Interview mit Johannes Mirus und Sascha Foerster

„Es gibt eine aktive digitale Szene in Bonn“

Spiegeln sich in den Displays zahlreicher Smartphones und Tablet-Computer: Johannes Mirus (links) und Sascha Foerster.

Spiegeln sich in den Displays zahlreicher Smartphones und Tablet-Computer: Johannes Mirus (links) und Sascha Foerster.

21.01.2016 Bonn. „Es gibt eine aktive digitale Szene“, sagen Johannes Mirus und Sascha Foerster. Im Interview sprechen sie über den Reiz des Bloggens, die lokale Szene sowie deren Vernetzung. In Bonn und der Region gibt es mehr als 800 Blogger. Dazu gehören auch Pia Drießen, Gunnar Sohn und Christina Wunder.

Die Bloggerszene in Bonn und der Region ist breit und gut aufgestellt. Daran haben Johannes Mirus und Sascha Foerster keinen Zweifel. Allerdings mangele es an Austausch, finden sie – und wollen das ändern. Der General-Anzeiger sprach mit ihnen über das Bloggen an sich, die Möglichkeiten der Vernetzung der Szene und die Kriterien für einen guten Blog.

Kommen Sie einen Tag ohne Smartphone und Internet aus?
Johannes Mirus: Nein! Über das Gerät rede ich mit Menschen wie von Angesicht zu Angesicht. Und ich möchte nicht auf Gesellschaft verzichten.
Sascha Foerster: Doch! Manchmal tut es ganz gut. Ich kann es aber nicht gut aushalten, wenn ich nicht selbst entscheiden kann, ob ich ins Internet komme oder nicht.

Wenn man sich mit der Bonner Blogger-Szene beschäftigt, stößt man irgendwann auf Ihre Namen. Wie hat es bei Ihnen mit dem Bloggen angefangen?
Mirus: Ich habe 2001 damit begonnen, weil ich mitbekommen hatte, dass in Amerika gerade ein Trend entsteht. Es gab erste Blogsysteme, und ich wollte das auch haben. Im Mai feiere ich mein 15-Jähriges. Das weiß ich zufällig, weil ich kürzlich einen Blogbeitrag dafür vorbereitet habe.
Foerster: Ich habe mit einem Reiseblog begonnen, den ich für meine Familie geschrieben habe. Das war 2008/2009. Danach war die Sache ein wenig eingeschlafen, bis ich irgendwann im Studium ein Problem hatte. Ich habe dazu im Internet keine Lösung gefunden und dann selbst einen Zitierstil für eine Literaturverwaltung programmiert. Darüber habe ich dann gebloggt. Ich habe zunächst nur wenig gebloggt, aber irgendwann festgestellt, dass lokal viel passiert, dass sich Blogger treffen und es ein spannendes Netzwerk in Bonn gibt. Das wollte ich sichtbarer machen.

Was ist bloggen?
Foerster: Früher ging es dabei um reine Webtagebücher. Mittlerweile hat sich das Bloggen weiter entwickelt.
Mirus: Das Wort „Blog“ kommt von „Weblog“. Am Anfang stand die Idee, kommentierte Linktipps zu veröffentlichen. Diese wurden dann schnell mit persönlichen Ansichten und Tagebucheinträgen ergänzt. Die zwei wesentlichen Merkmale eines Blogs sind die umgekehrte chronologische Sortierung – das Neueste steht also immer oben – und eine Kommentar- oder Interaktionsfunktion.

