Flüchtlinge in Bonn und Moscheen

„Die Hilfsbereitschaft ist groß“

Kleiderspenden, Sprachkurse, Behördenbegleitung: Auch Bonns größtes islamisches Gotteshaus, die Al-Muhajirin-Moschee, unterstützt Flüchtlinge.

Vor rund 35 Jahren kam der Syrer Mahmoud Kharrat als Einwanderer nach Deutschland. Heute hilft der Vorsitzende von Bonns größter Moschee, die an der Brühler Straße steht, mit seiner Gemeinde Flüchtlingen aus Syrien und anderen Ländern. Warum der 73-Jährige damals auswanderte, wie seine Gemeinde Flüchtlingen hilft und wie sie die Angebote finanziert, darüber sprach Mahmoud Kharrat mit .

Was bietet die Al-Muhajirin-Moschee Flüchtlingen an?
Mahmoud Kharrat: Zurzeit bieten wir Deutschkurse an: zwei für Frauen, einen für Männer. Im vorigen Jahr war es umgekehrt. Bis Dezember hatten wir einen Kurs für Frauen und zwei für Männer angeboten.

Wie werden die Kurse finanziert? Werden sie öffentlich finanziert?
Kharrat: Die Kurse sind kostenlose Angebote der Moschee. Dazu haben wir ein paar Deutsch-Bücher gekauft, die die Teilnehmer während der Kurse nutzen und anschließend zurückgeben. Wer möchte, kann das Buch, das auch andernorts für Deutschkurse verwendet wird, aber auch kaufen.

Wer unterrichtet hier?
Kharrat: Wir haben zwei Deutschlehrer, darunter meine Tochter, die zudem Arabisch spricht, was den Unterricht erleichtert.

Wie viele Leute haben bei ihnen gelernt?
Kharrat: Zwischen 13 und 22 Teilnehmer.

Haben Sie darüber hinaus noch Angebote für Flüchtlinge?
Kharrat:
Wir haben zuerst Kleider gesammelt. Dazu haben wir unsere Gemeindemitglieder aufgerufen, gute Kleidung zu spenden. Außerdem bieten wir jederzeit Hilfe bei Übersetzungen an, zum Beispiel bei Behördengängen, unter anderem zum Jobcenter. Wir haben eine Liste von Freiwilligen, die wir auch der Stadt vorgelegt haben.

Wie kommen Sie an diese Freiwilligen?
Kharrat: Ich frage zum Beispiel vor dem Freitagsgebet in der Moschee, wer Deutsch-Übersetzungen anbieten kann. Sobald ich frage, wer helfen kann, melden sich Leute in der Gemeinde. Die Hilfsbereitschaft ist groß.

Gibt es noch weitere Angebote?
Kharrat: Manchmal kommen Leute einfach vorbei und bitten um Geld. Das können wir in Einzelfällen in kleinen Beträgen auch geben. Außerdem haben wir zwei Mal etwa 500 Leute zum Abendessen eingeladen, zum Beispiel am 31. Dezember. Da kamen Menschen von überallher, kamen ins Gespräch, sprachen über ihre Probleme, erzählten sich aber auch Witze.

Sind unter den Leuten, denen Sie helfen, viele Syrer?
Kharrat: Ja, aber es kamen und kommen auch Nordafrikaner und Iraker. Aber die Herkunft ist egal. Wer kommt, bekommt Hilfe.

Wissen denn die Flüchtlinge, dass Sie selbst Syrer sind?
Kharrat: Das hatte sich herumgesprochen, woraufhin zunächst viele kamen und um Hilfe baten, auch um Geld. Das hat sich aber deutlich gelegt, da der Staat ja mit Geld und Wohnungen hilft. Es kommen aber immer wieder Leute, die Geld spenden, damit wir dies an die Flüchtlinge weitergeben.

Arbeiten Sie bei der Flüchtlingshilfe mit der Stadt zusammen?
Kharrat: Nein, wir machen das alleine.

Woher aus Syrien kommen Sie?
Kharrat: Aus Damaskus.

Wie ist dort die Lage mit Blick auf den Bürgerkrieg?
Kharrat: Damaskus selbst ist weniger betroffen als andere syrische Städte. Aber in der Umgebung ist vieles zerstört. Zwei meiner Brüder haben ihre Häuser verloren.

Haben Sie noch ein Haus in Damaskus?
Kharrat: Nein, nicht mehr. Ich habe es verkauft, nachdem ich nicht mehr syrischer Kulturattaché war, und lebe seit 1978 in Deutschland. Meine Schwester, drei Brüder und weitere Familienmitglieder leben aber noch in Syrien.

Wann waren Sie selbst das letzte Mal in Syrien?
Kharrat: Seit 35 Jahren nicht mehr. Ich war, lassen Sie mich es mal so sagen, mit der dortigen Regierung nicht mehr einverstanden. Ich bin dann in Deutschland geblieben. Auch wenn der lange Arm des damaligen syrischen Regimes bis nach Europa und Deutschland reichte – bis hin zu Ermordungen. Aber das ist eine alte Geschichte.

Mahmoud Kharrat kam vor rund 35 Jahren aus Syrien nach Deutschland. Hier arbeitete er 18 Jahre lang für die Deutsch-Arabische Vereinigung. 2013 eröffnete die Al-Muhajirin-Moschee, deren Vorsitzender Kharrat seit 1997 Jahren ist, ihren Neubau an der Brühler Straße. Kharrat, 73, ist verheiratet, hat fünf Kinder, die alle in Deutschland studiert haben, und 13 Enkelkinder.