Warteschleife befinden. Ab Sommer kommen noch Integrationskurse zur beruflichen Orientierung am regionalen Arbeitsmarkt dazu.

Welche Flüchtlinge werden diese Kurse nutzen können?
Schöll: Wer in seinem Heimatland alphabetisiert ist, eine halbwegs gute Schulausbildung hat und in den ersten Deutschkursen erfolgreich war.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat die Höchstzahl der Kursteilnehmer von 20 auf 25 festgesetzt.
Schöll: Ich halte 25 für zu viel. Wir haben gar nicht die Räume dafür. Kapazitätsprobleme zu Lasten der Qualität gehen zu lassen, finde ich bei dieser Klientel wirklich kompliziert. Wir wollen doch, dass die Leute integriert werden.

Das Bamf hat zudem für ein Jahr den Anspruch an die Lehrenden gesenkt.
Schöll: Auch das finde ich bedenklich. Es sind eine ganze Reihe neuer Träger in Bonn/Rhein-Sieg aktiv. Ich weiß daher nicht, wie wir auf der Suche nach den besten Köpfen mittelfristig mit der Qualifikation umgehen werden. Im Moment haben wir ausreichend Kursleiter. Aber wenn die Kapazitäten erhöht werden, kann es da zum Engpass kommen.

Alphabetisierungskurse werden ein neues Feld für die VHS?
Schöll: Unbedingt, denn Sie brauchen besonders gute Lehrkräfte, wenn jemand schon in seiner Erstsprache nicht alphabetisiert ist, weil beispielsweise in Kriegsgebieten das Schulsystem ausgesetzt war. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, zumindest die jüngeren Analphabeten noch mitnehmen zu können. Bei Älteren ist das sehr, sehr schwer.

In den VHS-Kursen sitzen viele junge Männer aus arabischen Ländern. Gibt's da Probleme?
Schöll: Eindeutig nein. Wir haben keinerlei Schwierigkeiten. Die VHS wird als friedlicher Raum erfahren. Es macht mir aber Sorge, dass nicht mehr Deutsch als Verständigungssprache untereinander in den Pausen gesprochen wird, sondern Arabisch. Deshalb appelliere ich, die Flüchtlinge im Alltag in Strukturen einzubinden, wo sie auf Deutsch gefordert werden.

Gibt es in den Kursen Missachtung von Lehrerinnen?
Schöll:
Auf jeden Fall keine offene. Der eine oder andere mag sich wundern, dass da eine Lehrerin vor ihm steht. Aber es gab deshalb noch nie ein Problem.