Sie betreiben mit Bundesstadt.com und BonnerBlogs.de zwei Webseiten, um die Bonner Bloggerszene sichtbarer zu machen. Was hat es damit auf sich?
Mirus: Bundesstadt.com ist ein Informationsportal für Bonn, auf dem sich Blogger und Journalisten zusammenfinden, um Beiträge über Bonn zu schreiben. Dort gibt es auch tägliche Linktipps aus Bonner Blogs. Sechs Autoren wählen diese aus.
Foerster: Auf der Konferenz re:publica 2013 habe ich erstmals andere Bonner Blogger kennengelernt. Dann hatte Karin Krubeck in ihrem privaten Blog einen Aufruf an die Bonner Blogger gestartet, sich zu melden. Darauf kamen 100 Rückmeldungen. Die Links auf die Blogs habe ich in einen Feedreader gepackt. So konnte ich sehen, was die Blogger machen. Ich fand total spannend, was da geschrieben wird. Auch hat mir der Lokalbezug immer gefallen. Das wollte ich auch nach außen zeigen. Die Blogger sollen voneinander erfahren. Daher kam die Idee, mit BonnerBlogs.de einen Ort zu schaffen, an dem die ganzen Blogs sichtbar werden.

Wie groß ist die Bonner Bloggerszene?
Foerster: Auf BonnerBlogs.de werden mittlerweile knapp 800 Blogs aggregiert. Sie produzieren am Tag 50 bis 80 Artikel. Die Dunkelziffer ist noch viel höher.

Wie ist die Bonner Bloggerszene aufgestellt?
Mirus: In Bonn gibt es prinzipiell zu jedem Thema ein Blog. Man merkt vielleicht einen kleinen Schwerpunkt bei den Themen, bei denen die Stadt auch breit aufgestellt ist, etwa Wissenschaftsblogs oder Telekommunikationsblogs. Aber die größten Blogs in Bonn beschäftigen sich mit privaten Themen. In Bonn gibt es eine aktive digitale Szene, der es aber noch an Vernetzung mangelt.

Wie muss ein Blog gestaltet sein, um erfolgreich zu sein?
Mirus: Ein Blog funktioniert nicht wegen eines Themas, sondern wegen der Person. Eine Person, die engagiert über ein Thema schreibt, findet auch ihre Zielgruppe.

Was sind Anreize, um mit dem Bloggen zu beginnen?
Mirus: Es gibt das typische Tagebuch-Bloggen, also Persönliches mitteilen und sich darstellen. Häufig besteht aber auch der Wunsch nach Austausch, also eine Community zu finden, die ähnliche Themen und ähnliche Ansichten hat, und sich dann auszutauschen.
Foerster: Ein Blog ist für mich der einfachste Weg, um Wissen weiterzugeben. Ich nutze soziale Netzwerke, um mit anderen Menschen Projekte zu erarbeiten und Themen zu diskutieren.

Zusammen mit der Bloggerin Karin Krubeck organisieren Sie das Barcamp Bonn, das am 27. Februar zum zweiten Mal stattfindet. Was ist ein Barcamp?
Mirus: Ein Barcamp ist eine Konferenz ohne feste Tagesordnung und Redner. Zu Beginn wird gemeinsam beschlossen, wie das Programm aussieht. Dann kann sich jeder einbringen und Diskussionen zu einem Thema anbieten. Beim letzten Mal waren knapp 200 Menschen dabei.

Lohnt es sich heutzutage noch, einen neuen Blog zu starten, oder käme man damit fünf Jahre zu spät?
Mirus: Es lohnt sich immer, mit einem Blog anzufangen. Es geht nicht um die Masse von Blogs, und man muss auch nicht der Erste sein. Ein Blog ist dann gut, wenn das Thema gut herübergebracht wird, der Schreibstil ansprechend ist und man überhaupt eine interessante Person ist.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung, wenn es um die Vernetzung der Blogger oder die Schaffung digitaler Angebote geht?
Mirus: Auf der einen Seite sind die Unternehmen wichtig. Daher sind wir auch angetreten, um Unternehmen ins soziale Netz zu bringen. Auch die Stadt hätte Möglichkeiten, etwa wenn es um Open Data oder digitale Infrastruktur wie freies WLAN geht. Ebenso könnte die Wirtschaftsförderung den Fokus mehr auf kleine Startup-Unternehmen aus der digitalen Community legen. Denn hier herrscht großes Potenzial. (Sebastian Fink, Christoph Meurer)